Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Operative Hektik ersetzt geistige Windstille!

01.11.2010
Der Qualitäts-Tipp im November Revalidierung nach gesundem Menschenverstand – Was sagt Ph.Eur./USP zum Systemeignungstest?

Die Verordnung über die Anwendung der Guten Herstellungspraxis verpflichtet die Pharmaindustrie gemäß § 14, Absatz 3, die zur Prüfung angewandten Verfahren nach dem jeweiligen Stand von Wissenschaft und Technik zu validieren.

Kritische Prüfverfahren müssen regelmäßig dahingehend bewertet werden, ob sie noch valide sind und erforderlichenfalls revalidiert werden müssen. Chromatographische Prüfmethoden müssen zur Einhaltung der Qualitätstests immer wieder optimiert werden. Eine Revalidierung dient als Nachweis, dass das Prüfverfahren immer noch im validen Zustand ist.

Man unterscheidet zwischen:
a.) einer Änderung (Modification) und
b.) einer Anpassung (Adjustment).a.) Änderungen sind z.B. ein komplett neues Analysenverfahren, eine andere Herstellungsanweisung; die Spezifikation ändert sich oder regulatorische Anforderungen an die Validierung ändern sich. Es ist vollkommen klar, dass durch eine grundlegende Änderung eine komplette neue Validierung durchgeführt werden muss.

b.) Die Methodenanpassung sieht leichte Veränderungen der chromatographischen Methode eines bereits validierten Verfahrens vor. Eine Erweiterung der Validierung (z.B. bei einer Matrixanpassung), ein ergänzender Beweis. Es ist im System-Eignungstest sicherzustellen, dass diese Veränderung keinen Einfluss auf das Testergebnis hat.

Der Anwender im Labor stellt sich dann oft die Frage: Wie weit kann ich eine chromatographische Methode verändern und trotzdem immer noch ordnungsgemäß (complient) sein?

Einige Beispiele:
Die Filmdicke meiner GC-Kapillare entspricht nicht den Vorgaben, kann ich sie trotzdem benutzen? Ich habe eine HPLC-Säule mit einem anderen Innendurchmesser benutzt, ist das Ergebnis jetzt ungültig? Nach Anpassung einer chromatographischen Methode werden zwar je nach der Art der Änderung im Umfang unterschiedliche Revalidierungen notwendig, aber muss ich alles neu validieren?

Betriebsames Handeln ohne sinnvolles Konzept: „Lasst uns auf Nummer sicher gehen!“ statt Risikoanalyse; Bereitstellung weiteren Equipments; ein Validierungsplan muss her; Unterschriften einholen; Dokumentation im Quality Management System (QMS), etc.

Bei einem solchen Vorgehen wird GMP zum absoluten Kostentreiber. Historisch gewachsene, oft weit überzogene, selbst auferlegte Anforderungen an Abläufen und Formalismen werden in Gang gesetzt, die Personal, Zeit und Geld kosten. Hochdotierte Mitarbeiter beschäftigen sich mit Dokumentenerstellung, -prüfung und der -pflege.

Eine Revalidierung sollte besser auch nach „GMV“, dem gesunden Menschenverstand durchgeführt werden. Hierzu sind nur die vier allgemeinen GMP-Qualitätsparameter zu berücksichtigen:

1). Qualifizierung der analytischen Geräte.
2.) Validierung der analytischen Methoden.
3.) Qualitätskontroll-Proben.
4.) System-Eignungstest.
Zum System-Eignungstest sagt sowohl die Pharm. Eur. 6. unter 2.2.46. „Chromatographic separation technics, Adjustment of Chromatographic Conditions”, als auch die USP 32 unter „Chromatography/Physical Tests” dass es erlaubt ist, zur Methodenangleichung Veränderungen vorzunehmen. Es sind sogar recht großzügige Veränderungen erlaubt, ohne die Methode formal geändert zu haben. Hier einige Beispiele, welche chromatographischen Parameter zur Einhaltung der System-Eignungsteste variiert, angepasst werden können:
Für die HPLC:
Säulenlänge: Kann angepasst werden bis zu ±70 %; Säulen-Innendurchmesser: Kann angepasst werden, solange die lineare Fließgeschwindigkeit konstant gehalten wird; Partikel-Größe: Reduktion auf 50 % möglich; Fluss-Rate: Kann angepasst werden bis ±50 %; Injektions-Volumen: Darf verringert werden, wenn das LOD und die Wiederholbarkeit gewährleistet sind.
Für die GC:
Säulenlänge: Kann angepasst werden bis zu ±70 %; Säulen-Innendurchmesser: Kann angepasst werden bis zu ±50 %; Filmdicke: Kann angepasst werden von -50 % bis +100 %; Fluss: Kann angepasst werden bis zu ±50 %; Injektionsvolumen: Kann reduziert werden; Ofen-Temperatur: Kann angepasst werden bis zu ±10 %, etc.Streng genommen gilt das nur für Monographien. Bei eigenen Methoden sollte der Nutzer möglichst schon bei der Entwicklung die Robustheit der Methode prüfen. Die Brauchbarkeit der Methode muss auch bei leichten Änderungen gegeben sein. Er soll einschätzen, ob die maßgeblichen analytischen Besonderheiten durch die Anpassung beeinträchtigt werden. Weitergehende Veränderungen bedürfen einer speziell angepassten Revalidierung der Methode.
Zusammenfassung:
Formal ist bei Methodenanpassungen keine Revalidierung notwendig. Man darf einiges verändern. Es sollen die Merkmale der Methode überprüft werden, die durch die konkrete Änderung beeinflusst werden.Ein sinnvoller, produktspezifischer System-Eignungstest zeigt direkt vor und nach der Analysensequenz, dass das chromatographische Trennsystem für diese, heutige Prüfung geeignet ist. Kritische Parameter einer Methode sollen bereits bei der Entwicklung und Validierung unter dem Punkt Robustheit abgehandelt und optimiert worden sein.
Eine Mischung aus Sorgfalt, analytisch/chromatographischem Verständnis und „Gesundem Menschenverstand“ ist besser als blinder Revalidierungsaktionismus. Die Bewertung soll in der Verantwortung des Analytikers bleiben und gegenüber der Qualitätssicherung vertreten werden.
Ihr Kontakt:
Dipl.-Ing. Hartmut Paxmann, Grünenthal GmbH, Abteilung für Analytische Chemie, Zieglerstr. 6, 52078 Aachen, Tel. 0241/569-2338, Fax 0241/569-2330, Hartmut.Paxmann@grunenthal.com

| LABO
Weitere Informationen:
http://www.labo.de/qualitaets-tipp/Qualitaets-Tipp---Operative-Hektik-ersetzt-geistige-Windstille-.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Smartphones im Kampf gegen die Blindheit
18.10.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Mehr Patientensicherheit: Neue Testmethoden für die Eignung von Implantaten für MRT-Untersuchungen
11.10.2017 | Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik