Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vielfältige Haptik

11.06.2014

Das am Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung angesiedelte Haptik-Forschungslabor der Universität Leipzig hat in jüngster Zeit gleich mehrere Fachbeiträge veröffentlicht. Darin geht es um spontane Gesichtsberührungen, notwendige Bewegungspausen beim Erfassen von Objekten und den anhaltend guten Tastsinn von Physiotherapeuten. Kurze Zusammenfassungen stehen im nachfolgenden Text, ausführliche Versionen mit Quellverweisen unter den weiterführenden Informationen.

Ausgleichende Selbstberührungen

Die Wissenschaftler des Haptik-Forschungslabors haben die hirnelektrische Aktivität kurz vor und nach spontanen, gesichtsbezogenen Selbstberührung analysiert. Dabei stellte sich heraus, dass kurz danach die Hirnaktivität wieder anzieht. Mit spontan ausgeführten und damit meist unbewussten Berührungen im Gesicht gleicht der menschliche Organismus also kurzfristig geistige und auch emotionale Überlastungen aus.

Dabei handelt es sich um einen komplexen, aber effektiven Mechanismus zur Selbstregulation, um sowohl Störungen bei der Informationsverarbeitung als auch emotionale Schwankungen schnell auszubalancieren.
Bewegungspausen bei der Objekterfassung

Um die Informationsflut besser bewältigen zu können, legen menschliche Finger beim Abtasten von Objekten Bewegungspausen im Millisekunden Bereich ein. Abtastende Finger auf einer Objektoberfläche verhalten sich demnach genau so wie Augen, die ein Objekt erfassen. Damit hat das Leipziger Haptik-Labor den Nachweis geführt, dass das visuelle und haptische System bei Wahrnehmungsprozessen nach den gleichen Prinzipien arbeiten.

Sensible Physiotherapeuten

Wird der Tastsinn intensiv genutzt oder trainiert, kann nachweislich der altersbedingten Verschlechterung der Wahrnehmungsfähigkeit entgegengewirkt werden. Das haben Vergleiche der Fingerspitzensensibilität bei Physiotherapeuten und Osteopathen mit anderen Berufsgruppen gezeigt. Die Grenze der aktiven Wahrnehmung wies bei ersteren bis ins 50. Lebensjahr keine übliche altersbedingte Verschlechterung auf.
Das Haptik-Forschungslabor an der Universität Leipzig wurde 1996 von PD Dr. Martin Grunwald gegründet.

Seine Zielsetzung ist die neurobiologische Analyse der verschiedenen Funktionen des menschlichen Tastsinnessystems und seiner Störungen im Rahmen psychiatrischer und neurologischer Erkrankungen. Zu letzteren zählen beispielsweise Essstörungen, krankhafte Fettleibigkeit, Alzheimer-Demenz und Parkinson.

Das Haptik-Labor entwickelt Test- und Trainingssysteme für die Messung von Tastsinnesleistungen bei verschiedenen Berufsgruppen. Darüber hinaus berät und forscht es seit seiner Gründung für verschiedene Industriebereiche zur Optimierung haptischer Produkteigenschaften und haptischer Marketingstrategien.

Das Tastsinnessystem ist kein singuläres Wahrnehmungssystem, sondern ein evolutionäres Grundprinzip ohne das kein Organismus existieren könnte. Solange diese perzeptiven und kognitiven Funktionen nicht verstanden sind, wird das menschliche Gesamtsystem nicht erklärbar sein, sagt Grunwald. "Die Haptik als wissenschaftliches Fachgebiet kann dabei nur als interdisziplinäres Vorhaben der Technik- und Lebenswissenschaften erfolgreich sein."

Weitere Informationen:

Dr. Martin Grunwald
Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung / Haptik-Forschungslabor
Telefon: +49 341 97-24502
E-Mail: mgrun@medizin.uni-leipzig.de
Web: http://www.uni-leipzig.de/~eeglabor

Diana Smikalla | Universität Leipzig

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neues Hydrogel verbessert die Wundheilung
25.04.2017 | Universität Leipzig

nachricht Konfetti im Gehirn: Steuerung wichtiger Immunzellen bei Hirnkrankheiten geklärt
24.04.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen