Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nanopartikel charakterisieren

01.12.2010
Kombination aus AF4 und ICP-MS macht´s möglich

EMPA – Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, Abteilung Analytische Chemie, Ueberlandstrasse 129, CH-8600 Dübendorf, Schweiz.

Wyatt Technology Europe GmbH, Hochstr. 18, D-56307 Dernbach
Um das Gefahrenpotential angesichts der Freisetzung von Nanopartikeln abschätzen zu können, bedarf es hoch-selektiver und empfindlicher analytischer Methoden. Die Asymmetrische Fluss-Feld-Fluss-Fraktionierung (AF4) in Kombination mit einem induktiv gekoppelten Plasma-Massenspektrometer (ICP-MS) könnte in Zukunft ein zentrales analytisches Werkzeug zur Bestimmung von metallischen Nanopartikeln in Industrie und Umwelt werden. Im Folgenden wird die Anwendung dieser universellen Methode anhand der Charakterisierung von Silber-Nanopartikeln in einem Pflanzenschutzmittelspray vorgestellt und ihr Potential bezüglich Größenauflösung und Nachweisgrenzen vor Augen geführt.

Konsumentenprodukte enthalten heute immer häufiger Nanopartikel als Zusatzstoffe. In einer Studie des Woodrow Wilson International Centre for Scholars [1] wurde gezeigt, dass sich die Zahl der auf Nanotechnologie basierenden Erzeugnisse vom Jahre 2005 bis heute etwa verzwanzigfacht hat. Vor allem Silber, Titandioxid, Siliziumdioxid oder Zinkoxid, aber auch Kohlenstoff und Gold gelangen zum Einsatz. So enthalten beispielsweise Imprägniermittel oftmals ZnO, Sonnenschutzmittel TiO2 oder Fungizide Silber (Ag). Zwar bietet die Verwendung solcher Zusätze vielerlei Vorteile, doch sind die Auswirkungen der Nanopartikel – etwa im Hinblick auf ihre toxikologischen Eigenschaften – keineswegs zur Gänze bekannt. Daher sollten die entsprechenden Produkte kritisch unter die Lupe genommen werden.

Material + Methoden
Zur Trennung der Nanopartikel nach ihrer Größe wurde das Eclipse3TM-System der Firma Wyatt (Wyatt Technology Europe, Dernbach, Deutschland) verwendet, verbunden mit einer metallfreien Shimadzu HPLC Pumpe (LC 10 AI), einem Degasser (DGU 20A3) und einem Autosampler (SIL 20AC). Die Steuerung des AF4-Systems übernahm die Wyatt Eclipse-Software. Als Detektor kam ein Thermo Finnigan Element 2 ICP-MS zum Einsatz. Eclipse und ICP-MS waren über eine Kapillare an den Nebulizer gekoppelt. Tabelle 1 zeigt die Parametervorgaben für AF4 und ICP-MS.

Die Größenkalibrierung erfolgte mithilfe von Gold-Nanopartikel-Referenzmaterialien (National Institute of Standardisation, NIST, 8011, 8012 und 8013). Die Standards wurden direkt vor der Messung 1 : 1000 mit 18 MΩ x cm deionisiertem Wasser (MilliQ, Millipore GmbH, Zug, Schweiz) verdünnt.

Ergebnisse
Bild 1a zeigt die Trennung der NIST Au-Partikel mit einem Durchmesser von 10, 30 und 60 nm. Die Konzentration der Teilchen beträgt je 50 µg Au/l. Die Kalibrierung mit Partikeln von genau definierter Größe erlaubt die Berechnung der Partikeldimension in der Probe anhand der Retentionszeit (Bild 1b).

Bild 2 zeigt das Chromatogramm der 1 : 2000 verdünnten und Ag-Nanopartikel-haltigen Lösung des Pflanzenschutzsprays. Zu dieser Probe wurden auch 10 nm große Au-Nanopartikel in einer Konzentration von 50 µg Au/l dotiert. Das Chromatogramm deutet an, dass die Silber-Nanopartikellösung sehr polydispers zu sein scheint. Neben einer Hauptfraktion mit einer Größe von etwa 6 nm (tR = 2,2 min) und einem zweiten, breiten Peak mit einem Maximum um 30 nm (tR = 5,3 min) ist auch das Vorhandensein von Agglomeraten im µm-Bereich erkennbar (Vorpeak durch so genannte sterische Elution bei tR = 0,5 min).

Die Daten zur Größenverteilung der Teilchen, die aus der Analyse mittels AF4 und ICP-MS stammen, wurden den Ergebnissen gegenüber gestellt, die durch eine zweite Methodik erzielt wurden: der Partikelanalyse mithilfe der Transmissions-Elektronen-Mikroskopie (TEM). Dies erlaubt eine Verifizierung der Ergebnisse. Bild 3a zeigt den Vergleich der TEM-Analyse mit den AF4-ICP-MS-Daten. Beide Methoden ergeben eine vergleichbare Partikelgrößenverteilung. In Bild 3b ist eine TEM-Aufnahme von Silber-Nanopartikeln, wie sie im untersuchten Spray verwendet werden, zu sehen.

Fazit
Kombiniert man die chromatographische Auftrennung durch asymmetrische Fluss-Feldflussfraktionierung (AF4) mit anschließender Detektion durch ICP-MS, so entsteht daraus ein leistungsfähiges Analysensystem, das vor allem bezüglich des großen dynamischen Trennbereichs, der Nachweisstärke und der Elementselektivität überzeugt. Zudem stehen die damit erzielbaren Ergebnisse denjenigen aus der weitaus aufwändigeren Elektronenmikroskopie kaum nach.

Erfordert eine Fragestellung allerdings kein absolutes Maximum an Nachweisstärke, kann diese Trennmethode ebenso gut an andere Detektoren, etwa UV- oder Fluoreszenzmessgeräte, gekoppelt werden. Mit der AF4 verfügt man also über eine universelle Technologie zur Charakterisierung metallischer Nanopartikel.

Literatur
Woodrow Wilson International Centre for Scholars, “The Project on Emerging Nanotechnologies”, http://www.nanotechproject.org

Harald Hagendorfer *), Andrea Ulrich *), Thomas Jocks **) | LABO
Weitere Informationen:
http://www.labo.de/chromatographie/Fachbeitrag---Asymmetrische-Feldflussfraktionierung.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht UKR setzt auf roboterassistierte Wirbelsäulenchirurgie
02.12.2016 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neu entwickeltes Plasmaskalpell ermöglicht schonende Operationen
22.11.2016 | FH Aachen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen

05.12.2016 | Förderungen Preise

Höhere Energieeffizienz durch Brennhilfsmittel aus Porenkeramik

05.12.2016 | Energie und Elektrotechnik