Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zunahme von Schilddrüsenerkrankungen zu erwarten

17.04.2012
Nachdem in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte in der Jodversorgung der Bevölkerung in Deutschland gemacht wurden, zeichnet sich nun eine erneute Verschlechterung der Situation ab. Als Konsequenz ist eine Zunahme von Schilddrüsenerkrankungen zu erwarten, die Dank nuklearmedizinischer Diagnose- und Therapieverfahren aber in frühen Stadien erkannt und mit großem Erfolg behandelt werden können.
Deutschland galt lange als Jodmangelgebiet: Unsere Böden enthalten zu wenig dieses Spurenelements, so dass es in der tierischen und menschlichen Nahrung fehlte. Jod ist ein essentieller Nährstoff, der für den körpereigenen Aufbau von Schilddrüsenhormonen benötigt wird. Ein lang anhaltender Jodmangel führt zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen, indem sich die Schilddrüse krankhaft vergrößern kann.

In den vergangenen 20 Jahren hatte sich die Jodversorgung in Deutschland unter anderem durch entsprechende Aufklärungsmaßnahmen deutlich verbessert. Derzeit verwenden 75 bis 80 Prozent der Privathaushalte jodiertes Speisesalz, ein Produkt das auch bei der industriellen Herstellung von Lebensmitteln zunächst verstärkt eingesetzt wurde. Die Jodversorgung der deutschen Bevölkerung erreichte so im Jahr 2007 einen Stand, der die Weltgesundheitsorganisation dazu veranlasste, Deutschland von der Liste der Länder mit unzureichender Jodversorgung zu streichen.

Besonders im Bereich der Nahrungsmittel verarbeitenden Industrie nimmt die Verwendung von jodiertem Speisesalz inzwischen aber leider wieder kontinuierlich ab. Die Ursache liegt u.a. in der zunehmenden Internationalisierung der Lebensmittelindustrie. Großfirmen, die für den internationalen Markt produzieren, möchten ihre Produkte kostengünstig herstellen und sind dafür darauf angewiesen, identische Produkte für den gesamten Markt zu produzieren. Die einheitliche Verwendung von jodiertem Speisesalz ist für sie aufgrund der in den unterschiedlichen Ländern stark variierenden, gesetzlich empfohlenen Obergrenze der Jodaufnahme nicht möglich.

Infolgedessen werden die Produktionen zunehmend wieder auf die Verwendung von jodfreiem Salz umgestellt. Eine Initiative der Europäischen Union mit dem Ziel, den Salzgehalt in Lebensmitteln zur allgemeinen Verbesserung der Gesundheit zu senken, verstärkt das Problem noch. Als ungünstiger Nebeneffekt dieser grundsätzlich begrüßenswerten Initiative sinkt aber auch der Anteil an Jod, der in der Regel über das Speisesalz aufgenommen wird.

Somit ist eine Beeinträchtigung der Jodversorgung der Bevölkerung in Deutschland die unmittelbare Folge. Besonders bei jüngeren Frauen ist bereits eine Jodunterversorgung zu erkennen. Dies ist problematisch, da gerade während der Schwangerschaft und der Stillzeit ein deutlich erhöhter Bedarf an Jod sowohl für die Mutter wie auch das ungeborene Kind und das Neugeborene besteht. Datenerhebungen während der vergangenen drei Jahre lassen zum Teil wieder einen Rückgang der zuvor deutlich verbesserten Jodversorgung von Kindern erkennbar werden. Das Robert-Koch-Institut hat nun eine bundesweite repräsentative Erhebung der Jodversorgung in Deutschland bei Erwachsenen durchgeführt, die Daten werden mit Spannung im Sommer 2012 erwartet.

Als eine Konsequenz der nicht ausreichenden Jodversorgung in Deutschland wird eine Zunahme von Schilddrüsenvergrößerungen mit und ohne knotige Veränderungen (Kröpfe) erwartet. Langfristig ist bei einer Fortschreibung der geschilderten Entwicklung zudem von einer steigenden Zahl der so genannten „heißen Knoten“ und einer daraus resultierenden Schilddrüsenüberfunktionen auszugehen. Eine reduzierte Jodversorgung der Bevölkerung kann zudem zum verstärkten Auftreten verschiedener Formen des Schilddrüsenkrebses führen. Nuklearmedizinische Diagnose- und Therapieverfahren ermöglichen jedoch, diese gutartigen und bösartigen Schilddrüsenerkrankungen oft bereits in frühen Stadien zu erkennen und mit Erfolg bei geringen Nebenwirkungen zu behandeln. Mit Ausnahme der in Deutschland in internationalen Vergleich sehr hohen Rate an Operationen übernimmt die Nuklearmedizin hier wichtige Schritte bei Diagnose und Therapie. Dank des Einsatzes dieser nuklearmedizinischen Behandlungsverfahren lässt sich so beispielsweise die Sterblichkeit bei bösartigen Schilddrüsenerkrankungen drastisch senken: Mehr als 95 Prozent der betroffenen Patienten können durch entsprechende Behandlungen geheilt werden.
Die Erkrankungen der Schilddrüse bilden ein Schwerpunktthema auf der 50. Jahrestagung NuklearMedizin 2012 der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V. Diese findet vom 25. bis 28. April auf dem Gelände der Messe Bremen statt. In bewährter Weise bietet die Kombination aus Kongress, für den international renommierte Referenten gewonnen werden konnten, einem interaktiven Fortbildungsprogramm sowie der in Deutschland größten, branchenspezifischen Industrieausstellung eine ideale Plattform für wissenschaftlichen Austausch und Weiterbildung. Damit zählt die NuklearMedizin 2012 zu den international bedeutendsten und größten Tagungen für Nuklearmedizin. In diesem Jahr werden rund 2.000 Teilnehmer – Mediziner, Naturwissenschaftler, medizinisch-technisches Personal und auch Pflegekräfte – erwartet.

Sämtliche Informationen zur NuklearMedizin 2012 stehen auf der Kongresshomepage http://www.nuklearmedizin2012.de zur Verfügung. Dort ist auch die Presseakkreditierung zum Kongress möglich.
Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V.
Pressereferat, Stefanie Neu
Nikolaistraße 29, D-37073 Göttingen
Tel. 0551.48857-402, info@nuklearmedizin.de

Stefanie Neu | idw
Weitere Informationen:
http://www.nuklearmedizin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz im Kampf gegen Prostatakrebs entdeckt
24.05.2018 | Universität Bern

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics