Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bilder vom Sternentod

24.07.2008
Überraschender Fund eröffnet neue Einsichten in die Explosionsmechanismen von Supernovae

Die gewaltigen Explosionen, die das Lebensende massereicher Sterne begleiten, gehören zu den spektakulärsten Ereignissen im gesamten Universum. Wenn ein Stern mit einer Masse von mehr als dem Achtfachen der Sonnenmasse seinen nuklearen Brennstoff aufgebraucht hat, stürzt sein Kern in sich selbst zusammen: Der Stern beendet sein Leben als Kernkollaps- Supernova.

Ein Team von Wissenschaftlern unter Leitung von Paolo Mazzali vom Max- Planck-Institut für Astrophysik (MPA) hat jetzt bei einer 100 Millionen Lichtjahre entfernten Supernova eine außergewöhnliche Variation dieses Vorgangs entdeckt, bei der die Explosion von einem gerichteten Gasstrom – einem so genannten Jet – begleitet wurde. Damit widersprechen die Forscher einer früheren, in Nature publizierten Interpretation, in der die Erscheinung als normale Supernova aufgefasst worden war. Die neuen Erkenntnisse tragen dazu bei, die genauen Vorgänge beim Tod der Sterne noch besser zu verstehen (Science, 23. Juli 2008).

Die Supernova mit dem Namen 2008D war im Bild des NASA-Forschungssatelliten Swift sofort sichtbar, wohingegen es normalerweise einige Tage dauert, bis Supernova-Explosionen entdeckt werden. Sie fiel den Wissenschaftlern durch ihr besonderes Röntgensignal auf. Die Strahlung im Röntgenlicht war ungewöhnlich schwach und weich, weshalb schnell klar war, dass es sich um keinen Gammablitz handeln kann: Ein Gammablitz setzt nicht nur kurzfristig gewaltige Mengen an Gammastrahlen frei, sondern hat außerdem ein „Nachglühen“ im optischen Spektrum sowie im Röntgenlicht.

... mehr zu:
»GRB-Supernova »Gammablitz

Aufgrund nachfolgender Beobachtungen mit dem optischen Teleskop des Asiago- Observatoriums legten die Forscher fest, dass es sich um eine Supernova vom Typ Ic handelt: „Diese Supernovae stammen von Sternen, die ihre äußeren Wasserstoff- und Heliumhüllen verloren haben, bevor sie explodierten“, erklärt Mazzali. „Immer wenn wir bisher einen Gammablitz im Zusammenhang mit einer Supernova gesehen haben, war es eine Supernova vom Typ Ic. Nur sehr wenige Supernovae treten zusammen mit Gammablitzen auf, was die Sache für uns besonders spannend machte.“ Die Wissenschaftler bezeichnen diesen Typ als GRB-Supernova (Gamma Ray Burst Supernova). Supernovae vom Typ Ic stammen meist von einem Stern, der von einem Begleiter in einem Doppelsternsystem beeinflusst wurde.

Um die Supernova noch besser zu verstehen, wurde eine große Menge an Daten gesammelt. Anfangs deuteten die Beobachtungen auf die Freisetzung großer Energien hin, so dass sich die Einordnung als Typ Ic, der immer mit einer Explosion einhergeht, zu bestätigen schien. Nach einigen Tagen begann sich das Spektrum der Supernova jedoch überraschend zu verändern: Plötzlich auftauchende Heliumkurven belegten, dass der Vorgängerstern nicht so vollständig seiner äußeren Hüllen beraubt gewesen war, wie es bei GRB-Supernovae der Fall ist.

Nun deutete auf einmal alles in die Richtung einer Supernova vom Typ Ib. Bei Supernovae vom Typ Ib ist vor der Explosion lediglich die Wasserstoff-, aber nicht die Heliumhülle abgestoßen worden. Die Anwendung theoretischer Modelle, mit denen die Forscher die Eigenschaften und das Verhalten von Supernovae simulieren, auf die Supernova 2008D ergab, dass der Vorläuferstern ursprünglich einmal 30 Sonnenmassen schwer gewesen war, zur Zeit der Explosion aber nur noch eine Masse von acht bis zehn Sonnenmassen besaß. Der Rest war über Sternenwinde und Interaktion mit einem Partnerstern verloren gegangen. Das wahrscheinliche Ergebnis des Zusammenbruchs eines so massiven Sterns ist ein Schwarzes Loch.

„Da die Massen und Energien, von denen wir hier reden, geringer sind als in jeder bekannten GRB-Supernova, denken wir, dass der Einsturz des Kerns einen schwachen Jet erzeugte“, so Mazzali. Alles spricht nun dafür, dass es sich bei dieser Supernova um ein außergewöhnliches Ereignis handelt, bei dem die Explosion von einem Jet angetrieben wurde. Das Objekt ist somit eine Art Zwischenprodukt zwischen einer normalen Supernova und einer GRB-Supernova. „Entdeckungen wie diese ermöglichen es uns, ein immer detailreicheres Bild zu zeichnen, das zeigt, wie massereiche Sterne ihr Leben beenden und dabei kompakte Überreste zurücklassen, und wie sich aus kollabierenden Gaswolken wieder neue Sterne bilden“, sagt Mazzali. „Mit immer moderneren Röntgen- und Gammainstrumenten können wir allmählich die vielfältigen Varianten von Sternexplosionen entdecken.“

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Mona Clerico
Pressesprecherin
Max-Planck-Institut für Astrophysik (MPA)
und Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE)
Giessenbachstraße, 85748 Garching
Tel. +49 89 30000-3980 clerico mpe.mpg.de
Dr. Paolo Mazzali
Max-Planck-Institut für Astrophysik (MPA)
Karl-Schwarzschild-Str. 1, 85748 Garching
Tel. +49 89 30000-2221 pmazzali mpa-garching.mpg.dew

Dr. Mona Clerico | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpe.mpg.de

Weitere Berichte zu: GRB-Supernova Gammablitz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Schnell wachsende Galaxien könnten kosmisches Rätsel lösen – zeigen früheste Verschmelzung
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Astronomie

nachricht 3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind
24.05.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften