Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Herzdaten live per Telefon: Europaweite Studie zu Telemonitoring unter Bonner Führung

08.12.2006
Keine Zukunftsvision: Ein schwerkranker Herz-Patient überträgt aus dem Wohnzimmer per Telefon sein EKG live ins Krankenhaus. Diese neuartige Form der Telemedizin für Patienten mit implantiertem Elektroschockgerät wurde jetzt erstmals in Europa an der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Bonn realisiert.

Dank dieser neuen Technik kann der behandelnde Arzt sofort und online die Herzdaten des Patienten über das Telefon abfragen und am Monitor direkt analysieren. In Kürze startet hierzu eine europaweite Studie, die in Deutschland unter der Führung der Bonner Universitäts-Kardiologen steht.

Das Herz rast, schlägt etwa 300 Mal pro Minute. Bei Patienten mit ausgeprägter Herzschwäche kann es jederzeit zu solchen Komplikationen des Herzkreislaufsystems kommen. Die Gefahr eines plötzlichen Herztodes ist groß. Daher implantieren die Bonner Universitätsärzte schwerkranken Patienten mit ausgeprägter Herzschwäche einen so genannten Defibrillator, der mit einem Stromstoß bei einer lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörung den Herztakt wieder normalisiert. "Für diese Patienten ist eine engmaschige Kontrolle dringend notwendig. Gleichwohl möchten auch diese Patienten möglichst außerhalb der Klinik und in maximal möglicher Bewegungsfreiheit leben", sagt Professor Dr. Georg Nickenig, Direktor der Medizinischen Klinik II am Universitätsklinikum Bonn.

Mit der neuen, jetzt erstmals in Bonn erprobten Technik kann der Patient zu jedem Zeitpunkt und von jedem Ort aus seine aktuellen Herzdaten über das Telefon an die Medizinische Klinik II senden. Dazu legt er den Telefonhörer in einen schachtelförmigen Transmitter und hält diesen an den Defibrillator. Auf der anderen Seite der Leitung erscheint das EKG online auf dem Monitor. "Wir können direkt sehen, in welchem Takt das Herz unseres Patienten schlägt. Das ist ein revolutionärer Schritt in der Telemedizin und eröffnet neue Dimensionen in der Versorgung von Patienten", sagt Privatdozent Dr. Jörg Schwab, Oberarzt an der Medizinischen Universitätsklinik II. Denn ohne dass der Patient die Klinik persönlich aufsucht, kann der Arzt eine Diagnose stellen und seinen Patienten beraten. Hierdurch werden nicht nur unnötige Krankenhauseinweisungen vermieden, sondern vor allem frühzeitig schwere Zwischenfälle erkannt und somit auch früher und erfolgreicher behandelt.

... mehr zu:
»Defibrillator »Telemedizin

Dem Herzen ganz nahe

Die Erprobung dieser neuen Technik ist in Bonn eingebettet in eine modernste Kardiologie. Dies betrifft die Behandlung der koronaren Herzerkrankung im Katheterlabor, die minimal-invasive Versorgung angeborener Herzfehler, neue elektrophysiologische Untersuchungsmethoden und Therapien sowie neue Konzepte zur Behandlung der Herzinsuffizienz. Zudem bietet das neue Bettenhaus I den Patienten einen sehr hohen Komfort. "Die Ausweitung der Kapazitäten in den Herzkatheterlabors und der Stationen war dringend notwendig, da es innerhalb unserer Klinik zu einer Leistungsexplosion gekommen ist", sagt Professor Nickenig. So wurden im letzten Jahr neben 3.600 diagnostischen Untersuchungen etwa 1.800 Behandlungen in den Herzkatheterlabors durchgeführt. Zusätzlich wird an der Klinik intensiv geforscht. In den neu bezogenen Forschungslaboren beschäftigen sich inzwischen mehr als 20 wissenschaftliche Mitarbeiter mit den Fragen, wie es zum Herzinfarkt kommen kann und welche Rolle Stammzellen bei der Therapie von Herz-Kreislauferkrankungen spielen können.

"Unsere Klinik hat ihre Führungsposition in der Region weiter untermauert und ist darüber hinaus allen niedergelassenen Kollegen und den umliegenden Kliniken ein starker Partner. Insbesondere in der besseren Behandlung der in Bonn lebenden Menschen sehen wir unsere Hauptaufgabe", sagt Professor Nickenig.

Kontakt:
Professor Dr. Georg Nickenig
Direktor der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-15217
E-Mail: georg.nickenig@ukb.uni-bonn.de
Privatdozent Dr. Jörg Schwab
Oberarzt an der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287 - 16670
E-Mail: joerg.schwab@ukb.uni-bonn.de

Dr. Inka Väth | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: Defibrillator Telemedizin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Herzforschung - Neue Katheterklappe in Tübingen entwickelt
16.01.2017 | Universitätsklinikum Tübingen

nachricht Fernüberwachung bei Herzschwäche kann Klinikaufenthalt ersparen
09.01.2017 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Geothermie: Den Sommer im Winter ernten

18.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Kompositmaterial für die Wasseraufbereitung

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Brain-Computer-Interface: Wenn der Computer uns intuitiv versteht

18.01.2017 | Informationstechnologie