Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Brustkrebs frühzeitig erkennen: Computer-Tomographie mit Ultraschall

02.12.2010
RUB-Forscher erhält VDE-Promotionspreis 2010

Zuverlässige medizinische Bildgebungsverfahren sind in der Tumordiagnostik unverzichtbar. Um das Gewebe der weiblichen Brust möglichst detailliert abzubilden, entwickelte Dr.-Ing. Christian Hansen eine neue Form der Ultraschall-Computertomographie kombiniert mit Kontrastmitteln.

Das Verfahren ist gezielt auf die Anatomie der weiblichen Brust zugeschnitten und sehr patientenfreundlich. In Zukunft könnte es die „lästige“ Mammographie ablösen. Für seine Dissertation an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der Ruhr-Universität Bochum erhielt er am 1.12. den mit 3.000 Euro dotierten Promotionspreis des VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik).

Detailaufnahmen vom Brustgewebe

Das Ergebnis der Arbeit "Kontrastmittelspezifische Ultraschall-Computertomographie" ist ein Abbildungssystem, das weitgehend automatisiert abläuft und damit „untersucherunabhängig“ ist. Ein Ultraschallwandler umkreist die in einem Wasserbad gelagerte Brust und bildet das Drüsengewebe aus allen Richtungen ab. Im Gegensatz zur handgeführten Sonographie wird die Brust immer vollständig erfasst. Die Abbildung aus verschiedenen Aufnahmerichtungen liefert mehr Daten und ermöglicht Ultraschallbilder mit höherer Qualität. Intravenös injizierte Ultraschall-Kontrastmittel können zusätzlich genaue Informationen über die Durchblutung des Gewebes liefern. „Das ist wichtig, denn neue Blutgefäße und eine gesteigerte Durchblutung des Gewebes sind typische Zeichen bösartiger Tumore“, so Dr.-Ing. Hansen.

Wie sich die Schallgeschwindigkeit in der Brust verteilt

Verbunden über eine PC-Schnittstelle lässt sich das neue Abbildungssystem als Zusatzeinheit an handelsübliche Ultraschall-Systeme andocken. „Die gewonnen Daten verarbeitet das System auf zweierlei Weise“, berichtet Dr. Hansen. „Zum einen werden die Ultraschallechos der verschiedenen Aufnahmerichtung miteinander kombiniert, um anschließend das Brustgewebe als Graustufenbild darzustellen und bei Kontrastmittelinjektion die Durchblutung zu beurteilen. Zum anderen werden die Laufzeiten der Echosignale ausgewertet. Hierfür ist auf der gegenüberliegenden Seite des Schallkopfes eine Art akustischer Spiegel angebracht, der die Schallwellen reflektiert.“ Computertomographische Rekonstruktionsverfahren ermöglichen, die Schallgeschwindigkeitsverteilung der verschiedenen Gewebearten in der Brust zu berechnen und im Bild darzustellen. „In Tumoren breiten sich Ultraschallwellen mit einer anderen Geschwindigkeit aus als in gesundem Brustdrüsengewebe, womit die Tumoren in den Bildern sichtbar gemacht werden können“, so Prof. Dr.-Ing. Helmut Ermert (Forschungsgruppe Hochfrequenztechnik der RUB), der die Dissertation betreute.

Alternative zur Röntgen-Mammographie

Bislang dient die handgeführte Ultraschalluntersuchung als Ergänzungsmethode zur Mammographie. Diese ist mit einer mechanischen Kompression der Brust und mit einer Strahlenbelastung verbunden und wird daher nicht von allen Frauen akzeptiert. „Das neue System könnte wegen der standardisierten und vollständigen Abbildung zum Verfahren der ersten Wahl in der Brustkrebsdiagnostik avancieren“, sagt Prof. Dr. med. Lothar Heuser, medizinischer Betreuer der Arbeit und Leiter der klinischen Erprobung des Systems (Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin der Ruhr-Universität Bochum im Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer).

VDE-Preis: Originalität und Relevanz der Ergebnisse

Der Bezirksverband Rhein-Ruhr und die Landesvertretung NRW des VDE stiften seit 1993 jährlich den Promotionspreis für Wissenschaftler der Universitäten/Hochschulen Aachen, Bochum, Duisburg-Essen, Dortmund, Hagen, Paderborn, Siegen und Wuppertal für besondere Promotionsleistungen in den Bereichen der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik bzw. Informatik und ergänzender Technologien und Wissenschaften. Zentrale Kriterien bei der Auswahl des Preisträgers sind neben der wissenschaftlichen Originalität der Arbeit auch die internationale Anerkennung und die praktische Relevanz sowie die überzeugende Darstellung des Ergebnisses.

Die Arbeiten, aus denen die Dissertation von Dr.-Ing. Christian Hansen hervorgegangen ist, wurden in einem Projekt am Kompetenzzentrum Medizintechnik Ruhr (KMR) mit Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) begonnen und im Zentrum für Medizinische Bildgebung Ruhr (ZMB) fortgeführt. Dieses Projekt unter Beteiligung der Stadt Bochum wurde vom Land Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Gemeinschaft (Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung) kofinanziert. Siemens unterstütze die Arbeiten durch Leihgabe verschiedener Ultraschallgeräte.

Weitere Informationen

Prof. Dr.-Ing. Helmut Ermert, DR. Christian Hansen, Forschungsgruppe Hochfrequenztechnik
Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der RUB
Tel. 0234/32-27113, E-Mail: helmut.ermert@rub.de, christian.hansen@rub.de
Angeklickt
Forschungsgruppe Hochfrequenztechnik
http://www.hf.rub.de
Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum

http://www.radiologie-bochum.de

Redaktion: Jens Wylkop

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.hf.rub.de
http://www.radiologie-bochum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten
23.03.2017 | Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)

nachricht Herzultraschall: Die dritte Dimension
21.03.2017 | Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum - Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen