Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erstmalige Implantation einer innovativen Gefäßprothese bei Aorten-Aneurysma

14.03.2013
Heidelberger Gefäßchirurgen implantierten erstmals in Deutschland eine innovative Gefäßprothese bei Aorten-Aneurysma.

Dabei wird die Hauptschlagader im Bereich der Gefäßaussackung durch sich aushärtenden Kunststoff „versiegelt“. Diese Komplettabdichtung der Gefäßwand verhindert Einrisse, Blutungen und Folgeeingriffe. Vorteile und Risiken werden nun in einer klinischen Studie geprüft.


Die Grafik verdeutlicht den Wirkmechanismus der neuen Gefäßprothese: Über die linke und rechte Leistenarterie wird jeweils ein Katheter unter Röntgenkontrolle in den Bereich des Bauchaorten-Aneurysmas vorgeschoben (li.). Über die beiden Katheter werden die Prothesen, die aus zwei flexiblen Gefäßrohren (Stents) bestehen, im Aneurysma platziert (mi.). Rund um die beiden Stents, die zukünftig den Blutfluss ermöglichen, wird in einen Kunststoffsack eine Masse (Polymer) gespritzt, die aushärtet und das Volumen des Aneurysmas komplett versiegelt (re.). Dadurch sitzt die Prothese im Gefäß fest und kann nicht verrutschen.

Die Klinik für Gefäßchirurgie und Endovaskuläre Chirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg hat erstmals in Deutschland eine neue Prothese eingesetzt, die einen wesentlichen Fortschritt für die Behandlung der gefährlichen Aussackung der Hauptschlagader (Aorta), des sogenannten Bauchaorten-Aneurysmas, bedeuten könnte: Die Prothese, die schonend über die Leiste eingebracht wird,„versiegelt“ die Gefäßwand komplett; dadurch werden der gefürchtete Einriss des Blutgefäßes sowie kleine Blutungen in die Schlagader verhindert, wie erste Erfahrungen mit der Prothese im Ausland bereits gezeigt haben.

„Wir haben am 3. Februar bei zwei Patienten, die ein großes Aneurysma der Bauchschlagader hatten, die neue Prothese erfolgreich eingesetzt“, berichtet Professor Dr. Dittmar Böckler, Ärztlicher Direktor der Heidelberger Klinik für Gefäßchirurgie und Endovaskuläre Chirurgie. Beide Patienten haben den Eingriff gut überstanden. Die Heidelberger Chirurgen konnten dabei auf die positiven Ergebnisse von rund 50 Implantationen der neuen Prothese an zwei Gefäßzentren in Neuseeland und Litauenbauen. Die Heidelberger Klinik nimmt nun als eine von 20 Kliniken weltweit an einer klinischen Studie teil, die Effektivität und Risiken der neuen Prothese klären soll.

„Bei den Gefäßendoprothesen, die bislang eingesetzt werden, sind wir mit den Ergebnissen unmittelbar nach dem Eingriff in der Regel sehr zufrieden. Im weiteren Verlauf gibt es aber einige gravierende Risiken“, so Professor Böckler. Im Lauf der Zeit können die Endoprothesen verrutschen bzw. das Aneurysma kann über Seitenäste erneut durchblutet werden, die Aorta kann sogar einreißen. Deswegen müssen die Patienten lebenslang beobachtet werden; bei rund 18 Prozent der Patienten sind erneute Eingriffe erforderlich.

„Prothese sitzt fest und kann nicht verrutschen“

Die neue Nellix-Prothese der US-Firma Endologix soll nun diese Nachteile überwinden. Sie besteht aus zwei flexiblen Gefäßrohren (Stents aus Polyester und Maschendraht), die mit jeweils einem Katheter unter Röntgenkontrolle über die rechte und linke Leistenarterie in den Bereich des Aneurysmas vorgeschoben werden und den Blutfluss in die Beinarterien offenhalten. Die beiden Stents sind von einem Kunststoffsack umgeben, in den Kunststoffmasse (Polymer) gespritzt wird, so dass er sich aufbläht und das Volumen der Aorta bzw. des Aneurysmas durch den sich aushärtenden Kunststoff komplett versiegelt wird. „Dadurch sitzt die Prothese im Gefäß fest und kann nicht verrutschen“, erklärt Professor Böckler.

Aneurysmen können entstehen, wenn die Gefäßwand geschwächt ist, z.B. bei Arteriosklerose durch Bluthochdruck, Diabetes oder bei Bindegewebserkrankungen. Eine familiäre Häufung wird ebenfalls beobachtet. Auch Verletzungen oder Entzündungen können eine Aussackung verursachen.

Rund 5 Prozent der Männer über 65 Jahre sind betroffen

Aorten-Aneurysmen finden sich vor allem bei älteren Menschen, bleiben aber oft lange Zeit unbemerkt, da sie keine oder kaum Beschwerden – meist unklare Bauch- und Rückenschmerzen – verursachen. Rund 1,7 Prozent der Frauen und fünf Prozent der Männer über 65 Jahren haben Ausweitungen der Bauchaorta von mindestens drei Zentimetern Durchmesser; ab 5 cm ist das Risiko einer Ruptur beträchtlich. Platzt das Gefäß, ist die Sterblichkeit sehr hoch. Daher wird ab diesem Durchmesser den betroffenen älteren Menschen ein Eingriff empfohlen.

„Wir hoffen, dass wir mit der neuen Endoprothese gerade älteren Patienten helfen können, bei denen ein Eingriff bislang zu riskant gewesen wäre“, sagt Professor Böckler. „Folgeeingriffe werden dadurch zukünftig für unsere Patienten vermieden“, so der Ärztliche Direktor der Klinik.

Share on Facebook

Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Home.104613.0.html
Klinik für Gefäßchirurgie und Endovaskuläre Chirurgie
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Bauchortenaneurysma.104623.0.html Informationsbroschüre der Klinik für Gefäßchirurgie und
http://www.endologix.com/investigational_devices/nellix/
Endovaskuläre Chirurgie zum Bauchaorten-Aneurysma
Endoprothese Nellix der Firma Endologix

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Neues DaVinci-OP-System: Universitätsmedizin Mainz erweitert Spektrum an robotergestützten OP´s
03.02.2017 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Deutschlandweit erste Installation: Kompakter Roboter assistiert bei MRT-geführter Prostatabiopsie
02.02.2017 | Universitätsklinikum Leipzig AöR

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie