Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vorhofflimmern frühzeitig erkennen und behandeln - AFNET unterstützt Herzrhythmuswoche 2012

21.05.2012
Herzrasen, Unruhe, Atemnot – so kann sich Vorhofflimmern bemerkbar machen.

Immer mehr hauptsächlich ältere Menschen leiden an dieser häufigsten Herzrhythmusstörung. Vorhofflimmern kann zu schweren Komplikationen wie Schlaganfällen führen. Wird es rechtzeitig erkannt und behandelt, lassen sich die schlimmen Folgen in vielen Fällen verhindern. Ärzte und Wissenschaftler aus dem Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) nehmen deshalb die heute beginnende Herzrhythmuswoche zum Anlass, um auf Vorhofflimmern und die damit verbundenen Risiken aufmerksam zu machen.

Volkskrankheit mit gefährlichen Folgen

Rund eine Million Menschen in Deutschland sind von der „neuen Epidemie der Herzkreislauferkrankungen“, wie Experten Vorhofflimmern auch nennen, betroffen. Diese Zahl wird sich in den kommenden 30 Jahren voraussichtlich noch verdoppeln. Vermutlich wird jeder Vierte der heute 40-jährigen irgendwann in seinem Leben an Vorhofflimmern erkranken.

Vorhofflimmern ist zwar nicht unmittelbar lebensbedrohlich, aber deshalb keineswegs harmlos. Gefährlich sind vor allem die Komplikationen, insbesondere Schlaganfälle, die durch Vorhofflimmern verursacht werden können. Durch die Rhythmusstörung ist die Pumpfunktion in den Herzvorhöfen eingeschränkt, so dass sich dort Blutgerinnsel bilden können. Wird ein solches Gerinnsel mit dem Blutstrom ins Gehirn gespült, kann es dort ein Gefäß verstopfen und einen Schlaganfall auslösen. Rund ein Fünftel aller Schlaganfälle wird durch Vorhofflimmern verursacht, wobei diese Schlaganfälle meist besonders schwer sind. Um solche Folgeschäden zu verhindern, darf Vorhofflimmern in der Regel nicht unbehandelt bleiben.

Die Rhythmusstörung rechtzeitig erkennen

Entscheidend ist, dass die Rhythmusstörung frühzeitig erkannt und behandelt wird. Dies ist nicht immer einfach, denn Vorhofflimmern tritt bei vielen Patienten anfallsartig auf. Während einer solchen Vorhofflimmer-Episode kann der Arzt die Rhythmusstörung im EKG zweifelsfrei diagnostizieren, aber in der Zeit zwischen den Anfällen erscheint auch im EKG alles normal. Deshalb können oft nur Langzeit-EKG-Registrierungen weiterhelfen. Wichtig ist aber auch, dass der Betroffene selbst wachsam auf sein Herz achtet und zum Arzt geht, wenn etwas nicht in Ordnung scheint, zum Beispiel dann, wenn das Herz zu schnell oder unregelmäßig schlägt.

Die diesjährige Herzrhythmuswoche steht deshalb unter dem Motto „Dein Herz in deinen Händen“. In diesem Zusammenhang wurde eine Herzrhythmus-Checkliste entwickelt, ein Fragebogen, den der Betroffene ausfüllt und mit zum Arzt nimmt. Auf diese Weise soll der Arzt Informationen erhalten, die ihm das Erkennen einer Herzrhythmusstörung erleichtern. Das Kompetenznetz Vorhofflimmern unterstützt diese Kampagne und bietet den Fragebogen auf seiner Website http://www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de zum Download an.

Wie entsteht Vorhofflimmern – Risikofaktoren

Die Ursachen für Vorhofflimmern sind vielfältig und noch längst nicht vollständig erforscht. Allerdings kennt man eine Reihe von Risikofaktoren, die das Entstehen von Vorhofflimmern begünstigen. Dazu gehören vor allem Bluthochdruck, Herzklappenfehler, Diabetes und koronare Herzkrankheit. Diese Krankheiten müssen auf jeden Fall behandelt werden. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Vorhofflimmern zu erkranken. Männer sind häufiger betroffen als Frauen, aber Frauen haben, wenn sie betroffen sind, ein höheres Schlaganfallrisiko. Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle, d.h. Vorhofflimmern ist zum Teil auch erblich. Neuerdings hat sich herausgestellt, dass Übergewicht, übermäßiger Alkoholkonsum, Rauchen und auch exzessiver Ausdauersport ebenfalls zum Entstehen von Vorhofflimmern beitragen können.

Wie wird Vorhofflimmern behandelt – Altbewährtes und neue Ansätze

Um das Schlaganfallrisiko zu verringern, ist in der Regel eine Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten notwendig. Neben dem seit langem erfolgreich eingesetzten Marcumar stehen dafür inzwischen auch andere neue Wirkstoffe wie Dabigatran und Rivaroxaban zur Verfügung. In klinischen Studien haben sich diese neuen Gerinnungshemmer als sehr wirksam und sicher erwiesen, aber ihr Einsatz im Alltag wurde noch nicht genügend untersucht. Eine besonders sorgfältige Überwachung ist daher erforderlich.

Da Vorhofflimmern oft mit einem zu schnellen Herzschlag einhergeht, sind in den meisten Fällen Medikamente nötig, die die Herzfrequenz regulieren, das heißt dafür sorgen, dass der Ruhepuls nicht höher als 100 Schläge pro Minute steigt, damit es nicht zu einer Schädigung des Herzmuskels kommt. Diese Maßnahmen beseitigen zwar nicht das Vorhofflimmern selbst, aber verhindern dessen gefährliche Folgen. Bei vielen Patienten ist daher keine weitere Therapie notwendig.

Zusätzlich zur Gerinnungshemmung und Frequenzregulierung gibt es antiarrhythmische Medikamente, die zumindest für eine gewisse Zeit den normalen Herzrhythmus wieder herstellen können. Auch eine Katheterablation – eine Behandlung, bei der die erkrankten Stellen im Herzinneren mit einem Herzkatheter verödet werden – kann das Vorhofflimmern beseitigen. Allerdings sind die Rhythmusmedikamente und auch die Ablation nicht in jedem Fall erfolgreich, und es können Nebenwirkungen bzw. Komplikationen auftreten. Eine rhythmuserhaltende Behandlung wird deshalb in den aktuellen Behandlungsleitlinien nicht in jedem Fall empfohlen, sondern nur dann, wenn das Vorhofflimmern mit sehr belastenden Beschwerden einhergeht.

Die Statistik zeigt allerdings: selbst wenn die gerinnungshemmende Behandlung optimal angewandt wird, ist das Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmerpatienten trotzdem erhöht. Manche Experten halten deshalb frühzeitige rhythmuserhaltende Maßnahmen für empfehlenswert, um das Behandlungsergebnis zu verbessern. Das Kompetenznetz Vorhofflimmern führt zurzeit eine große internationale klinische Studie durch, die untersucht, ob eine frühe, umfassende rhythmuserhaltende Behandlung besser geeignet ist, Komplikationen wie Schlaganfall oder Tod zu verhindern, als die übliche Behandlung.

Die Weltherzrhythmuswoche

Ausgehend von einer britischen Initiative wird seit 2004 alljährlich im Mai oder Juni die Weltherzrhythmuswoche ausgerufen, um Rhythmusstörungen stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Das Kompetenznetz Vorhofflimmern unterstützt diese internationale Informationskampagne.

http://www.heartrhythmcharity.org.uk

Das Kompetenznetz Vorhofflimmern

Das Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) ist ein interdisziplinäres bundesweites Forschungsnetz, in dem Wissenschaftler und Ärzte aus Kliniken und Praxen zusammenarbeiten. Ziel der Forschungsprojekte, klinischen Studien und Register, die im Kompetenznetz Vorhofflimmern durchgeführt werden, ist es, die Behandlung und Versorgung von Vorhofflimmerpatienten zu verbessern. Das Netzwerk besteht seit 2003 und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Die Zentrale befindet sich am Universitätsklinikum Münster.

http://www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de

Adresse:
Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET)
Netzwerkzentrale am Universitätsklinikum Münster
Albert-Schweitzer-Campus 1, Gebäude D11
Domagkstraße 11
48149 Münster
Tel: 0251-83-45341
Fax: 0251-83-45343
info@kompetenznetz-vorhofflimmern.de
Vorstand:
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Günter Breithardt, Münster
Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Hamburg
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Ursula Ravens, Dresden
Prof. Dr. med. Gerd Steinbeck, München
Pressekontakt:
Dr. Angelika Leute
Tel: 0251-83-57113
angelika.leute@ukmuenster.de

Dr. Angelika Leute | idw
Weitere Informationen:
http://www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de/
http://www.heartrhythmcharity.org.uk/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schwere Infektionen bei Kindern auch in der Schweiz verbreitet
26.07.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Latest News

CCNY physicists master unexplored electron property

26.07.2017 | Physics and Astronomy

Molecular microscopy illuminates molecular motor motion

26.07.2017 | Life Sciences

Large-Mouthed Fish Was Top Predator After Mass Extinction

26.07.2017 | Earth Sciences