Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sind wir vor Gammastrahlenblitzen sicher?

19.09.2003


Jeden Tag wird die Erde einige Sekunden lang von Gammastrahlen bombardiert, die durch verheerende Explosionen in entfernten Galaxien erzeugt werden. Solche Explosionen werden als Gammastrahlenblitze (“Gamma Ray Bursts“ – GRBs) bezeichnet und ähneln Supernovae.


Gammastrahlenblitze: die stärksten Explosionen im Universum


Monate nach dem Gammastrahlenblitz klingt das Nachglühen ab



Astronomen untersuchen mit dem ESA-Röntgenstrahl-Observatorium XMM-Newton die Röntgenstrahlen, welche ein bis zwei Tage lang nach dem Blitz ausgestrahlt werden, um die Ursachen dieser außerordentlichen Explosionen zu verstehen.



Lebensgefahr?

Die Stärke des Vorgangs wirft die Frage auf, was mit dem die GRBs umgebenden Raum geschieht. Vor wenigen Jahren dachten einige Astronomen, dass ein GRB alles Leben in seiner Galaxie auslöschen könnte.

Dies erscheint nun als recht pessimistischer Standpunkt, da neueste Untersuchungen zeigen, dass GRBs ihre gesamte Energie entlang zweier dünner Strahlen aussenden, etwa wie ein Leuchtturm auf der Erde, und nicht wie eine Bombe in alle Richtungen gleichzeitig. Das heißt jedoch nicht, dass GRBs nicht gefährlich wären. Einigen Theorien zufolge wird alles, was bis zu 200 Lichtjahren Entfernung hin in den Strahl gerät, vernichtet.

Gab es schon GRBs in unserer Galaxie?

Wenngleich keiner der kürzlich gemessenen GRBs stark genug erscheint, so sieht das für Ereignisse in ferner Vergangenheit ganz anders aus. „Es gibt viele Überreste von Supernovae in unserer Galaxie, somit hat es wahrscheinlich auch mehrere GRBs in unserer Galaxie gegeben“, so ESA-Astronom Norbert Schartel.

Während die Astronomen wirklich nahe GRBs erst noch finden müssen, so haben sie die am weitesten entfernten vielleicht schon ausgemacht. Das ESA-Gammastrahlen-Observatorium Integral sammelt Tag für Tag unschätzbare Daten zu GRBs. Im vergangenen Jahr hat jedoch XMM-Newton das abklingende Röntgen-Nachglühen, welches einen GRB begleitete, aufgezeichnet.

Bei der Analyse der Ergebnisse stellten Schartel und seine Kollegen fest, dass die Röntgenstrahlen die „Fingerabdrücke“ eines Gases enthielten, welches ähnlich einem Neonlicht glühte.

Dieses war ein erstes klares Beweisstück dafür, dass GRBs, ähnlich wie Supernovae, mit Sternenexplosionen zusammenhängen. Inzwischen hat XMM-Newton ein weiteres Röntgen-Nachglühen mit ähnlichen Eigenschaften eingefangen, wodurch sich der Verdacht erhärtet.

Auf Basis dieser Daten und der Entdeckung von sichtbaren Explosionen einiger GRBs durch das Hubble-Weltraumteleskop von ESA und NASA haben die Astronomen ein erstes Bild der Vorgänge gezeichnet.

Offenbar ist die Explosion des Sterns nur die erste Phase. Der GRB selbst wird erst einige Zeit später erzeugt, ob allerdings Stunden, Tage oder gar Wochen später, weiß man noch nicht. Der GRB erfolgt, wenn sich der Kern des explodierenden Sterns in ein „schwarzes Loch“ verwandelt. Die Röntgenstrahlen werden bei der Kollision der GRB-Schockwelle mit den bei der vorherigen Explosion ausgestoßenen Gasen freigesetzt.

Besteht für uns ein GRB-Risiko?

Eine weitere Frage verbleibt: Könnten wir durch einen nahen GRB vernichtet werden? Die Antwort ist: Nein. Obwohl fast täglich im gesamten Weltall verstreute GRBs entdeckt werden, ist dies höchst unwahrscheinlich. Kein Stern im Umkreis von 200 Lichtjahren um unser Sonnensystem ist von dem Typ, der als GRB explodiert. Wir erwarten daher nicht, ein solches Ereignis aus der Nähe mitzuerleben!

Wir wissen jedoch, dass die ESA-Forschungsaktivitäten zu diesen faszinierenden – und furchterregenden – kosmischen Ereignissen noch viele Jahre lang fortgeführt werden.

| European Space Agency
Weitere Informationen:
http://www.esa.int/export/esaCP/SEM0A50P4HD_Germany_0.html
http://www.esa.int

Weitere Berichte zu: GRB Röntgenstrahl Supernovae XMM-Newton

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Eine Extra-Sekunde zum neuen Jahr
08.12.2016 | Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)

nachricht Heimcomputer entdecken rekordverdächtiges Pulsar-Neutronenstern-System
08.12.2016 | Max-Planck-Institut für Radioastronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

ICTM Conference 2017: Production technology for turbomachine manufacturing of the future

16.11.2016 | Event News

Innovation Day Laser Technology – Laser Additive Manufacturing

01.11.2016 | Event News

#IC2S2: When Social Science meets Computer Science - GESIS will host the IC2S2 conference 2017

14.10.2016 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops