Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fernwartung senkt Spesenrechnungen

09.03.2004


Der Freude über internationale Kunden folgt schnell die Ernüchterung, wenn die Maschine steht und am anderen Ende der Welt der Anwender bereits um Unter­stützung bittet, während beim Hersteller in Deutsch­land gerade erst der Wecker klingelt. Jetzt heißt es schnell sein: Der War­tungstechniker muss das nächste Flugzeug nehmen und versuchen, das Problem zu lösen. Allerdings weiß er noch nicht genau, was ihn erwartet, denn der Maschinenbediener vor Ort war äußerst aufgeregt und nur die Hälfte sei­ner Worte waren zu verstehen. Genau an dieser Stelle lohnt es sich, über die Möglichkeiten der Ferndiagnose und -wartung nachzuden­ken, die sich durch den Siegeszug der Internettechnologie heute tech­nisch sehr einfach nutzen lassen. Im Rahmen der Factory Automation bietet die Deutsche Messe AG, Hannover, allen Besuchern der HANNOVER MESSE vom 19. bis 24. April die optimale Möglichkeit, sich detailliert mit dem Teleservice zu befassen.



Der genannte Fall lässt sich mit Hilfe der Ferndiagnose wesentlich ent­spannter lösen. Natürlich muss die Maschine dazu mit entspre­chender Sensorik ausgestattet sein. Diese ist aber häufig schon wegen der immer leistungsfähigeren Steuerungen serienmäßig an Bord. Jetzt fehlt nur noch eine Internetverbindung, und der Dienst habende Service­techniker in Deutschland kann direkt auf seinem PC sehen, wo das Prob­lem liegt. In vielen Fällen dürfte er den Fehler kennen und wissen, dass er sich vor Ort mit wenigen Handgriffen und einfachem Werkzeug beheben lässt. In diesem Beispiel würde er dem örtlichen Maschinenbediener die Repara­turanleitung in dessen Sprache als Kurzfilm überspielen, und eine Vier­telstunde später liefe die Maschine wieder – ohne dass ein Service­techni­ker dazu ein Flugzeug hätte besteigen müssen. Kunde und Her­steller wären zufrieden, Spesenrechnungen fielen nicht an. Sollte aber tatsäch­lich eine größere Reparatur fällig werden und der Besuch des Ser­vice­technikers notwendig sein, wüsste dieser zumindest, was ihn erwar­tet. Die erforderlichen Ersatzteile könnte er gleich mitnehmen, vorausge­setzt, er kann sie tragen.



Maschinenanbieter wie die Eisenmann Maschinenbau KG, die mit ihren Spritzgießmaschinen weltweit aufgestellt sind, bieten ihren Kun­den bereits die Option zur Ferndiagnose und -wartung. Der Arburg Remote Service (ARS) erlaubt den Zugriff auf wichtige Produktionsdaten sowohl im eigenen Firmennetzwerk als auch von außerhalb über das Internet durch die Loßburger selbst. Zusätzlich notwendig ist nur ein Standard-Ethernet-Netzwerk zwischen einem PC und der Steuerung der Spritzgießmaschine. Maschinenspezifische Probleme lassen sich so von den Fachleuten in Loßburg schnell ermitteln und über einen Daten­abgleich effizient beheben. Ein weiteres Plus ist, dass sich über ARS und eine spezielle Maschinenschnittstelle auch Produktionsdaten via Internet abrufen lassen – sofern man dazu berechtigt ist.

Für Hersteller wie Arburg ergeben sich weitere Möglichkeiten, den Kun­den einen immer besseren Service zu bieten. So können nicht nur die Anwender selbst Ersatzteile über einen interaktiven Katalog im Internet bestellen. Die Mehrzahl der Arburg-Niederlassungen ist ebenfalls EDV-vernetzt, um weltweit eine schnelle Ersatzteillieferung sicherstellen zu können. Ist etwa ein Ersatzteil, das dringend in den USA benötigt wird, in Brasilien vorrätig, kann der Kundendienst es dort anfordern und auf dem schnellsten Weg zum Kunden bringen. Hat sich zusätzlich per Ferndiag­nose herausgestellt, dass ein Servicetechniker benötigt wird, lässt sich dessen Eintreffen mit dem des Ersatzteils synchronisieren. Unnötige Kos­ten entfallen damit, und die Maschine ist auf schnellstem Wege wieder einsatzbereit.

Verschwiegen werden darf nicht, dass diese Art der Zusammenarbeit zwischen Anwender und Maschinenhersteller auf einer wichtigen Vor­aussetzung fußt: dem Vertrauen untereinander. So ist leicht einzusehen, dass Maschinendaten, die über das Internet zugänglich sind, auch Auf­schluss über die Fertigung des Anwenders geben. Dieser muss sich also darauf verlassen können, dass diese Daten kein Unbefugter zu Gesicht bekommt. Erst wenn der Hersteller dies garantieren kann, steht den posi­tiven Aspekten des Teleservice nichts mehr im Wege. Denn technisch sind solche Lösungen etwa über Software des Bereiches Automation and Drives (A&D) der Nürnberger Siemens AG leicht umzusetzen. Auch aus großer Entfernung lassen sich so Diagnose und Service durchführen, bis hinab auf die Ebene einzelner Antriebe.

Der Markt für Bedien- und Beobachtungssysteme – und dazu zählen die Systeme der Fernwartung – gehört zu den stärksten Wachstumsfeldern der Automation. Nach Erkenntnissen des Arbeitskreises Bedienen & Be­obachten im Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V. (ZVEI), Frankfurt/Main, dürfte das Marktvolumen der Branche in Deutschland 2003 im Vergleich zum Vorjahr um gut zehn Prozent auf knapp 300 Millionen Euro gestiegen sein. In diesen Zahlen enthalten sind Bediengeräte, Industrie-PC als Plattform sowie Visualisierungssoftware.

Die Funktionalitäten der Geräte und Systeme nehmen bei den maschi­nennahen Geräten zum Bedienen und Beobachten stetig zu. Sie reichen von integralen Steuerungen über örtliche Datenerfassung, Speicherung und Analyse bis zum Fernzugriff per Ethernet oder Internet auf Prozess­daten, für Service oder Wartung. Speziell das ortsunabhängige Bedienen und Beobachten mit drahtloser Kommunikation steckt noch in der Anfangsphase, aber die Wachstumserwartungen sind hoch.

Die Factory Automation, die internationale Leitmesse der Fertigungsautomation, findet vom 19. bis 24. April 2004 im Rahmen der HANNOVER MESSE statt. Auf der Factory Automation 2004 präsentieren Anbieter aus über 40 Ländern das gesamte Spektrum der Fertigungsautomation in den Hallen 7 bis 9, 11 und 14 bis 17.

Das Ausstellungsangebot der Factory Automation umfasst die Bereiche Elektrotechnik (Steuerungstechnik, Mess- und Regeltechnik, Industrie-PC, Netz­werke/Industrie-Kommunikation, Wireless Automation, Embedded Systems, Senso­rik, Aktuatorik, Elektromotoren, Prüftechnik, 19’’ Aufbausysteme, Magnettechnik) und Maschinenbau (Montage, Handhabung, Robotik, Industrielle Bildbearbeitung, Fertigungstechnik, Betriebstechnik, Systeme und Komponenten für die automatisierte Montage- und Handhabungstechnik).

Die Factory Automation ist in ihrer Aussteller- und Besucherstruktur international angelegt und bildet als horizontale Leitmesse das gesamte Angebot für die Fabrik­automation ab. Sie bietet maßgeschneiderte Anwendungen und Lösungen für Top-Entscheider und Fachleute aus Produktion, Entwicklung, Konstruktion, Einkauf und Forschung.

Als weltweit führende Messe bietet die Factory Automation den Besuchern sowohl branchenspezifische Informationen – über das einzelne Gerät bis hin zur Automatisierung ganzer Produktionsanlagen – als auch branchenübergreifende Informationen zu Technologien und Trends in der Fertigungsautomatisierung.

Ein besonderes Highlight der Factory Automation 2004 bildet die Sonderpräsenta­tion „Automation live“. In enger Zusammenarbeit mit der Volkswagen AG und deren Technologiepartnern werden hier die zentralen Fertigungs- und Planungsstufen eines Automobils in Aktion präsentiert.

Inga Buß | Deutsche Messe AG
Weitere Informationen:
http://www.messe.de

Weitere Berichte zu: Ferndiagnose Spesenrechnungen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht EMAG auf der EMO: Elektrische Antriebssysteme und die „Smart Factory“ stehen im Fokus
05.07.2017 | EMAG GmbH & Co. KG

nachricht Biophotonische Innovationen auf der LASER World of PHOTONICS 2017
26.06.2017 | Leibniz-Institut für Photonische Technologien e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten