Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Uni Essen: Mit zwei Exponaten zur MEDICA - Neue Stents und Gewebekits als Qualitätsmaßstäbe

20.11.2000


... mehr zu:
»MEDICA »Radionuklid »Sawitowski
Bemerkenswerte Erfolge werden am Essener Universitätsklinikum seit einigen Jahren bei der Behandlung koronarer Restenosen, den gefürchteten Wiedereinengungen bereits aufgeweiteter Gefäße, erzielt. Die Kardiologen
haben sich dafür Unterstützung bei Strahlentherapeuten, Nuklearmedizinern und Medizin-Physikern gesucht: Bei der sogenannten Brachytherapie wird über einen Katheter eine Strahlenquelle für kurze Zeit in den Körper des Patienten gebracht und eine kurzzeitige Bestrahlung in Innern der Arterie vorgenommen. Demnächst hoffen Essener Wissenschaftler - und diesmal sind es Kardiologen und Chemiker - einen Schritt weiter gehen zu können. Stents, die winzigen Gefäßstützen, die sich zur Aufweitung verengter Arterien längst etabliert haben, werden unmittelbar mit einem Radionuklid bestückt und geben ihre Strahlung in schonenden Dosen an die Innenwände der Gefäße ab. Auf der MEDICA, die in der nächsten Woche - Mittwoch bis Samstag, 22. bis 25. November, in Düsseldorf stattfindet, werden Professor Dr. Günter Schmid und Dr. Thomas Sawitowski den Stand der Entwicklung vorstellen. Der radioaktive Stent ist eines von zwei Exponaten, mit denen sich die Universität Essen am Gemeinschaftsstand "Forschungsland Nordrhein-Westfalen" beteiligt. Das zweite entstand - in Kooperation mit dem West-deutschen Tumorzentrum" - an der von Professor Dr. Herbert Rübben geleiteten Universitätsklinik für Urologie.

Dort wurden Proben von gesundem und krankem Gewebe unter standardisierten Bedingungen in flüssigen Stickstoff eingebracht und eingefroren. Sie bilden jetzt den hohen Maßstab bei der Qualitätsprüfung von Markersystemen, mit deren Hilfe die Diagnose eines breiten Spektrums von Erkrankungen, insbesondere von bösartigen Tumoren, möglich wird. Die Gewebekits werden Wissenschaftlern für universitäre und industrielle Forschung zur Verfügung gestellt, aber auch durch die in den Kliniken tätigen Ärzte genutzt. Im Essener Universitätsklinikum werden sie, berichtet in der Klinik für Urologie Oberarzt Dr. Thomas Otto, häufig verwandt.

Bei verschiedenen Krebsarten konnte mit Hilfe der Gewebekits festgestellt werden, dass der Grad der Bösartigkeit abhängig ist von der Fähigkeit der Tumorzelle sich fortzubewegen. Medikamente, die die Beweglichkeit der Tumorzelle hemmen, mindern die Bösartigkeit des Tumors. Ein solches Medikament könnte, wie Otto erklärt, das Keuchhusten-Toxin (Pertussis-Toxin) werden. Beim Tierversuch mit Ratten und Mäusen zeigte sich, dass sich unter dem Einfluss dieses Toxins Harnblasen- und Prostata-Karzinome zurückbilden und die Metastasen-Bildung gehemmt wurde. Von krebskranken Menschen allerdings weiß man bislang lediglich, dass der Einsatz des Toxins nebenwirkungsfrei bleibt. Untersuchungen zur Wirksamkeitsprüfung werden zur Zeit durchgeführt.

Fast bis ins Stadium des Tierversuchs gelangt sind auch die neuen Stents. Das von den Essener Chemikern entwickelte Verfahren, das die Strukturierung der netzartigen Oberfläche der Stents durch winzige Poren erlaubt, ist bereits patentiert. Die Poren mit einem Durchmesser von 5 Nanometern - das sind fünf millionstel Millimeter - können Radionuklide aufnehmen, die fest an den Stent gebunden sind, die also nicht "abwandern" können in Nieren oder Leber, um ihre dort unerwünschte Strahlung abzugeben. Auch die Gefahr einer biochemischen Abspaltung der gebundenen Isotope besteht nicht. Die Poren, in die sie eingebunden sind, sind zu klein, als dass Zellen, Proteine oder Enzyme eindringen können.

In dem von der Restenose bedrohten Gefäß erfolgt die Bestrahlung hingegen im therapeutisch sinnvollen Zeitrahmen. Er ist abhängig von der Halbwertzeit der eingesetzten Radionuklide. Zur Anwendung kommen könnte, sagt Dr. Sawitowski, Rhenium 186 oder 188.


Redaktion: Monika Rögge, Telefon (02 01) 1 83 - 20 85
Weitere Informationen: Dr. Thomas Otto, Telefon (02 01)
7 23-32 12
Dr. Thomas Sawitowski, Telefon (02 01) 1 83-43 43

Monika Roegge | idw

Weitere Berichte zu: MEDICA Radionuklid Sawitowski

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Safety first – höchstmöglicher IT-Schutz
06.09.2016 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Schaltschrank-Standards zum Anfassen
06.09.2016 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise