Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bronchoskopie im Miniaturformat

29.01.2015

In der Humanmedizin sind endoskopische Lungenspiegelungen mittels Videobronchoskop gängige Praxis. Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben nun ein Miniatur-Bronchoskop entwickelt, das die Behandlung und Untersuchung von Kleintieren ermöglicht. Für die experimentelle Lungenforschung ein entscheidender Schritt – künftig lassen sich deutlich genauere und aussagekräftigere Ergebnisse erzielen. Diese Daten dienen als Grundlage, um Entstehung und Entwicklung von Lungenerkrankungen beim Menschen besser zu verstehen. Erste Anwendungen sind im Fachmagazin American Journal of Respiratory Cell and Molecular Biologie* veröffentlicht.

Lungenerkrankungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Menschen – entsprechend zahlreich sind Forschungen auf dem Gebiet der Pneumologie. Bei der Suche nach neuen Therapieansätzen sind Tierexperimente unerlässlich. Um dabei wiederholte Untersuchungen an Atemwegen und Lunge zu ermöglichen, hat ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlern um Prof. Martin Witzenrath, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Infektologie und Pneumologie und Prof. Andreas Meisel, Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie nun ein Bronchoskop in Miniaturform entwickelt. Es ist das kleinste bisher vorhandene Gerät und in Zusammenarbeit mit Experten eines spezialisierten Herstellers entstanden.

Eine Herausforderung in der Lungenforschung beispielsweise an Mäusen ist die geringe Größe ihrer Atemsysteme. Mit der neuen Technik entwickeln die Berliner Wissenschaftler nun minimalinvasive Anwendungen für dieses Forschungsfeld. Genau lokalisierte Untersuchungen oder die gezielte Behandlung bestimmter Lungenregionen sind jetzt auf kleinstem Raum möglich. „Das Verfahren eröffnet neue Perspektiven in der Forschung und bessere Kontrollmethoden. Erstmalig lassen sich beispielsweise beide Lungenflügel getrennt voneinander behandeln und beobachten“, so Prof. Witzenrath. Somit können Vergleichsstudien oder Verlaufsuntersuchungen an ein und demselben Tier durchgeführt werden. Das macht Ergebnisse der experimentellen Lungenforschung repräsentativer und genauer.

Die Bilder und Daten der fiberoptischen Miniaturbronchoskope sollen künftig dazu beitragen, Krankheitsmechanismen bei Menschen mit Lungenerkrankungen besser zu verstehen. Gleichzeitig hilft die neue Methodik, die Zahl von Untersuchungstieren entsprechend der internationalen Prinzipien zu reduzieren. Auch die Charité – Universitätsmedizin Berlin hat sich den Baseler Zielen angeschlossen, Forschung im Tiermodell nach Möglichkeit zu ersetzen.

* Claudia Dames, Levent Akyüz, Katrin Reppe, Christoph Tabeling, Kristina Dietert, Olivia Kershaw, Achim D. Gruber, Christian Meisel, Andreas Meisel, Martin Witzenrath and Odilo Engel: "Miniaturized Bronchoscopy Enables Unilateral Investigation, Application, and Sampling in Mice", American Journal of Respiratory Cell and Molecular Biology, Vol. 51, No. 6 (2014), pp. 730-737. doi: 10.1165/rcmb.2014-0052MA.

Kontakt:
Prof. Dr. Martin Witzenrath
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 553 474
E-Mail: martin.witzenrath@charite.de

Weitere Informationen:

http://www.charite.de
http://infektiologie.charite.de/

Dr. Julia Biederlack | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Radioembolisation: Beim Leberkrebs mehr als nur eine Alternative!
22.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

nachricht Ein neuer Blick in die Lunge (und andere Organe)
19.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie