Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Esslinger Wissenschaftler optimieren Stimmprothesen für kehlkopflose Patienten

06.12.2012
Die Qualität von Stimmprothesen weltweit soll mit Unterstützung von Wissenschaftlern der Hochschule Esslingen verbessert werden.

Das Problem: Stimmprothesen – die Patienten ohne Kehlkopf nach einer Operation implantiert werden – müssen bisher oft schon nach wenigen Wochen u.a. infolge von Materialermüdung erneuert werden. Das soll sich künftig ändern:

„Wir untersuchen hier an der Hochschule Esslingen an einer eigens für diesen Zweck erstellten Versuchsanlage sowohl fabrikneue Prothesen aller wichtigen Hersteller als auch gebrauchte, defekte Prothesen. Unser Ziel ist, mehr über die Anforderungen an diese Hilfsmittel sowie über die Versagensmechanismen zu erfahren“, erläutert der Professor für Maschinenbau und Projektleiter Stefan Rösler. Die Arbeit ist ein interdisziplinäres Projekt zwischen dem Mediziner Peter Kress vom Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier und der Fakultät Maschinenbau der Hochschule Esslingen.

In Deutschland erkranken laut Angaben des Oberarztes und Begründers der Homepage www.stimmprothese.com Dr. med. Peter Kress jährlich zwischen 4000 und 8000 Menschen an einem bösartigen Kehlkopftumor. Meist kann der Tumor erfolgreich behandelt und der Kehlkopf erhalten werden. In einigen Fällen ist jedoch eine Entfernung des Kehlkopfs unumgänglich. Das Ergebnis: In Deutschland leben rund 20 000 Menschen ohne Kehlkopf. Die effektivste Möglichkeit, um wieder sprechen zu lernen, ist eine Stimmprothese. „Sie wird während oder nach der Kehlkopfoperation in eine künstlich geschaffene Verbindung zwischen Luft- und Speiseröhre eingesetzt“, erläutert Stefan Rösler. So kann Luft von der Luftröhre in die Speiseröhre umgeleitet werden und in den Mund strömen. Dabei versetzt die Luft Schleimhautfalten im Schlund in Schwingung und ein Ton zum Sprechen entsteht. Gleichzeitig muss die Prothese, die im Wesentlichen eine miniaturisierte Rückschlagklappe darstellt, sicher verhindern, dass Speisereste oder Speichel von der Speiseröhre in die Luftröhre übertreten.

Bisher sei die Entwicklung von Stimmprothesen ohne detaillierte Kenntnisse der physiologischen Atemwegsparameter kehlkopfloser Patienten erfolgt, sagt Rösler. Die Folge sei, dass die Ventilöffnungsdrücke von Hersteller zu Hersteller erheblich variieren. „Neben dem Strömungswiderstand, den der Patient zum Sprechen überwinden muss, ist die zum Öffnen des Ventils erforderliche Kraft ein entscheidender Parameter für die Langlebigkeit der Prothese“, erklärt der Maschinenbauprofessor. Das Projekt, an dem auch Stimmprothesenhersteller beteiligt sind, wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert.

Ein Fortschritt für Träger von Stimmprothesen ist es, dass es Stefan Rösler und seinem Team gelungen ist, Mediziner, Prothesenhersteller und Maschinenbauer für die Weiterentwicklung dieser medizinischen Hilfsmittel an einen Tisch zu bekommen: „Das ist ein guter Prozess, die Firmen sind motiviert, mitzumachen, weil wir erstmals unabhängige Daten auf dem Tisch haben.“ Zur Qualitätssicherung von Stimmprothesen ist Rösler ebenfalls aktiv im verantwortlichen Arbeitskreis des Deutschen Instituts für Normung (DIN), wo derzeit eine DIN-Norm für die zwischen 300 und 3000 Euro teuren Prothesen entwickelt wird.

Text: Antje Fürth

Cornelia Mack | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-esslingen.de/mb

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Neues DaVinci-OP-System: Universitätsmedizin Mainz erweitert Spektrum an robotergestützten OP´s
03.02.2017 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Deutschlandweit erste Installation: Kompakter Roboter assistiert bei MRT-geführter Prostatabiopsie
02.02.2017 | Universitätsklinikum Leipzig AöR

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie