Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dresdner Uniklinikum nimmt High-End-Hybrid-OP in Betrieb

09.01.2018

Mit Beginn dieser Woche steht der Klinik für Viszeral-, Gefäß- und Thorax­chirurgie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden ein Hybrid-Operationssaal mit neuester Röntgentechnologie zur Verfügung. Damit erhält die Klinik eine optimale Ausstattung für komplexe, minimalinvasive Eingriffe, die insbesondere gefäßchirurgischen Patienten zugutekommen wird. Zentrales Element des neuen OP ist eine der weltweit modernsten Angiographieanlagen. Wesentliche Vorteile des High-End-Geräts sind die 3D-Fähigkeit, computergestützte Navigation und eine deutlich verringerte Strahlendosis bei brillanter Bildqualität.

Das strahlungsarme High-Tech-Gerät kommt den Patienten ebenso zugute wie den Chirurgen, denn die in der Regel mit Kathetern vorgenommenen Eingriffe finden unter laufender Röntgenkontrolle statt. Die hochmoderne Anlage liefert trotz niedriger Dosis und der verringerten Gabe von Kontrastmitteln höher aufgelöste Bilder.


Prof. Christian Reeps, Prof. Jürgen Weitz und OP Schwester Ines präsentieren mit der Angiographieanlage das Herzstück des neuen Hybrid-OP im Dresdner Uniklinikum.

Uniklinikum Dresden / Holger Ostermeyer

Zudem sorgt die komplexe Steuerung der Angiographieanlage dafür, dass sich Patienten dem Eingriff entsprechend optimal positionieren lassen. Eine weitere Besonderheit stellt der auf von einem Roboterarm geführte C-Bogen dar. Durch dessen hochbewegliche, intelligente Führung lassen sich Röntgenbilder aus jeweils optimalen Positionen erstellen.

„Der neue Hybrid-OP-Saal steht für die sich in den vergangenen Jahren beeindruckend weiterentwickelte chirurgische Exzellenz des Universitätsklinikums. Er bietet den Chirurgen ein optimales Umfeld, um ihre Kompetenzen noch besser ausspielen und weiter ausbauen zu können. Und dieser Saal ist nur der Anfang: Mit der im Herbst anstehenden Inbetriebnahme des neuen OP-Zentrums stehen den chirurgischen Fächern insgesamt 17 hochmoderne Operationssäle zur Verfügung. Sie werden dafür sorgen, dass die bereits jetzt große Bandbreite chirurgischer Eingriffe weiter wachsen kann“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinscher Vorstand des Uniklinikums.

„Mit dem neuen Hybrid-OP stoßen wir die Tür zu einer neuen Epoche der Chirurgie weit auf. Die intelligente Vernetzung moderner Bildgebungsverfahren mit allen anderen Geräten sorgt dafür, dass wir noch präziser, sicherer und dabei noch schonender operieren können. Die jetzt in Betrieb genommene High-End-Angiographieanlage ist dabei nur ein erster Schritt. Von ihr werden nicht ausschließlich Gefäßpatienten profitieren, sondern auch Krebskranke“, sagt Prof. Jürgen Weitz, Direktor der Klinik für Viszeral-, Gefäß- und Thoraxchirurgie. Mit dem zweiten Hybrid-OP, der im benachbarten Haus 32 entsteht, werden von diesen innovativen Technologien jährlich mehrere hundert Patienten profitieren.

Der Begriff „Hybrid-OP“ steht für einen modernen Operationssaal der mit Geräten medizinischer Bildgebung kombiniert wird. In einem solchen Saal lassen sich beispielsweise auch bei offenen OP Röntgenbilder anfertigen und Interventionen mit Kathetern vornehmen. Neben den mit Angiographieanlagen ausgestatteten OPs wird das Dresdner Uniklinikum ab Herbst auch zwei OP-Säle in Betrieb nehmen, die direkt an einen sterilen, mit einem Magnetresonanztomographen ausgestatten Raum verbunden ist.

Hauptnutzer des neuen High-End Hybrid-OP in Haus 59 ist das gefäßchirurgische Team um Prof. Christian Reeps. Ein Schwerpunkt des Gefäßchirurgen bilden Eingriffe bei Patienten mit lebensgefährlichen Erkrankungen der Hauptschlagader – wie zum Beispiel einem Aortenaneurysma. Hier spielen schonende Verfahren mit Implantationen großer maßgefertigter Gefäßprothesen eine wichtige Rolle. Zwar können komplexe Aneurysmen auch in einer offenen Operation mit konventionellen Prothesen behandelt werden.

Doch über die Leistenschlagader eingeführte Stents ermöglichen es, auch betagte Menschen erfolgreich zu versorgen, für die eine offene Operation nicht mehr in Frage kommt. Das minimalinvasiv über einen Katheter unter Röntgenkontrolle vorgenommene Setzen von Stentprothesen kann hochkomplex sein. Hier spielt der neue Hybrid-OP seine Stärken voll aus, in dem Patienten nicht nur optimal operiert werden können, sondern sich während des Eingriffs auch hochauflösende zwei- oder dreidimensionale Bilder anfertigen lassen.

Diese können während der OP mit den im Vorfeld der Intervention angefertigten Bildern eines Computertomographen zusammengeführt werden. Darüber hinaus gehört zu der Angiographieanlage eine Navigationssoftware, die den Operateuren dabei hilft, die Stents auf dem Weg durch die Gefäße sicher und schnell an ihr Ziel zu bringen.

„Zur Versorgung von Patienten mit einem lebensgefährlichen Aortenaneurysma setzen wir oft mehrteilige und gefensterte Spezialprothesen ein. Diese Eingriffe können durchaus sehr langwierig und komplex sein. Deshalb ist die geringe Strahlenbelastung, die von der neuen Angiographieanlage ausgeht, nicht nur gut für unsere Patienten, sondern auch für uns Operateure. Mittelweile nehmen wir jährlich mehr als 120 zum Teil mehrstündige minimalinvasive Aorten-Eingriffe vor – ganz zu schweigen von anderen einfacheren endovaskulären Eingriffen im OP“, sagt Prof. Reeps.

Maßangefertigte Gefäßprothesen gegen Aneurysmen

Bevor die künstlichen Stentprothesen zur Ausschaltung einer Aortenerkrankung implantiert werden können, steht Maßarbeit am PC auf dem Programm: Basis sind Bilder vom Computertomographen, die dann von einem spezialisierten Hersteller zu einem präzisen Plan aufgearbeitet werden. In bestimmten Fällen ist der Aufwand besonders hoch – etwa wenn die Bauchschlagader sehr kurvig verläuft und auch die Abzweigungen zu den Nieren- und Eingeweidearterien betroffen sind.

Die Gefäßprothese muss dann mit präzise eingearbeiteten Verbindungslöchern oder Seitenarmen – Fachleute sagen dazu Fenestrierungen oder Branches – hergestellt werden. Das Besondere dieser über spezielle Katheter in die Blutbahn eingeführten Prothesen ist, dass die Spezialisten erst die Fenestrierungen oder Seitenarme mit den Eingeweide- und Nierenarterien zur Deckung bringen müssen um sie dann im Bereich der erweiterten Arterie voll zu entfalten.

Danach werden Fenster und Seitenarme zu den Zielgefäßen mit zusätzlich eingebrachten kleinen Stentröhrchen verbunden und abgedichtet. In der Ausgangsposition sind die einzelnen Elemente der Hauptprothese in etwa so dick wie ein Kugelschreiber – später mehr als vier Mal so stark. Möglich wird das durch feinen, im Zick-Zack gebogenen Edelstahldraht, der mit einem Spezialgewebe umgeben und verwoben ist. Die Prothese muss nach der Implantation zu 100 Prozent dicht sein.

Kontakt für Journalisten
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie (Direktor: Prof. Dr. med. Jürgen Weitz)
Bereich für Gefäß- und endovaskuläre Chirurgie
Leiter: Prof. Dr. med. Christian Reeps
Tel.: 0351/ 4 58 12683 (Sekretariat)
E-Mail: nicole.langklotz@uniklinikum-dresden.de
www.uniklinikum-dresden.de/vtg

Holger Ostermeyer | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen
24.04.2018 | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

nachricht Deutschlandweit erstes Gerät für hoch fokussierten Ultraschall bei Tremor und Parkinson
11.04.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Impfstoff-Kandidat gegen Malaria erfolgreich in erster klinischer Studie untersucht

25.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Erkheimer Ökohaus-Pionier eröffnet neues Musterhaus „Heimat 4.0“

25.04.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

25.04.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics