Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Wesen des Humors ergründen

11.12.2013
Wer über einen Witz lacht, hat im Gehirn während eines zweistufigen Prozesses zuerst einen Widerspruch ausgemacht – und ihn dann in Fröhlichkeit aufgelöst.

Die am Humorverständnis beteiligten Vorgänge im Hirn unterscheiden sich bei Jungen und bei Mädchen. Zu diesen Schlüssen gelangt ein vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützter Wissenschaftler in den USA.

Seit die Wissenschaft gezeigt hat, dass auch Tiere etwa in die Zukunft planen können, verschwindet der einst tiefe Graben zwischen den Hirnleistungen von Tier und Mensch zusehends. Zum Glück bleibt uns noch der Humor als Alleinstellungsmerkmal. Umso erstaunlicher, dass sich die Forschung bisher nur wenig damit (und viel mehr mit negativen Gefühlen wie etwa der Angst) befasst hat, schreiben der Schweizer Neurowissenschaftler Pascal Vrticka und seine US-amerikanischen Kolleginnen und Kollegen von der Universität Stanford in der Fachzeitschrift "Nature Reviews Neuroscience".

Eigenartiges fröhliches Gefühl
In ihrem soeben veröffentlichten Beitrag (*) legen die Forschenden dar, dass das Lachen über einen Witz zwar die Leistung vieler verschiedener Hirnareale voraussetzt. Trotzdem lassen sich in den komplexen Aktivitätsmustern zwei unterschiedliche Elemente ausmachen: In einem ersten Schritt spürt das Gehirn eine logische Unvereinbarkeit auf, die es in einem zweiten Schritt auflöst. Das dabei entstehende fröhliche Gefühl entspringt einer Hirntätigkeit, die sich klar von denjenigen anderer positiver Regungen unterscheidet.

Mehr noch: In ihrer Studie an 22 Kindern im Alter von sechs bis 13 Jahren haben die Forschenden um Vrticka nachgewiesen, dass sich schon früh im Leben geschlechtsspezifische Unterschiede in der Humorverarbeitung ausbilden. Sie haben die Hirnaktivität der Kinder aufgezeichnet, während sich diese lustige – etwa Ausschnitte aus einer "Pannenshow" – oder unterhaltsame Filmchen – etwa Kinder beim Breakdancen – zu Gemüte führten. Im Schnitt reagierte das Gehirn der Mädchen mehr auf die lustigen Szenen, dasjenige der Jungen mehr auf die unterhaltsamen Szenen.

Helfendes besseres Verständnis
Vrticka spekuliert, dass diese Geschlechtsunterschiede später im Leben Frauen bei der Wahl eines geeigneten (und humorvollen) Partners unterstützen könnten. Doch abgesehen davon spielt der Humor auch für das psychische Wohlergehen eine wichtige Rolle. Das zeigt sich unter anderem darin, dass Erwachsene mit psychischen Störungen – etwa Autismus oder Depression – oft eine veränderte Humorverarbeitung aufweisen und schwächer auf Humor reagieren als Leute ohne Störungen. Ein besseres Verständnis dessen, was in unserem Hirn abläuft, wenn wir uns über einen gelungenen Witz amüsieren, könnte von grossem therapeutischen Nutzen sein, ist Vrticka überzeugt.
(*) Pascal Vrticka, Jessica M. Black and Allan L. Reiss (2013). The Neural Basis of Humor Processing. Nature Reviews Neuroscience, online. doi:10.1038/nrn3566

(Für Medienvertreter als PDF-Datei beim SNF erhältlich: com@snf.ch)

Videos
Zur Illustration finden Sie auf der Webseite drei kurze Videoclips, die von Pascal Vrticka und seinem Team verwendet wurden. Das Urheberrecht dieser Filme liegt bei Vin Di Bona Productions. Wenn Sie die Filme im Zusammenhang mit Ihrem Artikel verwenden möchten, sind Sie verpflichtet, auf Ihrer Webseite folgendes Statement zu publizieren: „Zur Verfügung gestellt von Vin Di Bona Productions und ‘America’s Funniest Home Videos.“ Achten Sie darauf, dass die Videoclips nur online angesehen werden können und dass sie weder eingebettet noch heruntergeladen werden können. Danke.
Kontakt
Dr. Pascal Vrticka
Center for Interdisciplinary Brain Sciences Research (CIBSR)
School of Medicine, Stanford University
Stanford, CA 94305, USA
E-Mail: pvrticka@stanford.edu

Medien - Abteilung Kommunikation | idw
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch

Weitere Berichte zu: Humor Humorverarbeitung Nature Immunology Videoclip

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften