Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Augmented Prototyping für schnelle Produktentwicklung

23.11.2001


Fraunhofer IGD zeigt auf EuroMold 2001 die Verbindung von virtuellen und physikalischen Modellen

Kurze Innovationszyklen, hohe Qualität, individuelle Produktanpassung und schnelle Auslieferung sind für Unternehmen entscheidende Faktoren, um im internationalen Wettbewerb erfolgreich bestehen zu können. Der effiziente Einsatz der Virtual Reality (VR) Technologie, der Virtuellen Realität, ist inzwischen für einige Branchen zum entscheidenden Faktor geworden, um ihre Entwicklungszeiten zu verkürzen und kostspielige Planungsfehler zu vermeiden. VR ist bereits heute fest in den Prozess der Produktentwicklung integriert und ermöglicht es dem Anwender intuitiv zahlreiche Alternativszenarien zu simulieren. Allerdings können virtuelle Prototypen die realitätsgetreuen, funktionstüchtigen physikalischen Modelle nur ergänzen, nicht in allen Phasen ersetzen. Beispielsweise lässt sich die Oberflächenstruktur von Materialien bisher nur am realen Modell ertasten, denn das haptische Interface, das Kraftrückkopplung mit solch einer feinen Granularität ermöglicht, ist in VR noch nicht realisiert. Eine Alternative bietet daher die Technologie der Augmented Reality (AR), der Erweiterten Realität: dabei überlagern virtuelle Modelle das physikalische Modell und verschmelzen für den Betrachter. Dieses sogenannte Augmented Prototyping verbindet in idealer Weise die Vorteile von Virtual und Rapid Prototyping. So kann sich der Anwender z. B. im Design Review unterschiedliche Farben, Materialien und deren visuelle Effekte über seine halbtransparente Brille einblenden lassen, gleichzeitig aber den physischen Prototypen erleben. Oder während einer Besprechung können die Teilnehmer ihre Änderungswünsche über das reale Modell frei als dreidimensionale Computergrafik skizzieren und damit auch protokollieren. Ferner kann ein Konstrukteur mit der AR-Technologie testen, ob sich das neue, am Computer entworfene Bauteil in ein bereits vorhandenes Produkt einbauen lässt.

Wie das Augmented Prototyping Prozesse in der Produktentwicklung beschleunigen und verbessern kann, zeigen Forscher des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung IGD. Sie präsentieren Augmented Prototyping vom 28. November bis 1. Dezember in Frankfurt/Main auf der EuroMold 2001, der Weltmesse für Werkzeug- und Formenbau, Design und Produktentwicklung. Das Fraunhofer IGD stellt in Halle 8.0, Stand N112-L129, dem Gemeinschaftsstand der Fraunhofer-Allianz Rapid Prototyping, aus.

Die Besucher der Euromold können einen Blick in die Zukunft des Design Reviews werfen: Auf einem Tisch steht das Modell eines roten Ferrari Spider. Der Entwickler schaut durch das halbtransparente Datenfernglas und berührt mit der Spitze seines stiftähnlichen Eingabegerätes den Knopf einer virtuellen Tastatur. Sogleich kann er das physikalische Sportwagenmodell mit virtuellen Skizzen ergänzen. Dann reicht er das Datenfernglas an seine Kollegin zur Beurteilung weiter. Später kommen der Entwicklungsleiter und ein Vorstandsmitglied und besprechen mit dem Team das Design des Autohecks. Um ihre Änderungswünsche zu dokumentieren, blicken sie jeweils durch die Datenbrille und skizzieren mit dem Eingabegerät eine neue Linienführung im dreidimensionalen Raum über den physikalischen Prototypen. Damit sich Realität und vom Computer erzeugte Bilder bzw. Grafiken möglichst perfekt überlagern, verfolgen zwei Kameras ständig die Lage des Automodells wie auch die Position und Blickrichtung des Anwenders.

"Im Augmented Prototyping reichen den Entwicklern und Konstrukteuren wenige Exemplare der teuren und aufwändig hergestellten physikalischen Modelle aus, um ein großes Spektrum an Materialen, Farben und anderen Parametern begutachten zu können", beschreibt Dr. André Stork, Projektleiter am Fraunhofer IGD, die Vorteile dieser neuen Technologie. Ferner könne der Anwender sehr intuitiv mit dem hybriden Modell interagieren und seine Änderungen in 3D skizzieren. Das Programm läuft auf leistungsfähigen PCs und wird zur Zeit für unterschiedliche Anwendungen weiterentwickelt. Es verbindet die am IGD erarbeiteten Lösungen zur Gestaltung von Freiformflächen am Virtual Table mit der AR-Technologie. "Neben der Produktentwicklung kann AR auch in anderen Bereichen wie Montage, Wartung und Service eingesetzt werden und so die Wertschöpfungskette komplettieren," betont André Stork. Allerdings dürfte es noch eine Weile dauern, bis ein Kunde beim Autohändler sich in den Vorführwagen setzt und mittels Datenbrille das gewünschte Material fürs Armaturenbrett oder die Farbe seines Neuwagens auswählen kann.

Bernad Lukacin | idw
Weitere Informationen:
http://www.igd.fraunhofer.de/igd-a2/
http://www.euromold.com/

Weitere Berichte zu: Augmented Graphische Datenverarbeitung Prototyping

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Effizienz steigern, Kosten senken!
17.08.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Maßgeschneiderte Lösungen für APos-Maschinen: Kamerasystem Keyence CV-X100
11.08.2017 | Heun Funkenerosion GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Chaos bei der Zellteilung – wie Chromosomenfehler in Krebszellen entstehen

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

23.08.2017 | Förderungen Preise

Winzige Spurenverunreinigungen, enorme Auswirkungen

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie