Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elektronisch signieren mit dem PDA

11.02.2003


© Fraunhofer/Vierthaler & Braun - Die mobile Signierstation kommuniziert drahtlos mit dem PC


Der E-Commerce in Deutschland kommt nicht so richtig in Schwung. Angst vor Sicherheitsrisiken und Missbrauch verunsichern Verbraucher, Händler und Kreditkartenunternehmen. Die Lösung: die elektronische Signatur. Auf der CeBIT stellen Fraunhofer-Wissenschaftler eine mobile und vertrauenswürdige Signatur-Plattform vor: den Trusted Pocket Signer.

... mehr zu:
»Kreditkartenunternehmen »TPS

Am 16. April 2002 sorgte ein "Skandalurteil" des Bundesgerichtshofs für Unruhe bei deutschen Kreditkartenunternehmen und Internethändlern. Wenn Kunden bei Internetkäufen bestreiten, Waren bestellt zu haben, müssen künftig nicht mehr die Händler das Ausfallrisiko tragen, sondern die Kreditkartenunternehmen. Dabei geht es um eine Summe von rund 10 Millionen Euro. Und der Missbrauch bei Kaufgeschäften per Telefon oder Internet nimmt zu. Allein im vergangenen Jahr um 13 Prozent. Müssten alle Kunden eine elektronische Signatur benutzen, statt die Kreditkartennummer einzugeben, wäre das Problem gelöst. Bisher weisen die meisten Produkte, die elektronische Signaturen ermöglichen, noch Schwachstellen auf. Aus dem Internet drohen Angriffe auf Daten. Trojanische Pferde oder Viren könnten die Software auf dem PC verändern. Außerdem ist das Handling bisher noch nicht optimal. Mit dem Förderprogramm "VERNET - Sichere und verlässliche Transaktionen in offenen Kommunikationsnetzen" will das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie BMWA das Vertrauen in die neuen Medien stärken. Eines der sieben Projekte ist der Trusted Pocket Signer.

"PCs sind mit zu vielen Sicherheitsrisiken behaftet, wenn es um das Signieren von Dokumenten geht. Die Software für die elektronische Signatur könnte leicht manipuliert werden", erläutert Projektleiter Bruno Struif vom Fraunhofer-Institut für Sichere Telekommunikation SIT in Darmstadt. Zusammen mit Kollegen des Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik IBMT und den IT-Sicherheitsfirmen Kobil Systems GmbH und SRC Security Research & Consulting GmbH entwickeln die SIT-Experten deshalb eine mobile Signierstation. Damit lässt sich die elektronische Signatur schnell und missbrauchssicher unter Dokumente setzen.


Der TPS besteht aus einem Taschencomputer und einer Signaturkarte, die in das flache Pocket-Gerät eingesteckt wird. Er basiert komplett auf offenen Standards: Linux, Java und XML. Wegen der verwendeten Java-Engine lassen sich zusätzliche Anwendungen wie Terminplaner auf den TPS laden. Die biometrische Handschrifterkennung bietet Sicherheit und optimalen Benutzerkomfort. Der TPS kommuniziert drahtlos mit PCs, die über eine entsprechende Schnittstelle verfügen.

Für erste Tests haben die Experten Arztpraxen ins Auge gefasst. Mit dem neuen System muss der Arzt vor Beginn der Sprechstunde seine Signaturkarte in den TPS einstecken und einmalig seine PIN eingeben. Will er ein Rezept unterschreiben, klickt er kurz "Signieren" auf dem PC an. Das Dokument wird an den TPS übermittelt und auf dem Display des TPS angezeigt. Anschließend löst der Arzt am TPS einfach durch Eingabe von Unterschrift oder Paraphe die elektronische Signaturerzeugung aus. Das unterschriebene elektronische Rezept wird entweder auf die Patientenkarte geschrieben oder zu einem Server übertragen. Von dort kann es in der Apotheke abgerufen werden. Der Patient erhält einen Beleg. "Die Ärzte profitieren von dieser Lösung gleich mehrfach: Sie werden bei der Behandlung nicht gestört, weil sie Rezepte, Krankschreibungen oder Atteste gegenzeichnen müssen. Sie sehen die Dokumente auf dem PC und signieren auf dem TPS. Wechseln sie das Zimmer, nehmen sie das Gerät mit. Das lästige Karten-Ein- und Ausstecken entfällt. Die Karte wird nur einmal eingesteckt und die PIN nur einmal eingegeben und bleibt den ganzen Tag gültig", fasst Struif die Vorteile zusammen. Ein Missbrauch ist wegen der biometrischen Verriegelung nahezu ausgeschlossen. "Wir gehen davon aus, dass die datentechnische Sicherheit in nicht vernetzten medizinischen Einrichtungen hoch ist. Sonst dürften de jure personenbezogene Daten dort nicht verarbeitet und gespeichert werden", sagt Bertram Bresser von IBMT.

Die mobile Signierstation eignet sich außerdem für Anwaltskanzleien, Notare und Behörden. Struif glaubt, dass der TPS zudem ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum sicheren elektronischen Scheck ist. Jeder, der im Internet etwas bestellt oder ersteigert hat, könnte sofort online ein Scheckformular signieren und diesen mit Einlösegarantie seiner Bank an den Anbieter mailen. Für derartige Zahlungsvorgänge sind sichere Signatur-Plattformen unverzichtbar. Zusammen mit der Firma SRC Security Research & Consulting, die als Sicherheitsberater und Gutachter für die deutsche Kreditwirtschaft tätig ist, erarbeiten die Wissenschaftler derzeit auf Basis des Trusted Pocket Signers auch dafür eine sichere Lösung.

Ansprechpartner:
Bruno Struif
Telefon 06151 - 869-206
Fax 06151 - 869-224
E-Mail: bruno.struif@sit.fraunhofer.de

Levona Eckstein
Telefon 06151 - 869-205
Fax 06151 - 869-224
E-Mail: Levona.Eckstein@sit.fraunhofer.de

Isolde Rötzer | idw
Weitere Informationen:
http://www.sit.fraunhofer.de
http://www.fraunhofer.de/german/press/pi/index.html

Weitere Berichte zu: Kreditkartenunternehmen TPS

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht SYSTEMS INTEGRATION 2018 in der Schweiz thematisiert Bausteine für die industrielle Digitalisierung
20.11.2017 | IVAM Fachverband für Mikrotechnik

nachricht IHP präsentiert sich auf der productronica 2017
17.11.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie