Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Technischer Alarm im Brustkorb

23.10.2006
Neuer Defibrillator warnt mit Vibration vor technischem Versagen / Weltweit erste Implantation in der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg

An der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg ist erstmals weltweit ein neuer Cardioverter Defibrillator (ICD) implantiert worden, der den Herzschlag des Patienten registriert, ihn mit einem Stromstoß wieder normalisiert und sich selbst überwacht: Bei einem technischen Defekt alarmiert das Gerät den Patienten mit einem Vibrationssignal.

Der neue Defibrillator Atlas II der Firma St. Jude Medical zeichnet die Herzschläge des Patienten auf und gibt bei technischen Störungen ein Alarmsignal von sich. Der Patient wird durch Vibrationen im Bereich der Schrittmachertasche (vordere Brustwand) alarmiert, ähnlich wie bei einem Handy.

"Schon früher gab es Geräte mit einer Alarmfunktion", erklärt Privatdozent Dr. Alexander Bauer, Oberarzt der Abteilung Kardiologie, Pulmologie und Angiologie der Medizinischen Universitätsklinik (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Hugo A. Katus). "Allerdings arbeiteten diese mit Tonsignalen, die von älteren schwerhörigen Patienten nicht wahrgenommen werden."

Bei Warnsignal muss sofort der Kardiologie aufgesucht werden

Tritt dieses Vibrationssignal auf, soll der Patient umgehend seinen Kardiologen aufsuchen, damit über einen Computer die technischen Daten überprüft werden. Technische Defekte treten bei rund 5 Prozent aller Patienten auf und können zum Funktionsverlust (d.h. Herzrhythmusstörungen werden nicht erkannt und/oder behandelt) des ICDs führen.

Dem ersten Patienten wurde der neue Defibrillator am 30. August 2006 in der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg implantiert. Der Eingriff verlief komplikationslos und dauerte nur etwa eine Stunde. Dem Patienten, einem 64-jährigen Mann aus der Umgebung von Heidelberg, der an Rhythmusstörungen nach einem Herzinfarkt litt, geht es gut. Mittlerweile hat Dr. Bauer drei weitere Patienten mit dem Gerät versorgt.

In Deutschland erleiden rund 100.000 Menschen pro Jahr einen plötzlichen Herztod infolge schwerer Herzrhythmusstörung. Dazu gehören auch ventrikuläre Tachykardien bzw. Kammerflimmern. Dabei schlagen die Herzkammern sehr schnell und unregelmäßig. Nicht immer nimmt der Patient die Arrhythmie wahr. Hält die Tachykardie über längere Zeit an, oder ist die Frequenz sehr hoch, dann besteht akute Lebensgefahr, da lebenswichtige Organe nicht mehr mit sauerstoffhaltigem Blut versorgt werden. Um dies zu verhindern, wird ein Defibrillator implantiert, der den Herzrhythmus überwacht und bei Bedarf wieder synchronisiert.

Der "Defi" wird in eine Hauttasche auf dem Brustkorb eingesetzt, die Elektrode direkt in die Herzwand. Bei einem unregelmäßigen, zu schnellen Herzschlag gibt der Defibrillator wahlweise entweder einen starken Elektroschock ab (wenn die Herzfrequenz sehr hoch ist) oder versucht durch Abgabe schneller elektrischer Impulse die Herzrhythmusstörung zu beenden, bis das Organ wieder normal schlägt.

Bei Rückfragen:
Dr. Alexander Bauer
Abteilung Kardiologie, Pulmologie und Angiologie
Medizinische Universitätsklinik
Telefon: 06221 / 56 8855 (Rhythmus-Ambulanz)
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Berichte zu: Defibrillator Herzrhythmusstörung Kardiologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Ein Quantensprung in der Herzdiagnostik
22.09.2017 | Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum - Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen

nachricht Bypass – Lebensbrücke für das Herz; keine Angst vor der Herz-Operation
21.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie