Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eingriffe gegen Alterssichtigkeit: 70 bis 80 Prozent kommen ohne Lesebrille aus

16.09.2013
Die Möglichkeiten der chirurgischen Korrektur der Alterssichtigkeit werden immer besser. Zu den besonders erfolgreichen Verfahren zählen Lochblenden für die Hornhaut und Mehrstärkenlinsen, auch Multifokallinsen genannt.

Studien zeigen, dass 70 Prozent der Patienten mit Multifokallinsen auf Fern- und Lesebrille verzichten können. Auch bei der Lochblende können etwa 80 Prozent der Patienten bei guter Beleuchtung ohne Lesebrille auskommen. Seltene Komplikationen sind „Halos“, kleine Lichtringe, die vor allem abends um starke Lichtquellen herum wahrgenommen werden.

Über aktuelle Studien und neue Materialentwicklungen diskutieren Wissenschaftler auf dem 111. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). Die Jahrestagung findet vom 19. bis 22. September 2013 in Berlin statt.

Bei der Lochblende, dem sogenannten „Kamra-Inlay“, handelt sich um eine Kunststoffscheibe mit 3,8 Millimetern Durchmesser, die in der Mitte ein 1,6 Millimeter kleines Loch enthält. „Das Inlay wird unter örtlicher Betäubung in eine Tasche in der Hornhaut geschoben, die wir vorher mit einem Laserstrahl erzeugen, oder bei der Lasik-Operation zur Korrektur einer Fehlsichtigkeit zugleich implantiert“, erklärt Professor Dr. med. Günther Grabner, Primararzt der Universitäts-Augenklinik Salzburg. Das Implantat nutzt ein Prinzip, das von der Fotokamera bekannt ist – die Blende am Objektiv wird kleiner gestellt, die Tiefenschärfe damit erhöht. Nur ein Auge, das „Leseauge“, erhält ein solches Implantat.

Günther Grabner gehört zu den ersten Augenärzten, die Kamra-Inlays implantierten und wertet die Ergebnisse seit sieben Jahren in Studien aus. Die Wirkung stellt sich bereits kurz nach der Operation ein, wie die Untersuchungen belegen. „Über 80 Prozent der Patienten konnten ohne Sehhilfe Bücher und Zeitungen lesen, einschließlich der Schrift auf dem Handy“, berichtet Grabner.

Kürzlich veröffentlichte Ergebnisse zeigen, dass es nur bei einem von 32 Patienten zu keiner Verbesserung im Sehtest kam. Auch am Computer gebe es in der Regel keine Probleme. Nach bisherigen Erfahrungen der Salzburger Klinik ist dieser Effekt von Dauer. „Eine erste Langzeitstudie über fünf Jahre ergab, dass die Sehverbesserung über diesen Zeitraum anhält“, berichtet Studienautor Grabner.

Die am häufigsten auftretende Komplikation sind sogenannte „Halos“, kleine Lichtringe, die vor allem abends um Lichtquellen herum wahrgenommen werden. „Die Häufigkeit liegt bei 3,1 Prozent“, so Grabner. Ist ein Patient unzufrieden, kann die Lochblende wieder entfernt werden. Dies wird aber selten gewünscht. „Die Explantationsrate liegt bei unter zwei Prozent – was ein sehr guter Wert ist“, sagt der Experte. Weltweit sind bisher über 20 000 Inlays implantiert worden.

Leidet der Patient unter Grauem Star, kommt ein Austausch der körpereigenen Linsen durch multifokale Kunstlinsen infrage. Die Mehrstärkenlinsen bieten dem Auge verschiedene Brennpunkte für scharfes Nah- und Fernsehen an. Sie sind seit 25 Jahren im Einsatz und ebenfalls zunehmend erfolgreich: Studien zeigen, dass 70 Prozent der operierten Patienten nach dem Eingriff auf eine Brille sowohl für den Fern- als auch den Nahbereich verzichten können. „Auch dieser Effekt ist dauerhaft“, betont Grabner. Denn der Faktor, der die Alterssichtigkeit bewirkt – die starr werdende körpereigene Linse – ist beseitigt worden. Vereinzelt treten auch hier Nebenwirkungen in Form von „Halos“ und Blenderscheinungen beim Autofahren in der Nacht auf.

„Wir können Patienten, die aus beruflichen, sportlichen oder kosmetischen Gründen ohne Lesebrille auskommen wollen, heute bei einem geringen operativen Restrisiko gut helfen“, bilanziert Grabner.

DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung
Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 6000 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

Terminhinweise:

• Pressekonferenz im Rahmen des 111. DOG-Kongresses
Termin: Donnerstag, 19. September 2013, 12.45 bis 13.45 Uhr
Ort: Estrel Convention Center Berlin, Raum Paris (Erdgeschoss)
Anschrift: Sonnenallee 225, 12057 Berlin
• Symposium „Kraftfahreignung nach refraktiv-chirurgischen Eingriffen – Symposium der Kommission DOG-Verkehr”
Termin: Freitag, 20. September 2013, 8.00 bis 9.30 Uhr
Ort: Estrel Convention Center Berlin, Saal 2
Anschrift: Sonnenallee 225, 12057 Berlin
• Freie Vortragssitzung „Katarakt”
Termin: Sonntag, 22. September 2013, 10.15 bis 11.45 Uhr
Ort: Estrel Convention Center Berlin, Raum Paris
Anschrift: Sonnenallee 225, 12057 Berlin
Kontakt für Journalisten:
Pressestelle 111. DOG-Kongress
Kerstin Ullrich/Corinna Spirgat
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-641/-293
Telefax: 0711 8931-167
ullrich@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dog.org
http://www.dog-kongress.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Patienten-Monitoring in der eigenen Wohnung − Sensorenanzug für Schlaganfallpatienten
06.12.2016 | University of Twente

nachricht UKR setzt auf roboterassistierte Wirbelsäulenchirurgie
02.12.2016 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften