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Mit Lautsprecher und Laser im Kloster: Oldenburger Physiker untersuchen Wandmalereien

27.10.2000


Hightech im Kloster: Mit optischem

Messgerät untersuchen Oldenburger Wissenschaftler vom Verfall

bedrohte karolingische Wandmalereien in der Klosterkirche St. Johann

in Müstair, Schweiz.


Eine Neuartige Messmethode soll die Gefährdung von Kunstwerken durch umweltbedingte Prozesse der Ablösung von Wänden rechtzeitig erkennen helfen.

Die aus dem 8. Jahrhundert stammenden karolingischen Wandmalereien im Kloster St. Johann in Müstair in Graubünden gehören zum Weltkulturgut der UNESCO. Durch Umwelteinflüsse wie Salze in der Wand oder Verkehrserschütterungen ist ihr Bestand extrem gefährdet, da sie sich stellenweise vom Untergrund lösen und herunterzufallen drohen. Die zuständigen Denkmalspfleger wollten wissen, wo die Gefährdung des Kunstwerks am größten ist und ob der Prozess der Ablösung fortschreitet. Hierfür haben nun die Optiker vom Fachbereich Physik der Universität Oldenburg unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Hinsch eine neuartige Messmethode entwickelt. Während ein Restaurator üblicherweise ein aufwendiges Gerüst für eine derartige Untersuchung aufbauen muss, können die Oldenburger Physiker vom Boden aus messen. Mit Schall aus einem Lautsprecher regen sie etwaige lose Wandstellen zu winzigen Schwingungen an. Diese werden mit einer eigens entwickelten laseroptischen Messtechnik auf einem Videomonitor sichtbar gemacht. Quadratmeter um Quadratmeter wird so der Zustand der wertvollen Malerei erfasst. Bei der Entwicklung dieser Technik sind die Oldenburger in den vergangenen Jahren von der Deutschen Stiftung Umwelt gefördert worden.

"In den nächsten Jahren", so Diplomphysiker Holger Joost, der seit einigen Wochen vor Ort arbeitet, "werden wir die Messungen unter gleichen Bedingungen wiederholen, um zu sehen, ob und wo sich der Zustand verschlechtert." An den dringendsten Stellen werden dann Reparaturen durchgeführt. Ein Nachteil ist zur Zeit noch die Lärmbelästigung während der Messung. Erst abends, wenn die Touristen gegangen sind, kann das Gerät eingeschaltet werden. Die Wissenschaftler haben aber bereits Pläne, in Zukunft eine Art Schallscheinwerfer einzusetzen, bei dem nur jeweils ein Stückchen Wand beschallt wird und es in der übrigen Kirche ruhig bleibt.

Kontakt: Prof. Dr. Klaus Hinsch, Arbeitsgruppe Angewandte Optik, Fachbereich Physik, Tel.: 0441/798-3510 oder -3453; Fax: -3576; E-Mail: klaus.hinsch@uni-oldenburg.de

Gerhard Harms | idw

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