Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Raumsonde Cassini besucht erstmals mysteriösen Saturnmond Iapetus

14.09.2007
Wissenschaftler der Freien Universität sind am Kameraexperiment beteiligt und haben die Aufnahmesequenzen für den Vorbeiflug geplant

Die Arbeitsgruppe um Cassini Imaging Team Mitglied Prof. Dr. Gerhard Neukum am Institut für Geologische Wissenschaften der Freien Universität Berlin hat die jüngsten Kamera-Beobachtungen der internationalen Raumsondenmission Cassini geleitet. Die Sonde flog am vergangenen Montag am mysteriösen Saturnmond Iapetus in nur 1600 km Distanz vorbei. Die Datenübertragung zur Erde dauert gegenwärtig an, erste Bildprodukte wurden jetzt von der NASA veröffentlicht.

Iapetus ist ein besonderer Körper im Sonnensystem, weil eine komplette Hemisphäre so schwarz wie Kohle ist, die andere fast so hell wie Schnee. Außerdem besitzt er einen zum Teil über 20 Kilometer hohen Bergrücken, der exakt am Äquator verläuft und mehr als ein Drittel des Umfangs umspannt.

Die jetzt veröffentlichten Bilder zeigen Ausschnitte einer ungewöhnlichen Oberfläche, die von dem starken Kontrast zwischen sehr hellem Wassereis und sehr dunklem Material geprägt ist. "Die höchstaufgelösten Bilder zeigen Einzelheiten von bis zu zehn Metern Größe in der dunklen Region", erläutert Prof. Gerhard Neukum. "In diesen Bildern können wir jetzt erstmals kleine helle Krater sehen, die offensichtlich die oberste dunkle Kruste durchschlagen und helles Material aus dem Untergrund ausgeworfen haben. Es sieht so aus, als ob die dunkle Deckschicht nur wenige Dezimeter bis einige Meter dick sein dürfte."

Die Planung der Aufnahmesequenzen erfolgte unter Federführung des Mitarbeiters der Cassini-Gruppe der Freien Universität, Dipl.-Ing. Tilmann Denk, der in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Ingenieuren der Cassini-Beteiligten aus den USA den gesamten wissenschaftlichen Ablaufplan des Vorbeifluges festgelegt hat. Die wichtigsten Daten wurden im Zeitraum 55 Minuten vor bis 3 Stunden nach der geringsten Annäherung gewonnen. Hierfür legten Tilmann Denk und Kollegen, auch in Zusammenarbeit mit dem DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof, die Ausrichtung der Sonde in allen Einzelheiten fest. Diese Planungsarbeit gestattete allen Instrumenten an Bord eine maximale wissenschaftliche Ausbeute.

"Die Bilder verblüfften mich noch viel mehr, als ich es mir in der Planungsphase vorgestellt hatte", sagt Tilmann Denk. "Jede neu hereingekommene Aufnahme hatte ihren eigenen Charme. Zuerst die Bilder im Gegenlicht, welche die Formen der Landschaft schön zeigen; dann die höchstaufgelösten Bilder, die einem das Gefühl geben, ganz nah dran zu sein, und schließlich die Bilder vom Abflug, als die helle Hemisphäre mit ihrem kleinskaligen komplexen Muster aus hellen und dunklen Gebieten ins Bildfeld rückte. Über sieben Jahre Planung haben sich plötzlich in konkrete Bilder verwandelt."

Die genaue wissenschaftliche Analyse der Daten wird voraussichtlich viele Jahre in Anspruch nehmen. "Wir sind optimistisch", so Tilmann Denk, "dass wir mit diesen Daten das 335-Jahre alte Rätsel um den extremen globalen Hell-Dunkel-Kontrast auf Iapetus werden lösen können."

Mit einem Durchmesser von fast 1.500 Kilometern ist Iapetus der drittgrößte Saturnmond. Wie die anderen Saturnmonde besteht er im Wesentlichen aus Wassereis. Sein globaler Helligkeitskontrast gibt ihm ein wenig das Aussehen eines Astronautenhelms. Er wurde im Jahr 1671 vom italienischen Astronomen und damaligen Direktor der Pariser Sternwarte, Jean-Dominique Cassini, entdeckt. Mit 79,3 Tagen Umlaufzeit benötigt Iapetus extrem lange, um Saturn zu umrunden. Entsprechend dauern auch ein Tag und eine Nacht für einen hypothetischen Beobachter auf der Oberfläche jeweils fast 40 Tage.

Die Vorbereitungen des Vorbeiflugs begannen bereits im Jahr 2000. Er war ein besonderes Ereignis, weil Iapetus wegen seiner großen Distanz zum Saturn (3,6 Millionen Kilometer) und wegen der gegen die Ringebene geneigten Bahn nur sehr schwer für Cassini zu erreichen ist. Tatsächlich war dies der einzige Iapetus-Vorbeiflug für Cassini überhaupt. Cassini umkreist den Saturn seit 2004 und soll bis mindestens 2010 Daten senden.

Die Cassini-Arbeiten der Gruppe an der Freien Universität werden gefördert durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi).

Weitere Informationen erteilen Ihnen gerne:
- Dipl.-Ing. Tilmann Denk, E-Mail: tilmann.denk@fu-berlin.de,
Telefon: +49 30 838 70560
- Dipl.-Geogr. Dirk Benkert, E-Mail: dirk.benkert@fu-berlin.de,
Telefon: +49 30 838 70542
- Univ.-Prof. Dr. Gerhard Neukum, gerhard.neukum@fu-berlin.de,
Telefon: +49 30 838 70579; +49 30 838 70575 (Sekr.)
Informationen sowie Bilder im Internet:
- Die meisten Bilder des Vorbeiflugs können auf der Webseite der Fachrichtung Planetologie und Fernerkundung (http://www.fu-berlin.de/planeten) eingesehen werden. =>Aufnahmen des Vorbeiflugs:
http://www.geoinf.fu-berlin.de/projekte/cassini/cassini_gal_raw049IA.php
- Erste Stellungnahmen der NASA, welche die Cassini-Mission leitet, sind auf der Cassini-Homepage zu finden (in englischer Sprache): http://saturn.jpl.nasa.gov

- Informationen speziell zum Kamera-Experiment auf Cassini finden sich auf der Homepage des Cassini Imaging Teams (in englischer Sprache): http://www.ciclops.org

Bildbeschreibungen der frei verfügbaren Bilder;
für alle gilt Credit: NASA/JPL/Space Science Institute
"Himalaya" auf Iapetus
Diese beeindruckende Nahaufnahme der Iapetus-Oberfläche im Gegenlicht zeigt Teile des äquatorialen Bergrückens, die sich mehr als 10 Kilometer über die Umgebung erheben. Etwas oberhalb der Bildmitte ist ein kleiner heller Einschlags-Krater zu sehen; hier wurde die dunkle Kruste durchstoßen und helles Untergrundmaterial ausgeworfen. Die kleinsten sichtbaren Details sind etwa 23 Meter groß. Die Aufnahme gelang am 10. September 2007 beim einzigen gezielten Vorbeiflug der Raumsonde Cassini am Saturnmond Iapetus.

Credit: NASA/JPL/Space Science Institute

Die "Voyager-Berge"
Cassini zeigt erstmals in hoher Auflösung Details der hellen Berge, die ursprünglich in Aufnahmen der Raumsonde Voyager 2 identifiziert worden waren, die vor 26 Jahren aufgenommen wurden. Die kleinsten sichtbaren Details sind etwa 55 Meter groß, Norden ist im Bild oben. Die Aufnahme gelang am 10. September 2007 beim einzigen gezielten Vorbeiflug der Raumsonde Cassini am Saturnmond Iapetus.

Credit: NASA/JPL/Space Science Institute

Dunkle Krater
Cassini enthüllt eine helle Landschaft, die immer wieder von dunklen Flecken durchsetzt ist. Die Aufnahme zeigt einen kleinen Ausschnitt des äquatorialen Übergangsgebietes zwischen der dunklen und der hellen Hemisphäre. Das Bild zeigt einen Bereich der Übergangsregion zwischen der dunklen "Bugseite" und der hellen "Heckseite" in südlichen mittleren Breiten und zeigt Details von 55 Metern Größe. Die Aufnahme gelang am 10. September 2007 beim einzigen gezielten Vorbeiflug der Raumsonde Cassini am Saturnmond Iapetus.

Credit: NASA/JPL/Space Science Institute

"Tintenkleckse" auf einem tiefgefrorenen Mond
Dunkles Material liegt auf den Berghängen und in Kraterböden der surrealen Landschaft des eisigen Saturnmondes Iapetus. Die kleinsten sichtbaren Details sind 32 Meter groß. Die Aufnahme gelang am 10. September 2007 beim einzigen gezielten Vorbeiflug der Raumsonde Cassini am Saturnmond Iapetus.

Credit: NASA/JPL/Space Science Institute

Carsten Wette | idw
Weitere Informationen:
http://www.fu-berlin.de

Weitere Berichte zu: Cassini Luft- und Raumfahrt Raumsonde Saturnmond

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Drei Generationen an Sternen unter einem Dach
27.07.2017 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

nachricht Physiker designen ultrascharfe Pulse
27.07.2017 | Universität Innsbruck

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie