Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Radioteleskop an Bord einer Boeing 747 ermöglicht neue Beobachtungen

27.01.2003


Wissenschaftler der Universität Bonn untersuchen zusammen mit dem Bonner Max-Planck-Institut für Radioastronomie sowie der Universität zu Köln, welche Prozesse bei der Sterngeburt ablaufen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat nun die Verlängerung des Sonderforschungsbereichs (SFB) "Die Entwicklung der interstellaren Materie" für weitere drei Jahre beschlossen.


Ein Teleskop an Bord einer umgebauten Boeing 747 soll 14.000 Meter über dem Erdboden Bilder mit bislang unerreichter Qualität ermöglichen.



Sie fördert das Projekt mit insgesamt 6,6 Millionen Euro, von denen ein großer Teil in die Entwicklung eines ungewöhnlichen Messinstruments fließt: Ein Radioteleskop an Bord einer Boeing 747 soll demnächst 14.000 Meter über dem Erdboden völlig neue Beobachtungen ermöglichen.



Wenn sie könnten, würden manche Astronomen die Atmosphäre abschaffen - zumindest für ihre Beobachtungen: Lässt die Lufthülle um unseren Planeten sichtbares Licht noch mehr oder weniger ungehindert passieren, wirkt sie beispielsweise für Infrarotstrahlung aus dem All wie die Augenklappe eines Piraten. Zum Ärger der Weltraumforscher, müssen sie doch damit auf eine wichtige Informationsquelle verzichten. So besteht unser Universum neben Sternen und Planeten zu einem großen Teil aus dünnen Gaswolken, der so genannten interstellaren Materie. Diese Wolken, die vor allem Wasserstoff enthalten, sind so kalt, dass sie kein sichtbares Licht emittieren; sie lassen sich daher mit einem optischen Teleskop nicht beobachten. Sie senden aber Infrarot- und hochfrequente Radiowellen aus, die sich mit entsprechenden Teleskopen problemlos auffangen ließen - wäre da nicht die Erdatmosphäre. Gerade die interstellare Materie ist jedoch für Astronomen äußerst interessant: Aus ihr können unter geeigneten Bedingungen neue Sterne entstehen. Eine sehr aktive "Geburtsstätte" ist beispielsweise die Schwertregion im Sternbild Orion.

Die Universitäten in Köln und Bonn betreiben daher in 3.135 Meter Höhe auf dem Schweizer Gornergrat ein Radioteleskop, um Störungen durch Wolken und Wasserdampf in den unteren Atmosphärenschichten zu minimieren. Aber selbst in dieser luftigen Höhe wirkt die Lufthülle noch immer wie eine starke Sonnenbrille, die höchstens 40 Prozent der interessanten Frequenzbereiche durchlässt. "Das bedeutet für uns unter anderem eine sechsfach längere Messzeit", erklärt der Astronom Privatdozent Dr. Andreas Heithausen, der mit Professor Dr. Ulrich Klein den Teil des SFBs an der Bonner Universität leitet. Er hofft auf baldige Abhilfe: Bereits im kommenden Jahr soll nämlich das "Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie" (SOFIA) seinen Dienst antreten. Ein Teleskop an Bord einer umgebauten Boeing 747 soll dann 14.000 Meter über dem Erdboden Bilder mit bislang unerreichter Qualität ermöglichen.

Passagierflugzeuge können SOFIA in dieser Höhe nicht in die Quere kommen. Und das ist auch gut so: Um die Stabilität des Düsenfliegers nicht zu gefährden, wollen die Ingenieure das "Guckloch" für das Teleskop, das immerhin einen Durchmesser von 2,7 Metern hat, möglichst klein halten. Schwenks sind daher nur sehr eingeschränkt möglich. Stattdessen steuert ein Autopilot die Boeing genau so, dass der Teleskop-Spiegel immer auf die Untersuchungsregion gerichtet bleibt - das funktioniert natürlich nur bei möglichst leerem Luftraum.

Die US-Raumfahrtbehörde NASA finanziert das Flugzeug und trägt damit 80 Prozent der Gesamtkosten. In Deutschland beteiligen sich neben den SFB-Instituten das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Max-Planck-Institute für Astronomie in Heidelberg und für Extraterrestrische Physik in Garching; sie sind vor allem für Teleskop und Messtechnik zuständig. Einen großen Teil des jetzt bewilligten Geldes verwenden die SFB-Forscher für den Bau von empfindlichen Messinstrumenten für SOFIA. Nach seinem Jungfernflug im Herbst 2004 soll das Observatorium jährlich 200 mal in die Stratosphäre aufsteigen. "Wir erhoffen uns davon weitreichende Erkenntnisse zum interstellaren Medium in Zwerggalaxien und zur Materie in den Randbezirken unserer Milchstraße", erklärt Dr. Heithausen. Und damit auch zu den Anfangszeiten des Weltalls: Denn in diesen nahen Himmelsobjekten herrschen zum Teil noch ähnliche Bedingungen wie in den Geburtsstunden des Universums.

Ansprechpartner:

Privatdozent Dr. Andreas Heithausen
Radioastronomisches Institut der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-5773
E-Mail: heith@astro.uni-bonn.de


Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://uni-bonn.de/Aktuelles/Presseinformationen/2003.html

Weitere Berichte zu: Luft- und Raumfahrt Materie Radioteleskop

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht MADMAX: Ein neues Experiment zur Erforschung der Dunklen Materie
20.10.2017 | Max-Planck-Institut für Physik

nachricht Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung
20.10.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise