Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Revolutionär neue OP-Technik für Brüche des unteren Schienbeins

07.03.2017

Univ.-Prof. Dr. Pol M. Rommens, Direktor des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie der Universitätsmedizin Mainz (ZOU), und PD Dr. Sebastian Kuhn, ebenfalls ZOU, haben für Brüche des unteren Schienbeins ein gänzlich neues OP-Verfahren und Medizinprodukt entwickelt: den Distal Tibial Nail (DTN). Das sehr stabile und belastbare Implantat ermöglicht es den Operateuren, den Knochen von unten und nicht von der Kniescheibe aus minimal-invasiv zu operieren. Dadurch sind eine kürzere Operationszeit sowie eine geringere Strahlendosis erforderlich. Zudem sinkt das Risiko, dass Komplikationen wie beispielsweise Weichteilproblematiken oder Embolien auftreten.

Neu entwickelter Distal Tibial Nagel (DTN) erstmals klinisch eingesetzt


Der Distal Tibial Nail - eine Erfindung von Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Mainz

Bildquelle: MIZUHO Corporation

Für Schienbeine, welche oberhalb des Sprunggelenks gebrochen sind, haben Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz eine neue Therapieoption entwickelt: den sogenannten Distal Tibial Nail (DTN). Vorteilhaft ist dieses Implantat insbesondere deshalb, weil es den Operateuren ermöglicht, den Knochen von unten und nicht von der Kniescheibe aus minimal-invasiv zu operieren.

Dieses Vorgehen lässt das Kniegelenk sowie die Patellarsehne von dem neuartigen Fixierungs-Nagel unberührt und schont zudem das Knochenmark. Dadurch sinkt das Risiko, dass Komplikationen wie beispielsweise Weichteilproblematiken oder Embolien auftreten. Zudem ist die Frakturfixierung mit dem DTN sehr stabil und belastbar. Weitere Pluspunkte der neuen OP-Technik sind eine kürzere Operationszeit sowie die geringere Strahlendosis.

Die erstmalige klinische Anwendung des am Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der Universitätsmedizin Mainz entwickelten Distal Tibial Nail fand Ende Januar erfolgreich in Japan statt. Die erste derartige Operation an der Universitätsmedizin Mainz ist im Laufe des Jahres 2017 geplant.

Dank des sogenannten Distal Tibial Nail (DTN) sind die medizinischen Möglichkeiten auch komplizierte Schienbeinbrüche zu heilen nun wesentlich besser. Seine Erfinder Univ.-Prof. Dr. Pol M. Rommens, Direktor des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie der Universitätsmedizin Mainz (ZOU), und Privatdozent Dr. med. Sebastian Kuhn, Oberarzt, Forscher und Dozent am ZOU, sind davon überzeugt, mit diesem gänzlich neuen OP-Verfahren und Medizinprodukt einen entscheidenden Fortschritt in der Versorgung von Unterschenkelfrakturen erzielt zu haben.

„Der DTN ist ein Implantat, das die Anforderungen eines minimal-invasiven chirurgischen Verfahrens mit der Fähigkeit einer sicheren Frakturfixierung verbindet. In unseren biomechanischen Tests haben wir verschiedene Belastungsszenarien simuliert und darin hat sich der Distal Tibial Nail als sehr stabil erwiesen“, so Professor Rommens. „Vor allem hat unser neu entwickelter Tibianagel gegenüber den antegraden Marknägeln konzeptionelle Vorteile.“

„Durch die retrograde, über den Innenknöchel ansetzende OP-Technik bleiben Kniegelenk und Patellarsehne unberührt. Auch der größte Abschnitt des Markkanals ist von dem Eingriff nicht betroffen. Wo bei der antegraden Marknagelung der lange Nagel im Markraum das dortige Fett verdrängt hat, welches dann häufig in die Lunge gelangt ist und dort eine Fettembolie verursacht hat, bleibt bei der Implantation des DTNs dies weitestgehend unberührt.

Auch andere Folgekomplikationen des bisherigen Verfahrens wie Weichteilproblematiken oder wieder aufbrechende Wunden, lassen sich durch den Distal Tibial Nail nahezu komplett verhindern“, erläutert Privatdozent Dr. Sebastian Kuhn die weiteren Vorteile.

Der DTN besteht aus Titan, hat einen Durchmesser von 7,0 bzw. 8,0 Millimetern und eine Länge von 10,5 bis 12,0 Zentimetern. Seine Fixierung erfolgt mittels Bohrungen und Verschraubungen über einen Zielbügel. Dies hilft dem Chirurgen, das Implantat und die Schrauben geführt einzubringen und gezielt zu verriegeln. Somit ist zu erwarten, dass bei einer DTN-Implantation die Operationszeit im Durchschnitt kürzer und die Strahlendosis geringer sind.

Die Mainzer Erfindung ist für die Behandlung eines speziellen und bisher häufig schwierig zu behandelten Indikationsspektrums geeignet. Der DTN ist ein Spezialimplantat für verschiedene Formen von distalen Tibiafrakturen, also Knochenbrüche im unteren Viertel des Schienbeins, nahe des Sprunggelenks. Mögliche Indikationen für den Distal Tibial Nail sind beispielsweise weit distal gelegene Schaftbrüche, distale Schienbeinbrüche außerhalb der Gelenkfläche und, in Kombination mit einer zusätzlichen Zugschraubenosteosynthese, distale Tibiafrakturen mit einfacher Gelenkbeteiligung.

Die erste Idee für das experimentelle retrograde intramedulläre Implantat am Schienbein hatte Univ.-Prof. Dr. Pol M. Rommens im Jahre 2007. Privatdozent Dr. med. Sebastian Kuhn, hat das Medizinprodukt im Rahmen seines Habilitationsprojekts im hiesigen Labor zusammen mit weiteren Mitarbeitern des ZOU bis zur Marktreife hin entwickelt.

Nachdem im Jahr 2009 die ersten Prototypen erfolgreich getestet wurden, stieg im 2014 die japanische MIZUHO Corporation ein. Diese produziert Medizintechnikprodukte und vertreibt diese im asiatischen Markt. Da der DTN in Japan bereits zugelassen ist, fand dort auch dessen erste Implantation statt.

Titel der Habilitationsschrift von PD Dr. Sebastian Kuhn:
„Entwicklung, biomechanische Testung und präklinische Evaluation eines neuen retrograden intramedullären Implantatsystems zur Versorgung distaler Tibiafrakturen“

Kontakt
Priv.Doz. Dr. med. Sebastian Kuhn,
Oberarzt des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie der Universitätsmedizin Mainz,
Koordinator TraumaNetzwerk Mainz-Rheinhessen,
Tel.: 06131-17-2360, sebastian.kuhn@unimedizin-mainz.de

Pressekontakt
Barbara Reinke, Stabsstelle Unternehmenskommunikation, Universitätsmedizin Mainz,
Tel. 06131 / 17-7428, Fax 06131 / 17-3496, E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.300 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor.

Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

Barbara Reinke | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Positron trifft Kernspin
19.09.2017 | Universitätsklinikum Ulm

nachricht Aktive Prothese verändert Hirnfunktionen von Schlaganfall-Patienten
15.09.2017 | Leibniz-Institut für Neurobiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik