Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alternde Doppelsterne umkreisen sich und gestalten spektakulären planetarischen Nebel

09.11.2012
Internationales Forscherteam mit Astronomen der Universität Tübingen weist enges Doppelsternsystem nach und bestätigt bisher kontrovers diskutierte Theorie.

Ein internationales Team von Astronomen hat ein Sternenpaar entdeckt, das sich gegenseitig im Zentrum eines der bemerkenswertesten planetarischen Nebel umkreist. Mit den neuen Beobachtungen lässt sich eine lange diskutierte Theorie bestätigen. Sie beschreibt die spektakuläre und symmetrische Erscheinung von Materie, die von Doppelsternen ins All geschleudert wird. Diese Ergebnisse werden in der Ausgabe vom 09.11.2012 der Zeitschrift Science erscheinen.


Der planetarische Nebel „Fleming 1“ mit seinen s-förmig gebogenen (rötlichen) Massenabströmungen (so genannte Jets), für die das aufgefundene Doppel-Zentralgestirn verantwortlich ist
ESO, (Bild aus Originalarbeit)


Williamina Fleming (1857 – 1911), die Entdeckerin des Nebels
Bild: Harvard College Observatory

Planetarische Nebel sind leuchtende Gashüllen um weiße Zwerge – sonnenähnliche Sterne in den Endstadien ihrer Entwicklung. „Fleming 1“ ist ein schönes Beispiel für einen Nebel, der auffallend symmetrische, gebündelte Massenabströmungen (so genannte Jets) zeigt, die knotenartige, gekrümmte Muster erzeugen. Das Objekt befindet sich im Sternbild des Zentauren am Südhimmel und wurde vor etwas mehr als einem Jahrhundert von Williamina Fleming entdeckt, einer ehemaligen Hausangestellten, die später vom Harvard College Observatorium (USA) angestellt wurde, nachdem ihre Begabung für die Astronomie erkannt wurde.

Unter Astronomen wurde seit langem kontrovers diskutiert, wie diese symmetrischen Jets entstehen könnten. Nun hat ein Forscherteam unter Leitung von Henri Boffin (ESO, Chile) neue Beobachtungen am Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile durchgeführt und mit neuen Tübinger Computermodellen von Dr. Thomas Rauch ausgewertet. Die Astronomen können damit erstmals erklären, wie diese bizarren Formen entstehen konnten. Bei der spektroskopischen Untersuchung des Zentralsterns fanden sie heraus, dass es sich um ein enges Doppelsternsystem handelt, bestehend aus zwei weißen Zwergen, die sich gegenseitig in nur 1,2 Tagen umkreisen. Solche Systeme sind außerordentlich selten.

Die nun veröffentlichte Studie zeigt, dass die beobachteten Muster im Nebel „Fleming 1“ das Er-gebnis einer engen Wechselwirkung dieses Doppelsternsystems ist – der auffällige „Schwanenge-sang“ eines Sternpaars. Diese Arbeit stellt den bisher umfassendsten Fall eines Doppel-Zentralsterns dar, für den Simulationen korrekt vorhergesagt haben, wie es den umgebenden Nebel formt.

Als die beiden Sterne alterten, dehnten sie sich aus. Zeitweise agierte der eine Stern als „Vampir“, der Materie von seinem Begleiter absaugt. Dieses Material strömte in Richtung „Vampir“ und um-kreiste ihn in Form einer so genannten Akkretionsscheibe. Während die beiden Sterne umeinander kreisten, wechselwirkten sie mit der Scheibe und brachten sie zum Taumeln, ähnlich wie ein tau-melnder Kreisel - eine Bewegung, die als Präzession bezeichnet wird. Diese Bewegung bestimmte das Verhalten jeglicher Materie, das von den Polen dieses Systems nach außen weggedrückt wur-de, so wie die herausströmenden Jets. Die neue Studie bestätigt nun, dass präzedierende Akkreti-onsscheiben in Doppelsternsystemen die auffällig symmetrischen Formen um den planetarischen Nebel „Fleming 1“ hervorgerufen haben.

Kontakt:

Dr. Thomas Rauch (ab 9.11.)
Prof. Dr. Klaus Werner
Universität Tübingen
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Institut für Astronomie und Astrophysik/Kepler Center for Astro and Particle Physics
Tel. +49 7071 29-78601
Rauch[at]astro.uni-tuebingen.de, Werner[at]astro.uni-tuebingen.de

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.astro.uni-tuebingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Der “Stein von Rosetta” für aktive Galaxienkerne entschlüsselt
21.06.2018 | Max-Planck-Institut für Radioastronomie

nachricht Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern
20.06.2018 | Leibniz-Institut für Photonische Technologien e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der “Stein von Rosetta” für aktive Galaxienkerne entschlüsselt

21.06.2018 | Physik Astronomie

Schneller und sicherer Fliegen

21.06.2018 | Informationstechnologie

Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

21.06.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics