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Minimal-invasive Verfahren für die Onkologie: Siemens stellt Produktportfolio für neue Behandlungsmethoden vor

01.12.2009
Siemens Healthcare stellt auf dem RSNA 2009, dem Kongress der Radiological Society of North America, erstmals sein umfassendes Portfolio für die Bildgebung in der interventionellen Onkologie vor.

Bei diesen minimal-invasiven Verfahren zur Krebstherapie navigiert der interventionelle Radiologe Katheter oder Nadeln im Millimeterbereich. Dazu sind Systeme und Applikationen notwendig, die eine hohe Bildqualität zur Erkennung von Details im Weichgewebe liefern.

Siemens bietet dafür unter anderem High-End-Bildgebungssysteme und 3D-Anwendungen, die den Arzt im gesamten Arbeitsablauf, von der Tumorevaluation und Verfahrensplanung bis hin zur Therapie und Nachuntersuchung, unterstützen.

Krebs wird laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2010 voraussichtlich die weltweit häufigste Todesursache sein und damit Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Haupttodesursache ablösen. Jedes Jahr werden mehr als 10,6 Millionen Menschen mit Krebs diagnostiziert. Davon sind etwa 1, 3 Millionen von Lungenkrebs betroffen, 1,2 Millionen von Brustkrebs, und bis zu 1 Million Patienten leiden an kolorektalen Tumoren. Bis zum Jahr 2020 soll sich die Zahl der Krebserkrankungen um weitere 50 Prozent erhöhen (Quelle WHO 2003).

Die traditionellen Verfahren in der Tumorbehandlung sind die chirurgische Entfernung im Rahmen einer Operation, die medikamentöse Behandlung (Chemotherapie) oder die Bestrahlung des Tumors von außen (Strahlentherapie). Neben diesen bewährten Methoden haben sich in den letzten Jahren neuartige minimal-invasive Verfahren etabliert, die sowohl für eine Therapie von Primärtumoren als auch von Metastasen geeignet sind. Dabei werden die Tumore über einen sehr kleinen Zugang über einen Katheter oder eine Punktionsnadel behandelt, wobei Angiographiesysteme dem Arzt die Katheter oder Nadelposition im Patientenkörper zeigen. Damit können zum Beispiel Chemotherapeutika oder sehr kleine radioaktive Partikel direkt in die tumorversorgenden Gefäße eingebracht werden. Außerdem ist es möglich, den Tumor durch Hitze direkt zu zerstören (lokale Thermoablation).

Die neuen Verfahren ermöglichen eine Behandlung des Tumors unter weitgehender Schonung des übrigen Organismus, da die Therapie lokal erfolgt. Der Patient wird in seiner Lebensqualität meist nur gering beeinträchtigt und kann das Krankenhaus rasch wieder verlassen. Insbesondere im fortgeschrittenen Alter, bei angegriffenem Allgemeinzustand oder bei Begleiterkrankungen, die eine größere Operation oder eine aggressive Chemotherapie nicht zulassen, bieten sich diese lokalen Verfahren als Behandlungsoption an.

Siemens Healthcare hat seine Systeme und Applikationen für die Bildgebung speziell an die Verfahren der interventionellen Onkologie wie die transarterielle Chemoembolisation, selektive interne Radiotherapie und Radiofrequenzablation angepasst. Auf dem RSNA 2009 präsentierte Siemens eine ganze Reihe seiner innovativen Lösungen für diese Behandlungsmethoden:

Mit der Anwendung Syngo DynaCT lassen sich Tumore sowie komplexe Strukturen von tumorversorgenden Gefäßen während der Therapie darstellen. Dank kurzer Rekonstruktionszeiten stehen dem behandelnden Arzt abdominelle Bilder innerhalb von 22 Sekunden zur Verfügung. Eine vor kurzem an der Charité Berlin durchgeführte Studie ergab, dass Syngo DynaCT bei 50 Prozent der transarteriellen Chemoembolisationen zu einer Repositionierung des Katheters führte und somit eine erhöhte Zuverlässigkeit bei der Tumorbehandlung bietet.

Die Anwendung Large Volume Syngo DynaCT bietet dem interventionellen Radiologen in Verbindung mit dem roboterbasierten Angiographiesystem Artis zeego nahezu unbegrenzte Bewegungsfreiheit. Der Flachdetektor des Systems dreht sich um 220 Grad zweimal mit einer solchen Präzision um den Patienten, dass Schnittbildaufnahmen mit einer Abdeckung von 47 Zentimetern erstellt werden. Diese Bilder ermöglichen eine umfassendere anatomische Abdeckung als Weichteilbilder jedes anderen Angiographiesystems. Die Leber und Lunge werden vollständig abgedeckt.

Mit Syngo Embolization Guidance lässt sich die Embolisation der tumorversorgenden Gefäßen imVoraus planen. Mit der Anwendung kann das tumorversorgende Gefäß markiert und auf das Live-Durchleuchtungsbild überlagert werden, wodurch die Katheterführung bei der Tumorembolisation erheblich vereinfacht wird. Mit Syngo InSpace 3D/3D Fusion lassen sich im Vorfeld aufgenommene CT-, MR- oder PET/CT-Bilder mit einem Hochkontrast-3D-Angiographiebild oder mit Syngo DynaCT-Datensätzen fusionieren, um alle relevanten diagnostischen Daten auf einen Blick zu präsentieren. Die Anwendung überlagert die akquirierten Daten im Labor mit dem Live-Durchleuchtungsbild und liefert während des Verfahrens zusätzliche funktionelle Informationen über den Tumor, zum Beispiel zu seiner Aktivität.

Soll ein Tumor mit einem ablativen Verfahren behandelt werden, ist es besonders wichtig, die Nadeln, die Energie im Tumor freisetzen, präzise zu positionieren. Bei der Planung und Positionierung der Nadel hilft die Anwendung Syngo iGuide. Das Navigationssystem iGuide Cappa unterstützt die Platzierung von Punktions- oder Biopsienadeln durch eine computergestützte Navigation und verzichtet dabei auf Strahlung.

Interventionelle Verfahren in der Onkologie - Hintergrund
Die interventionellen, onkologischen Verfahren lassen sich in zwei Kategorien unterteilen: Transkatheter-Therapien und ablative Therapien.

Bei der Chemoembolisation werden durch einen Katheter kleine Partikel in das den Tumor versorgende Gefäß gespritzt, bis das Gefäß verschlossen und die Blutzufuhr für den Tumor gestoppt ist. Da die nötigen Nährstoffe und der Sauerstoff ausbleiben, sterben die Tumorzellen in diesem Bereich ab. Zusätzlich wird ein Chemotherapeutikum durch den Katheter gespritzt und damit direkt am Tumor platziert („lokale Chemotherapie“). Auch das Chemotherapeutikum bewirkt ein Absterben der Krebszellen.

Bei der selektiven internen Radiotherapie werden über einen arteriellen Zugang an der Leiste mit Hilfe eines Katheters kleine Mikrosphären mit einem Durchmesser 20 – 40 Mikrometer (Tausendstel Millimeter), die ein Strahlung emittierendes Isotop enthalten, in die tumorversorgenden Gefäße injiziert. Embolisation und Strahlung lassen die Krebszellen absterben.

Die Radiofrequenzablation (RFA) ist das derzeit am häufigsten eingesetzte thermoablative Verfahren. Mit einem elektrischen Generator wird außerhalb des Körpers ein Hochfrequenz-Wechselstrom erzeugt, der über ein Kabel und eine lange Nadel (Sonde) bildgesteuert durch die Haut direkt in das Zentrum des Tumors geleitet wird, und dort das Gewebe in einem Umkreis von mehreren Zentimetern um die Sondenspitze erwärmt. Im Tumor werden Temperaturen von 50 – 90°C erreicht, das bösartige Gewebe wird regelrecht „verkocht“ und der Tumor dadurch dauerhaft zerstört.

Der Siemens-Sektor Healthcare ist weltweit einer der größten Anbieter im Gesundheitswesen und führend in der medizinischen Bildgebung, Labordiagnostik, Krankenhaus-Informationstechnologie und bei Hörgeräten. Siemens bietet seinen Kunden als einziges Unternehmen Produkte und Lösungen für die gesamte Patientenversorgung unter einem Dach – von der Prävention und Früherkennung über die Diagnose bis zur Therapie und Nachsorge. Durch eine Optimierung der klinischen Arbeitsabläufe, die sich an den wichtigsten Krankheitsbildern orientiert, sorgt Siemens zusätzlich dafür, dass das Gesundheitswesen schneller, besser und gleichzeitig kostengünstiger wird. Siemens Healthcare beschäftigt weltweit rund 49.000 Mitarbeiter und ist in über 130 Ländern präsent. Im Geschäftsjahr 2008 (bis 30. September) erzielte der Sektor einen Umsatz von 11,2 Milliarden Euro und ein Ergebnis von 1,2 Milliarden Euro.

Reference Number: HIM200911012d

Marion Bludszuweit | Siemens Healthcare
Weitere Informationen:
http://www.siemens.com/healthcare
http://w1.siemens.com/press/de/pressemitteilungen/?press=/de/pressemitteilungen/2009/imaging_it/him200911012.htm

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