Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eingriffe im Kernspintomographen

16.12.2005


Weltweit erstes Assistenzsystem für patientenschonende Behandlung im Magnetresonanz- oder Computertomographen verbessert minimal invasive Eingriffe

INNOMOTION(TM), das weltweit erste Assistenzsystem für die Anwendung in Magnetresonanz- oder Computertomographen, ist für den klinischen Einsatz bereit. In enger Kooperation mit der Firma INNOMEDIC, Herxheim, und einem klinischen Partner, dem Radiologen Professor Dr. Andreas Melzer von der Fachhochschule Gelsenkirchen, entwickelte das Forschungszentrum Karlsruhe dieses System, das Chirurgen erstmals minimal invasive Eingriffe unter kontinuierlicher Bildkontrolle direkt im Kernspintomographen ermöglicht. Das Assistenzsystem ist bereits CE-gekennzeichnet und somit für die Anwendung in der EU zugelassen.

INNOMOTION(TM) wird bei so genannten bildgesteuerten patientenschonenden minimal invasiven Eingriffen und Therapien eingesetzt. Der Vorteil des INNOMOTION(TM)-Verfahrens liegt darin, dass der Operateur die Intervention unter kontinuierlicher Bildkontrolle und damit bei höchster Präzision vornehmen kann. Eingriffe werden damit einfacher und sicherer für den Patienten; die Verwendung belastender Röntgenstrahlung entfällt. Mit dem Assistenzsystem kann der Chirurg die Führung von Instrumenten, wie z. B. Laserfasern, Biopsiekanülen oder Kanülen für die Schmerztherapie, schon vor dem Einführen in den Körper des Patienten optimieren.

Das primäre Einsatzgebiet, die bildgesteuerte perkutane Intervention (Einstich feiner Nadeln durch die Haut zum Beispiel zur Schmerzbehandlung oder Tumorzerstörung), wurde am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg inzwischen mehrfach experimentell erprobt. Das System hat darüber hinaus das Potenzial, in der Zukunft für weitere Anwendungsgebiete eingesetzt zu werden.

Das starke Magnetfeld der Magnetresonanztomographen (1,5 bis 3 Tesla) stellt hohe Anforderungen an die Technik des Systems. Einerseits muss es im Hochmagnetfeld des Tomographen störungsfrei und bei unverminderter Präzision arbeiten. Andererseits darf es die Bildgebung des Tomographen nicht beeinträchtigen. Diese Anforderungen konnten nur durch die Entwicklung neuer Sensor- und Antriebstechnologien sowie durch den Einsatz spezieller Werkstoffe erfüllt werden. Die Sensoren, die für die Regelung und Überwachung des sicheren Betriebs des Assistenzsystems eingesetzt werden, sind vollständig aus Kunststoff sowie Keramik gebaut und arbeiten auf rein optischer Basis. Die Aktoren sind aus Kunststoff hergestellt und werden pneumatisch angetrieben. Im ganzen Gerät sind damit keinerlei ferromagnetische Werkstoffe verbaut. Dadurch hat das Assistenzsystem keine störenden Wechselwirkungen mit den elektromagnetischen Feldern der Kernspintomographen.

"Nur in enger Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum, seiner guten Ausstattung und vor allem seinen qualifizierten Mitarbeitern war es uns möglich, diese aufwändige und komplexe Entwicklung anzugehen", erinnert sich der INNOMEDIC Geschäftsführer Thomas Remmele.

"Nach jedem Projektabschnitt wurde das Ergebnis direkt in einem Kernspintomographen evaluiert. So war es möglich, meine klinischen Erfahrungen schon während der Entwicklung zu berücksichtigen", ergänzt der Radiologe Professor Dr. Melzer, der die klinische Evaluierung am Sankt Marien-Hospital Buer in Gelsenkirchen durchführen wird.

"Mit dem Industriepartner INNOMEDIC war es dann möglich, die Software zur Steuerung und Bedienung des Systems zu erstellen und die Entwicklung des Systems einschließlich der CE-Zertifizierung abzuschließen", lobt Dr. Harald Fischer, Projektleiter am Institut für Biologische Grenzflächen des Forschungszentrums Karlsruhe, die Zusammenarbeit mit INNOMEDIC.

Nach Abschluss des Projektes wurden zwei Prototypen an den Kooperationspartner INNOMEDIC übergeben. INNOMEDIC hat mittlerweile die Prototypen bis zur Serientauglichkeit optimiert und vertreibt INNOMOTION(TM) bereits erfolgreich.

Das Forschungszentrum Karlsruhe ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,1 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands ist. Die insgesamt 24000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien.

Dr. Joachim Hoffmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.fzk.de

Weitere Berichte zu: Assistenzsystem INNOMEDIC INNOMOTION Kernspintomograph

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Patienten-Monitoring in der eigenen Wohnung − Sensorenanzug für Schlaganfallpatienten
06.12.2016 | University of Twente

nachricht UKR setzt auf roboterassistierte Wirbelsäulenchirurgie
02.12.2016 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf

06.12.2016 | Medizin Gesundheit

Patienten-Monitoring in der eigenen Wohnung − Sensorenanzug für Schlaganfallpatienten

06.12.2016 | Medizintechnik