Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Nierensteinzertrümmerer von Professor der Hochschule Konstanz entwickelt

01.08.2008
Neue Hoffnung für Patienten mit Nierensteinleiden weltweit: Professor Manfred Gekeler von der Hochschule Konstanz (HTWG) und die MTS Europe GmbH aus Konstanz haben einen Nierensteinzertrümmerer entwickelt, der herkömmlichen Geräten technisch und preislich weit überlegen ist.

Ein weiterer Clou: Das Gerät kann auch auf anderen Heilgebieten eingesetzt werden, etwa bei der Heilung von chronischen offenen Wunden.

Konstanz (ac) Zertrümmerer haben mittlerweile die operative Entfernung von Nierensteinen weitgehend abgelöst. Das Verfahren funktioniert durch Stoßwellen, denen der Patient ausgesetzt wird. Sie zersetzen gezielt und mit extrem hohem Druck die Steine, so dass sie auf natürlichem Weg ausgeschieden werden. Die Behandlung geschieht über einem Therapiekopf, der auf den Körper aufgesetzt wird und die kurzen Stöße abgibt. Das Erzeugen der Wellen ist technisch sehr anspruchsvoll, teuer und mit beträchtlichen Energieverlusten behaftet.

Anspruchsvoll, weil zur Erzeugung ausreichender Stoßwellen die Energiespeicher auf einer Hochspannung von bis 25.000 Volt aufgeladen und anschließend in weniger als einer Millionstel Sekunde mit Strömen von etwa 5.000 Ampere entladen werden müssen. Der geladene Energiespeicher wird über einen Schalter im Therapiekopf entladen. Der Funke, der dabei entsteht, löst die Stoßwelle aus. Durch diese Verfahren verpufft ein Großteil der eingesetzten Energie wirkungslos.

... mehr zu:
»MTS

Die Schalter in den Therapieköpfen sind sehr teuer und verschleißen sehr schnell. Außerdem handelt es sich dabei um so genannte Vakuumschalter, die auch zur Zündung von Nuklearwaffen geeignet sind. Dies bedeutet auch, dass die Geräte nicht in sensible Gebiete exportiert werden - für die dortigen Patienten ein großer Nachteil.

Doch nun können bald auch diese Menschen mit Stoßwellen therapiert werden. Denn Professor Manfred Gekeler von der HTWG Konstanz hat ein patentiertes Verfahren entwickelt, das die Geräte entscheidend energieeffizienter als bisher macht.

Gemeinsam mit dem Konstanzer Unternehmen MTS Europe wurden die ersten Geräte bereits gebaut und erfolgreich getestet.

Das Verfahren von Elektrotechnik-Professor Gekeler benutzt kostengünstige Niederspannungs- statt bisher Hochspannungselemente. Die Elemente sind so modularisiert, dass sie je nach benötigter Leistungsstufe gebaut werden können. Durch ein ausgefeiltes Verfahren wird sogar ein Großteil der eingesetzten Energie zurück gewonnen und wieder zur Erzeugung von Stoßwelle verwendet.

Entscheidend ist aber, dass die neuen Zertrümmerer dadurch keine teueren Schalter mehr brauchen. Das macht die Geräte nochmals erheblich preisgünstiger, insgesamt um etwa 800 Euro im Vergleich zu herkömmlichen Produkten. Außerdem fallen die Exportschranken in sensible Gebiete. Weiterer Vorteil: die tragbaren Geräte sind leichter und besser zu handhaben als bisher.

Die Realisierung der Geräte gemeinsam mit MTS Europe bezeichnet Professor Gekeler als "beispielhaft für die Kopperation zwischen unserer Hochschule und den mittelständischen Unternehmen der Region". Vor den ersten Kontakten über die Planung bis hin zum fertigen Gerät sei "alles erfreulich unkompliziert, unbürokratisch und schnell gelaufen", berichtet Gekeler, dem man die Begeisterung über das Projekt regelrecht ansehen kann.

Die Vertreter der MTS berichten ebenfalls begeistert über die Kooperation mit der Hochschule. Reiner Schultheiss, Direktor für Forschung und Entwicklung lobt "den offenen Informationsaustausch, die Professionalität, die hohe Ingenieurkunst und die umfassenden Fachkenntnisse" des Hochschulteams.

"Professor Gekeler und sein Mitarbeiter Sebastian Franz hatten immer schnell eine Lösung parat, die das Gerät noch besser machte", sagt Schultheiss. Und Nikolaus Hopfenzitz, CEO der MTS, meint, das Projekt sei "das beste, das wir bisher gemeinsam mit einer Hochschule durchgeführt haben".

MTS und die Hochschule Konstanz profitieren auch personell von der Kooperation: viele Studenten absolvieren ihr Praxissemester bei MTS, das Unternehmen beschäftigt darüber hinaus etliche Absolventen.

Für die Patienten weltweit bedeutet die Neuentwicklung eine bessere und preiswertere Behandlung als bisher - nicht nur bei Nierensteinen.

Denn das Gerät kann auch auf anderen medizinischen Gebieten angewendet werden, etwa in der Orthopädie, bei der Heilung von Hautkrankheiten und offenen Wunden etwa infolge von Diabetes, Frakturen oder Verletzungen. In der Testphase ist derzeit auch der Einsatz bei Eingriffen am offenen Herzen. Reiner Schultheiss bezeichnet die Möglichkeiten des neuen Stoßwellentherapiegerätes als "revolutionär".

Kontakt:
Prof. Dr. Manfred Gekeler
Hochschule Konstanz (HTWG)
E-Mail: gekeler@htwg-konstanz.de

Dr. Adrian Ciupuliga | idw
Weitere Informationen:
http://www.htwg-konstanz.de

Weitere Berichte zu: MTS

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Wachkoma: System soll Patienten helfen, sich zu verständigen
24.05.2017 | Universität Bielefeld

nachricht Premiere einer verblüffenden Technik
23.05.2017 | Deutsches Herzzentrum Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten