Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

HDZ NRW: Erste Transkatheter-Kinderherzklappe im Iran implantiert

10.05.2012
Weltweiter Nachholbedarf in moderner Herzkatheter-Technologie

Bad Oeynhausener Kardiologe führte den Eingriff bei einer 16-jährigen Patientin erfolgreich durch


Die biologische Herzklappe besteht aus präpariertem biologischen Material vom Rind, sie wird mit einem Ballonkatheter an Ort und Stelle platziert, bei 15-jährigen Patienten hält sie etwa zehn bis 15 Jahre (Foto: Armin Kühn)

Im Iran ist jetzt erstmals ein Pulmonalklappenersatz mittels Herzkatheter bei einer Jugendlichen erfolgreich durchgeführt worden. Der Eingriff fand im Rajaie Heart Center in Teheran unter der Leitung von Privatdozent Dr. Nikolaus Haas statt, der als Ausbilder und Spezialist für moderne Kathetertechniken aus dem Zentrum für Angeborene Herzfehler des Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen (Direktoren: Prof. Dr. med. Deniz Kececioglu/Dr. Eugen Sandica) in den Iran gereist ist.

„Besonders bei großen klinischen Zentren im Nahen Osten, Russland und Osteuropa besteht großes Interesse an der Einführung und Fortbildung zur modernen Transkatheter-Technologie“, erläutert Haas, der im Zentrum für Angeborene Herzfehler des HDZ NRW über 500 Herzkatheterinterventionen jährlich bei Kindern und Jugendlichen durchführt. Grundsätzlich zieht man im HDZ NRW bei Eingriffen an Kindern schonende, interventionelle Verfahren gegenüber einer belastenden großen Herzoperation vor. Sie dienen auch dazu, die Anzahl der notwendigen Operationen im Lebensverlauf zu reduzieren.

Etwa ein Prozent aller Kinder kommt mit einem angeborenen Herzklappenfehler auf die Welt. Bei vielen ist die Lungenschlagaderklappe (Pulmonalklappe) krankhaft verändert. Der Klappendefekt führt dazu, dass der Blutfluss durch das Herz nicht richtig gesteuert wird. Kinder mit angeborenem Pulmonalklappenfehler, und vor allem solche mit einem Pulmonalklappenfehler als Folge eines anderen angeborenen Herzfehlers, konnten bis vor wenigen Jahren nur mit einer Operation am offenen Herzen behandelt werden.

Beim Transkatheter-Herzklappenersatz wird die neue Pulmonalklappe über einen Herzkatheter in die schadhafte Herzklappe eingesetzt. Im Gegensatz zur Herzoperation muss bei dieser minimalinvasiven Implantation der Brustkorb nicht geöffnet werden. „Der Katheter wird durch die Vene in der Leiste bis zum Herzen vorgeschoben“, erläutert Haas das Verfahren. „die Klappenprothese wird mit einem Ballon geweitet, wenn der Ausgang der rechten Herzkammer erreicht ist. Sie drückt die vorhandene defekte Herzklappe dabei an die Gefäßwand und ersetzt ihre Funktion vollständig.“

Der Eingriff bei der 16-jährigen Shadi Shirazi in Teheran dauerte drei Stunden. Er verlief komplikationslos ohne Aufenthalt auf der Intensivstation. Shadi konnte das Krankenhaus nach drei Tagen schon wieder verlassen. Ihre neue Herzklappe besteht aus biologischem Material, das sich bei Kindern und Jugendlichen mit einer angeborenen Erkrankung der Lungenschlagader (Pulmonalklappenerkrankung) als besonders vorteilhaft erwiesen hat.

Als zukünftige Entwicklung erwartet PD Dr. Nikolaus Haas eine biologischen Herzklappe, die mitwächst und dabei keine Funktionsverluste zeigt: „Die enormen Fortschritte auf diesem Gebiet, die während der vergangenen zehn Jahre gemacht wurden, geben Anlass zur Hoffnung.“

Das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, ist ein international führendes Zentrum zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen. 38.000 Patienten pro Jahr, davon 15.000 in stationärer Behandlung, werden im Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum versorgt.

Das Zentrum für Angeborene Herzfehler des HDZ NRW unter der Leitung von Prof. Dr. med. Deniz Kececioglu und Dr. Eugen Sandica gehört zu den international führenden Kliniken bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit angeborenem Herzfehler und ist zertifiziertes Zentrum für die Behandlung von Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern (EMAH). Im Zentrum werden alle Arten von angeborenen Herzfehlern im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter mit modernsten Methoden therapiert und jährlich rund 400 Operationen und über 500 Herzkathetereingriffe durchgeführt. Bei Herzklappeneingriffen erzielt das Zentrum herausragende Ergebnisse auch im internationalen Vergleich. Zur Expertise des Zentrums zählen neben herausragenden Ergebnissen der operativen und katheterinterventionellen Maßnahmen auch ein Department für Fetale Echokardiographie zur Diagnostik von Herzfehlern bei Ungeborenen.

Weitere Informationen:
Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Anna Reiss (Ltg.)
Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
Tel. 05731 / 97 1955
Fax 05731 / 97 2028
E-Mail: info@hdz-nrw.de

Anna Reiss | idw
Weitere Informationen:
http://www.hdz-nrw.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Auf die richtige Verbindung kommt es an: Tiefe Hirnstimulation bei Parkinsonpatienten individuell anpassen
22.06.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht Forschungsprojekt BabyLux: Neues Messinstrument schützt Frühgeborene vor Gehirnschädigungen
12.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Umfangreiche Fördermaßnahmen für Forschung an Chromatin, Nebenniere und Krebstherapie

28.06.2017 | Förderungen Preise

Immunabwehr: Wie Proteine Membranbläschen zusammenbringen

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das Auto lernt vorauszudenken

28.06.2017 | Maschinenbau