Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kieler Forscher entwickelt neue Mitralklappen-Therapie

13.03.2014

Einem Forscherteam um Prof. Dr. Georg Lutter aus der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel, sowie von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und seinem amerikanischen Kollegen Prof. Lucian Lozonschi, Universität von Wisconsin (USA), ist es weltweit erstmalig gelungen, eine Katheterherzklappe (sogenannter Klappenstent) bei undichter Mitralklappe am Menschen ohne den Einsatz der Herz-Lungenmaschine einzusetzen. Dieses Katheterverfahren war bisher auf den Ersatz der Hauptschlagaderklappe der Aorta und der Lungenschlagader-Klappe begrenzt.

Der Klappenersatz mittels Katheter kommt vorrangig dann zum Einsatz, wenn bei einem Patienten aufgrund von schweren Nebenerkrankungen der Einsatz einer Herz-Lungenmaschine medizinisch nicht vertretbar ist.

Mitralklappenstent

Ein Mitralklappenstent: In der Mitte erkennt man eine biologische Herzklappe mit drei gleichseitigen Segeln. UKSH

Die Mitralklappe ist eine der vier Klappen des Herzens. Sie befindet sich zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer, wo sie den Rückfluss von Blut aus der linken Herzkammer in den linken Vorhof bei der Kontraktion der Kammer verhindert.

Üblicherweise werden in der Herzchirurgie defekte Herzklappen im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs ersetzt, bei denen der Patient mit einer Herz-Lungenmaschine versorgt wird und der Brustkorb geöffnet wird. Erst seit rund zehn Jahren können in bestimmten Situationen neue Herzklappen mittels eines minimal-invasiven Katheterverfahrens eingesetzt werden. Diese Entwicklung stellte einen großen Fortschritt dar:

Da für den Katheterzugang nur ein kleiner Schnitt im Leistenbereich oder im Brustkorb nötig ist, konnte die OP-Zeit deutlich reduziert werden. Gleichzeitig sinkt die körperliche Belastung des Patienten. Zwar sind die Katheterverfahren dem herkömmlichen chirurgischen Eingriff im Ergebnis noch nicht gleichwertig, können aber älteren und durch Nebenerkrankungen geschwächten Patienten, die ein hohes Operationsrisiko haben, gut helfen.

„Die große Herausforderung bei der Entwicklung des neuen Katheterverfahren war die Tatsache, dass die Mitralklappe sehr beweglich ist und sich zwischen zwei Herzkammern befindet“, erklärt Prof. Lutter, der die Abteilung für Experimentelle Herzchirurgie und Herzklappenersatz an der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie leitet.

„Dort gibt es eine starke Muskelbewegung und große Strömung, so dass die neue Mitralklappe, die auch mit dem Herzkatheter über einen kleinen Brustkorbschnitt eingesetzt werden kann, einen guten Halt zur Fixierung in diesem Bereich aufweisen muss.“ Ausgangspunkt war dabei ein Verfahren, dass bereits bei einem Ersatz der Hauptschlagaderklappe der Aorta und der Lungenschlagader-Klappe verwendet wurde.

„Die Katheterklappen werden dabei in eine Schlagader – also mehr oder weniger in ein menschliches, stabiles Rohrgefüge – implantiert“, erklärt Prof. Lutter. „Dieses Rohrgefüge musste allerdings zuvor verkalkt sein, damit die neue Katheterklappe dort auch ihren Halt findet. Durch die Weiterentwicklung von Herzklappenstents können jetzt jedoch auch weniger verkalkte Klappen oder – wie es uns jetzt gelungen ist – sogar Mitralklappen versorgt werden. Bei der Hauptschlagaderklappe der Aorta und der Lungenschlagader-Klappe verwenden wir diese Verfahren bereits seit 2008 sehr erfolgreich.“

Die Kieler Forscher arbeiten seit 2007 daran, einen Mitralklappen-Stent mit stabilem Gewebekontakt zu entwickeln und herzustellen. Mit großer Unterstützung des Direktors der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie, Prof. Dr. Jochen Cremer, und der Deutschen Forschungsgemeinschaft gelang es zunächst, experimentell sehr gute Ergebnisse über einen längeren Zeitraum zu erzielen.

„Dies war für uns die grundlegende Voraussetzung, einen Klappenstent in die Mitralklappe eines Patienten akut und ohne Einsatz der Herz-Lungenmaschine weltweit erstmalig einzusetzen“, sagt Prof. Lutter. „Das Ergebnis ist überzeugend, die zuvor schwer undichte Mitralklappe schließt mittels dieses Herzklappen-Stents vollkommen kompetent“, so der Herzchirurg.

Durch die Fortschritte in der Forschung der Kieler Herzchirurgen bei der Entwicklung von Herzkatheter-Klappen ist es absehbar möglich, dass Patienten bei einer Erkrankung der Mitralklappe und einer besonderen Risikosituation bei im Regelfall fortgeschrittenem Alter und zusätzlichen Operationsrisiken mit einer neuen Katheter-Herzklappe versorgt werden könnten.

Am Campus Kiel des UKSH werden alle Patienten in enger Abstimmung der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie (Direktor Prof. Dr. Jochen Cremer), der Klinik für Innere Medizin III – Kardiologie und Angiologie (Direktor: Prof. Dr. Norbert Frey) und Kollegen der Anästhesie versorgt.

Für Rückfragen steht zur Verfügung:
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel,
Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie, Prof. Dr. Georg Lutter
Tel.: 0431 597-4404, E-Mail: Georg.Lutter@uksh-kiel.de

Weitere Informationen:

http://www.uksh.de/pi_140313_mitralklappenstent.html

Oliver Grieve | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Deutschlandweit erstes Gerät für hoch fokussierten Ultraschall bei Tremor und Parkinson
11.04.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Nuklearmedizinische Herzuntersuchungen – Neue Techniken, größere Präzision
09.04.2018 | Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics