Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studienergebnisse zu neuartigem „Hirnschrittmacher“ - Verbesserungen in bislang unbekanntem Ausmaß

18.06.2013
Prof. Dr. Lars Timmermann, Neurologe an der Uniklinik Köln, veröffentlichte heute (18.06.2013) auf dem internationalen „Movement Disorders Kongress“ in Sydney (Australien) erstmals Ergebnisse einer neuen europäischen Studie, welche die Tiefe Hirnstimulation mit einem neuartigen „Hirnschrittmacher“ bei Morbus Parkinson erforscht. Das neuartige Gerät wurde 2010 erstmals an der Uniklinik Köln eingesetzt. Auch die Studienleitung lag in Köln.

„Der neuartige, aufladbare Hirnschrittmacher erlaubt eine extrem genaue Stromverteilung, die es den Ärzteteams ermöglicht, den Effekt für die Patienten erheblich zu optimieren und dabei Nebenwirkungen zu vermeiden“, berichtete Prof. Dr. Lars Timmermann, Leiter des Schwerpunktes Bewegungsstörungen an der Neurologischen Klinik der Uniklinik Köln, auf dem Kongress.

Unter der Leitung des Kölner Neurologen unterzogen sich insgesamt 40 Patienten mit Morbus Parkinson in Deutschland, England, Italien, Frankreich, Österreich und Spanien einer „Hirnschrittmacher-Operation“. Die Patienten waren im Durchschnitt 60 Jahre alt und ohne Medikamente bereits schwer durch den Morbus Parkinson beeinträchtigt.

Alle Patienten bekamen durch speziell geschulte Ärzteteams aus Neurologen und spezialisierten Neurochirurgen einen neuartigen wiederaufladbaren Hirnschrittmacher implantiert, der – anders als bisherige Systeme – über bis zu acht Kontakte auf jeder Seite des Gehirns unterschiedliche Strom-Impulse abgeben kann (sogenanntes „Current Steering“).

Prof. Timmermann und Kollegen zeigten nun, dass bereits drei Monate nach der Operation eine erhebliche Verbesserung der Beweglichkeit zu bemerken war – nach sechs Monaten waren die Patienten zu 62 Prozent besser beweglich als vor der Operation.

Ähnlich starke Verbesserungen konnten die Ärzte bei den Aktivitäten des täglichen Lebens nachweisen. Die Lebensqualität der Patienten verbesserte sich nach sechs Monaten um mehr als 30 Prozent. Damit waren insbesondere die Verbesserungen der Motorik deutlich besser als in allen bislang durchgeführten Studien zu Hirnschrittmachern bei Morbus Parkinson.

Die beobachteten Nebenwirkungen dagegen waren mit vorangegangenen Studien vergleichbar. „Bereits bei vielen einzelnen Parkinson-Patienten haben wir mit diesem neuartigen Hirnschrittmacher klinisch sehr gute Ergebnisse erzielen können. Wir freuen uns, dass diese aus der Grundlagenforschung abgeleiteten Prinzipien nun klinisch eingesetzt werden können. Die VANTAGE Studie (VANTAGE-Studie = Vercise Implantable Stimulator for Treating Parkinson’s Disease) hat nun eine klare klinische Verbesserung nicht nur in der Beweglichkeit unserer Patienten erbracht, sondern insbesondere auch die Lebensqualität unserer Patienten im nicht gekannten Ausmaß verbessert“, so Prof. Timmermann im Expertengespräch nach dem Vortrag in Sydney.

Hintergrund:
Die Hirnschrittmachertherapie ist bei Morbus Parkinson inzwischen eine fest etablierte Therapieoption. Derzeitig profitieren vor allem Patienten mit ausgeprägtem Zittern (Tremor) und Patienten, die trotz Medikamenten zwischen guter und schlechter Beweglichkeit hin und her schwanken. Zahlreiche Studien konnten belegen, dass die Tiefe Hirnstimulation die Lebensqualität von Patienten mit Morbus Parkinson deutlich und anhaltend verbessert im Vergleich zur Fortsetzung der Therapie mit Medikamenten.
Jüngst wurde gezeigt, dass insbesondere junge Patienten von einem früheren Einsatz der Tiefen Hirnstimulation sehr profitieren können.

Neben der guten motorischen Verbesserung ist das zentrale Anliegen der Ärzte, Nebenwirkungen der Therapie wie Sprechstörungen oder fehlende Verbesserung im Gangbild in Zukunft zu vermeiden. Das Kölner Zentrum arbeitet als eines der größten internationalen Zentren zudem intensiv an der Frage, wie die motorischen Effekte zu verbessern sind und mögliche Veränderungen von Stimmung und Verhalten im Rahmen der Tiefen Hirnstimulation im Vorhinein abzuschätzen und zu vermeiden sind.

Die Forschung im Bereich der Bewegungsstörungen und der Tiefen Hirnstimulation hat einen Schwerpunkt in Köln. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert hier seit Anfang 2010 eine Klinische Forschergruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Gereon Fink, Direktor der Klinik für Neurologie, und Prof. Dr. Lars Timmermann, Leiter des Schwerpunktes Bewegungsstörungen an der Neurologischen Klinik. Ziel der Förderung ist es, die Krankheitsmechanismen besser zu verstehen und neue Therapien zu entwickeln.

Für Rückfragen:

Christoph Wanko
Pressesprecher Uniklinik Köln
Stabsabteilung Unternehmenskommunikation und Marketing
Telefon: 0221 478-5548
E-Mail: presse@uk-koeln.de

Christoph Wanko | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-koeln.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Auf die richtige Verbindung kommt es an: Tiefe Hirnstimulation bei Parkinsonpatienten individuell anpassen
22.06.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht Forschungsprojekt BabyLux: Neues Messinstrument schützt Frühgeborene vor Gehirnschädigungen
12.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften