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Wie ein Krimi: Rostocker forschen im Nanometerbereich

07.05.2015

Wissenschaftler der Unimedizin liefern Werkzeug zur Untersuchung von Zellstrukturen

Eine weite, graue Landschaft, durchzogen von Hügeln und Grasbüscheln: Dieses Bild offenbart sich Dr. Marcus Frank, wenn er auf seinen Computerbildschirm schaut. Als Leiter des Elektronenmikroskopischen Zentrums (EMZ) der Universitätsmedizin Rostock untersucht er Zellstrukturen unter extremer Vergrößerung. Jüngst beteiligte sich sein Team an einer Studie, in der Zellstrukturen untersucht wurden, die zu Erkrankungen der Atemwege führen können.


Zilienstrukturen, aufgenommen vom EMZ-Team bei 15 000-facher Vergrößerung. Wegen ihrer länglichen Gestalt werden die Zilien auch als „Härchen“ oder „Wimpern“ bezeichnet.


Dr. Marcus Frank am neuen Elektronenmikroskop, das seit Juni 2014 die Ausstattung des EMZ ergänzt.

Fotos: Unimedizin

Ursache für solche Krankheiten können Defekte in Zilien sein: „Winzige, bewegliche Fortsätze von Zellen, die in verschiedenen Geweben gebraucht werden“, erklärt Frank. „Wenn sie nicht richtig funktionieren oder zu wenige davon gebildet werden, kommt es zu gesundheitlichen Problemen.“

Auch in der Luftröhre und den Bronchien lassen sich Zilien finden. „Dort halten sie die Atemwege frei und sorgen dafür, dass Schleim und Rückstände abtransportiert werden können.“ Werden an dieser Stelle nicht ausreichend Zilien gebildet, leiden die Atemwege. Welche Mechanismen hierbei eine Rolle spielen, ist bisher kaum bekannt.

Mit der Studie unter Federführung des Universitätsklinikums Freiburg konnte jetzt mehr Licht in die graue Zilien-Landschaft gebracht werden. Während die Freiburger im Tiermodell molekulare Untersuchungen anstellen, beschäftigen sich die Rostocker im Elektronenmikroskop mit strukturellen Veränderungen in den Zellen.

„Sehr spannend“, sagt Frank begeistert. „Fast wie ein kleiner Krimi: Wir wissen, dass etwas passiert - aber warum? Das wollen wir herausfinden.“ Dazu hat das Team um Frank über Monate Zilien untersucht: aus Freiburg zugeschicktes Gewebe präpariert, auf kleine Plättchen übertragen und diese winzigen Strukturen unterm Mikroskop analysiert.

Seit letztem Jahr haben die Forscher der Unimedizin dafür ein besonderes Werkzeug zur Hand. Ein modernes Rasterelektronenmikroskop, mit dem hohe Auflösungen bis in den Nanometerbereich und darunter erzielt werden können. „Die Zilien sieht man am besten bei einer 15 000-fachen Vergrößerung“, sagt Frank. „Ein durchaus schöner Anblick.“

Als Ursache für das Wachstum der Zilien in den Zellen der Atemwege konnte ein bestimmtes Protein ausgemacht werden. „Es trägt dazu bei, dass genügend Zilien gebildet werden“, sagt Frank. „Fehlt es, werden daher auch zu wenige oder defekte Zilien produziert.“ Diese Erkenntnis bilde nun die Grundlage für weitere Untersuchungen, aus denen sich langfristig Aussagen zum Verlauf solcher genetisch bedingten Atemwegserkrankungen ergeben könnten.

Die Studie wurde im April im renommierten und international anerkannten Wissenschaftsmagazin „The EMBO Journal“ abgedruckt. Für die Rostocker Forscher ein besonderer Höhepunkt: Eine Aufnahme aus ihrem Rasterelektronenmikroskop, die hügelige Landschaft der Zilien-Struktur, erstreckt sich über die ganze Titelseite der Ausgabe - „eine Premiere für uns, auf die wir sehr stolz sind“, sagt Frank.


Ansprechpartner:
Dr. Marcus Frank
Arbeitsbereich Medizinische Biologie und Elektronenmikroskopisches Zentrum
Universitätsmedizin Rostock
Tel.: 0381/ 494 5850

Pressekontakt:
Kerstin Beckmann
Leiterin der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit/Marketing
Universitätsmedizin Rostock
Tel.: 0381/ 494 50 90
Fax: 0381/ 494 50 63
www.facebook.com/UnimedizinRostock

Ingrid Rieck | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

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