Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vorhofflimmern: Neue Technik verhindert Schlaganfälle

28.11.2011
Vorhofohrverschluss erstmals am Bergmannsheil durchgeführt

Vorhofflimmern, eine sehr verbreitete Herzrhythmus-Störung, kann gefährliche Folgen haben. Weil es die Bildung von Blutgerinnseln fördert, führt es schlimmstenfalls zum Schlaganfall. Ein neues Verfahren, das jetzt erstmals am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil angewandt wurde, verringert das Risiko einer Gerinnselbildung im Herzen erheblich.


Mit einem solchen Ballon, aufgespannt auf ein Drahtgeflecht, wird das linke Vorhofohr verschlossen. Bild: V. Daum / Bergmannsheil

Dabei wird eine kleine Tasche im linken Vorhof des Herzens, das sogenannte linke Vorhofohr, mit einem Ballon verschlossen: Denn darin entstehen besonders häufig die gefährlichen Gerinnsel. Schlaganfälle können auf diese Weise vermieden werden. Die Kardiologische Klinik des Bergmannsheil (Direktor: Prof. Dr. Andreas Mügge) hat dieses Verfahren erstmals am 28. Oktober 2011 durchgeführt – ein Novum in der Region des mittleren und östlichen Ruhrgebietes.

Medikamente zur Schlaganfallvorbeugung: Nicht für alle Patienten geeignet

Schätzungen zufolge leiden mehr als eine Million Menschen in Deutschland unter Vorhofflimmern. Dabei treten unkontrollierte elektrische Impulse auf, die den normalen Herzrhythmus stören. Ein zu schneller oder unregelmäßiger Herzschlag ist die Folge. Weil dadurch der Blutfluss gestört wird, kann das Blut leichter verklumpen: Es bilden sich Gerinnsel. Werden solche Blutpfropfen über die Gefäße ins Gehirn transportiert und führen sie dort zu Gefäßverschlüssen, kann es zum Schlaganfall kommen. Medikamente können zwar die Blutgerinnung reduzieren und damit die Gerinnselbildung verhindern. Jedoch erfordert die Behandlung eine sehr präzise Dosierung und ständige Blutkontrollen. Außerdem wird die medikamentöse Behandlung nicht von allen Patienten vertragen, weil sie teils erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringt oder gefährliche Blutungen auslösen kann. „Unglücklicherweise haben diese Patienten sehr häufig auch ein hohes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden“, erklärt Prof. Mügge. „Bisher befanden sie sich deshalb in einer nicht lösbaren Zwickmühle.“

Vorhofohr wird mit Kathetertechnik verschlossen

Für diese Patienten ist die neuartige Technik gedacht: der Vorhofohrverschluss. Das Behandlungsteam der Kardiologischen Klinik mit dem Leitenden Oberarzt Dr. Thomas Lawo und Assistenzarzt Dr. Leif Bösche hat diesen Eingriff erstmals an zwei Patienten durchgeführt. Hierbei wird ein spezieller Katheter in die rechte Leistenvene des Patienten eingeführt und bis ins Herzinnere vorgeschoben. Im linken Vorhofohr des Herzens wird mittels des Katheters ein Drahtgeflecht mit einem kleinen Ballon platziert und dort aufgespannt. Weil das Vorhofohr für die Herzfunktion ohne Bedeutung ist, kann es bedenkenlos verschlossen werden.

Neue Therapieoption in schwierigen Behandlungssituationen

Der Eingriff dauert etwa 60 Minuten, eine Vollnarkose ist nicht erforderlich. Innerhalb der nächsten vier bis sechs Wochen wächst der Ballon durch körpereigene Zellen ein. Zukünftig können im linken Vorhofohr faktisch keine Blutgerinnsel mehr entstehen. Das Risiko eines Schlaganfalls wird somit deutlich reduziert und die Einnahme von blutgerinnungshemmenden Medikamenten ist nicht mehr erforderlich. Dabei gelingt der Eingriff grundsätzlich bei mehr als 90 Prozent der behandelten Patienten. „Ab sofort können wir diese neue Technik unseren Patienten anbieten“, sagt Prof. Mügge. „Sie ist ein wichtiger Schritt, um auch Patienten mit einem hohen Schlaganfallriskio einerseits und einem hohen Blutungsrisiko andererseits helfen zu können.“

Über das Bergmannsheil

Das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum Bergmannsheil repräsentiert den Strukturwandel im Ruhrgebiet wie kein anderes Krankenhaus: 1890 als erste Unfallklinik der Welt zur Versorgung von verunglückten Bergleuten gegründet, zählt es heute zu den modernsten und leistungsfähigsten Akutkliniken der Maximalversorgung und gehört zum Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum (UK RUB). In 22 Kliniken und Fachabteilungen mit insgesamt 622 Betten werden jährlich rund 19.000 Patienten stationär und ca. 60.000 ambulant behandelt. Mehr als die Hälfte der Patienten kommen aus dem überregionalen Einzugsbereich. Weitere Informationen im Internet unter: www.bergmannsheil.de.

Weitere Informationen:

Dr. Leif Bösche
Medizinische Klinik II – Klinik für Kardiologie und Angiologie
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel.: 0234/302-3234
E-Mail: leif.boesche@bergmannsheil.de

Robin Jopp | idw
Weitere Informationen:
http://www.bergmannsheil.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie