Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rheuma-Schäden frühzeitig erkennen – Ultraschall macht Entzündungen an Gelenken sichtbar

22.07.2013
In Deutschland leiden etwa 1,5 Millionen Menschen an entzündlich-rheumatischen Erkrankungen – das entspricht etwa zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung.

Hinzu kommen etwa 15 000 Kinder und Jugendliche, die an Rheuma erkrankt sind. Mit geeigneten Ultraschallgeräten können Ärzte – ohne Strahlenbelastung für den Patienten – die verschiedenen Manifestationsformen entzündlich-rheumatischer Erkrankungen bereits im Anfangsstadium diagnostizieren. Bei Verdacht auf eine Rheuma-Erkrankung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) den Gelenkultraschall als erstes bildgebendes Verfahren einzusetzen.

Die Rheumatoide Arthritis beginnt häufig an den kleinen Gelenken von Händen und Füßen. Die Entzündung der Gelenkhaut und die Schäden am Gelenkknorpel waren früher im Ultraschall nur bei ausgeprägten Befunden sichtbar: „In den letzten Jahren hat es hier jedoch enorme technische Fortschritte gegeben“, berichtet Dr. med. Wolfgang Hartung, Leitender Oberarzt am Asklepios Klinikum Bad Abbach und stellvertretender Leiter des DEGUM-Arbeitskreises Bewegungsorgane.

„Innerhalb von nur zehn Jahren wurde das Auflösungsvermögen von 0,7 Millimeter auf unter 0,15 Millimeter verbessert“, fügt der Rheuma-Experte hinzu. „Damit erkennen wir selbst in den Fingergrundgelenken frühzeitig kleinste Defekte im Gelenkknorpel und Knochen.“ Mittels Power-Doppler-Sonografie beurteilen Mediziner heute zudem die Durchblutung in der Gelenkhaut. Entzündete Gewebe sind häufig stärker durchblutet.

Neben der Rheumatoiden Arthritis nutzen Ärzte den Ultraschall auch zur Diagnose anderer rheumatischer Erkrankungen. So können sie etwa Entzündungen am Ansatz der Sehnen erkennen. Diese treten häufig beim Morbus Bechterew und anderen Erkrankungen im Bereich der Wirbelsäule auf. Auch Blutgefäße können vom Rheuma befallen sein. Besonders gefürchtet ist eine solche „Vaskulitis“ im Bereich der Schläfenarterie. „Ist dieses Gefäß betroffen, ist die Blutversorgung der Augen gefährdet, was zur Erblindung führen kann“, erklärt Hartung. Früher musste zur Diagnose eine Gewebeprobe aus der Schläfe entnommen werden. Mittlerweile vertrauen Rheuma-Experten auf eine Ultraschalluntersuchung, um ihre Therapieentscheidungen zu begründen.

Die DEGUM empfiehlt bei Verdacht auf eine Rheumatoide Arthritis, den Gelenkultraschall als erstes bildgebendes Verfahren einzusetzen. „Vielen Patienten bleibt dadurch eine unnötige Strahlenbelastung durch andere bildgebende Verfahren erspart“, erklärt Hartung. Wenn auch das konventionelle Röntgen durch den Ultraschall nicht ersetzt werden kann, so bietet der Ultraschall gerade bei der Frühdiagnostik einer Arthritis entscheidende Vorteile gegenüber dem konventionellen Röntgen und macht teure Untersuchungsmethoden wie die Kernspintomografie (MRT) oder auch die Computertomografie oft überflüssig, so der Experte.

Nach einer Rheuma-Diagnose sind zur Verlaufskontrolle jährliche Untersuchungen notwendig. Sie werden üblicherweise mit dem konventionellen Röntgen durchgeführt. Doch gerade wenn sich die Erkrankung durch einen Schub verschlechtert oder die Mediziner den Erfolg einer Therapie beurteilen möchten, ist auch der Ultraschall für die Verlaufskontrolle sinnvoll. „Da die Arthrosonografie unbedenklich und zudem kostengünstig ist, kann sie jederzeit auch „zwischendurch“ durchgeführt werden“, betont DEGUM-Experte Hartung. Qualifizierte Ärzte finden Interessierte auf der Homepage der DEGUM: http://www.degum.de.

Literatur:
Sonographie in der Rheumatologie. Was gibt es Neues?
W. Hartung, W.A. Schmidt: Zeitschrift für Rheumatologie 2013; 72: 119–128
Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet ein Forum für den wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet des medizinischen Ultraschalls. Sie vereint mehr als 9000 Ärzte verschiedener Fachgebiete, medizinische Assistenten, Naturwissenschaftler und Techniker. Ultraschalldiagnostik ist heute das am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin. Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen 1 bis 3.
Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
Pressestelle
Irina Lorenz-Meyer
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-642/-552
Fax: 0711 8931-984
lorenz-meyer@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.degum.de
http://www.medizinkommunikation.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Neue Studienergebnisse zur Tiefenhyperthermie-Behandlung
15.02.2018 | Klinikum der Universität München

nachricht Neues Messverfahren revolutioniert Neurowissenschaften
15.02.2018 | Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics