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Auf dem Weg zu neuen Ansätzen in der Diabetes-Forschung

19.03.2009
Forschungsgruppe um Anatom Professor Peschke erhält umfassende Förderung

Wissenschaftler auf der ganzen Welt suchen nach neuen Behandlungsmethoden des Diabetes mellitus. Denn immer mehr Menschen sind von dieser - in vielen Fällen - Wohlstandskrankheit betroffen, allein in Deutschland sind es nahezu acht Millionen Patienten.

Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg um Professor Dr. Elmar Peschke (Institut für Anatomie und Zellbiologie) haben einen neuen Ansatz gefunden, der möglicherweise in eine neue Therapieform münden kann. Die Wissenschaftler entdeckten unter anderem, dass bei Diabetikern im Vergleich zum Stoffwechsel-Gesunden das Hormon Melatonin deutlich verringert im Blut zu finden ist.

Da Melatonin einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Insulinproduktion nimmt, sieht Professor Peschke in diesen Erkenntnissen einen neuen Ansatz für weitere wissenschaftliche Untersuchungen, die dann in eine neue Therapie des Diabetes münden könnten. In Zellexperimenten konnten die Wissenschaftler belegen, dass Melatonin die stimulierte Insulinsekretion hemmt.

Melatonin ist ein Hormon, welches vor allem in der Zirbeldrüse im Zwischenhirn gebildet wird und den Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen maßgeblich beeinflusst. Die Melatoninkonzentration ist nachts am höchsten. Jetlag und Schichtarbeit sind mit gestörter Synthese und Ausschüttung von Melatonin verbunden. Ein zu niedriger Melatoninspiegel kann zu Schlafstörungen führen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Melatoninproduktion ab. Die Arbeitsgruppe um Professor Peschke fand heraus, dass die Insulin-produzierenden beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse Melatoninrezeptoren aufweisen, die möglicherweise auf die tagesrhythmische Insulinproduktion Einfluss nehmen. Der enge funktionelle Zusammenhang zwischen Insulin und Melatonin sowie die wechselseitige Beeinflussung gehört zu den wichtigsten Ergebnissen der Arbeitsgruppe und begründet die Hoffnung, dass sich perspektivisch aus dieser Kenntnis Therapiestrategien ergeben könnten.

Das Langzeitforschungsprojekt der Arbeitsgruppe Peschke „Zeitstrukturen endokriner Systeme“ wird, um die ergebnisreiche Forschung fortsetzen zu können, von der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig auch in den kommenden fast vier Jahren gefördert. Das ist das Ergebnis einer soeben erfolgten Evaluierung durch eine externe Kommission, die das Projekt positiv begutachtet und der Union der Akademien Deutschlands zur Weiterführung empfohlen hat. Der Evaluierungskommission konnten 48 Publikationen und 71 Kurzpublikationen sowie 3 Endokrinologie-Bände vorgelegt werden, die im Rahmen der Projektarbeit entstanden sind. Projektbegleitend wurden ferner 42 Kolloquien mit internationaler Beteiligung durchgeführt, die gemeinsam von der halleschen Universität mit der Sächsischen Akademie veranstaltet wurden und der Öffentlichkeit zugänglich waren.

Bereits seit dem Jahr 2000 unterstützt die Sächsische Akademie, die Landesakademie für die Länder Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen ist, die Projektarbeit. Geldgeber sind je zur Hälfte der Bund und das Land Sachsen-Anhalt. Ingesamt werden etwa zwei Millionen Euro an Fördergeldern ausgereicht, davon etwa 600.000 Euro in den kommenden Jahren bis Ende 2012. Von den Fördergeldern werden zwei Wissenschaftler und eine technische Mitarbeiterin sowie Verbrauchsmaterialien bezahlt.

Professor Peschke freut sich über die positive Begutachtung und die Fortsetzung der Förderung: „Wir sehen darin eine Anerkennung unserer wissenschaftlichen Arbeit und sehen uns bestärkt, unsere wissenschaftlichen Ansätze weiter zu verfolgen.“ Mittlerweile knüpfen zahlreiche Forschergruppen, unter anderem in den Vereinigten Staaten und in Schweden, an die in Halle erzielten Ergebnisse an. In zahlreichen wissenschaftlichen Beiträgen, unter anderem in „Nature genetics“, wird auf die halleschen Erkenntnisse Bezug genommen.

Perspektivisch wollen die halleschen Forscher vorrangig klären, durch welche Mechanismen der gestörte Melatoninhaushalt auf die Diabetogenese Einfluss nimmt. Von einer klinischen Anwendung der Erkenntnisse am Patienten ist die Wissenschaft allerdings noch weit entfernt. „Viel Forschungsarbeit“, sagt Professor Peschke, „liegt noch vor uns.“

Jens Müller | Universitätsklinikum Halle
Weitere Informationen:
http://www.uni-halle.de

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