Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Urologen erwarten mehr Tumorerkrankungen und sinkende Mortalitätsraten

08.03.2010
Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. bezieht Stellung zur jüngsten Krebsstatistik des Robert Koch-Instituts

In diesem Jahr werden Urologen bei mehr als 116.000 Menschen in Deutschland die Diagnose Krebs stellen. Diese Prognose geht aus Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin hervor. In seiner neuen "Krebs in Deutschland"-Broschüre hat das Institut Krebsregisterdaten von 1980 bis 2006 ausgewertet und hochgerechnet.

Danach wird in diesem Jahr zwar bei gut sechs Prozent mehr Menschen als noch 2006 ein bösartiger urologischer Tumor entdeckt werden. Gleichzeitig sinken die Mortalitätsraten von Prostata-, Hoden-, Nieren-, Harnleiter- und Blasenkrebs weiterhin leicht.

Mindestens jede vierte aller Krebsneuerkrankungen wird als urologischer Tumor lokalisiert. 2006 waren es nach Berechnung des RKI rund 109.000 der insgesamt 426.000 Neuerkrankungen. "Die Entwicklung beim Prostatakrebs ist, bei rückläufigen Sterberaten, durch einen erheblichen Anstieg der alterstandardisierten Erkrankungsraten gekennzeichnet", so das RKI zur häufigsten Krebsart beim Mann. Trotz steigender Erkrankungsraten sank die Mortalitätsrate bei Tumoren der Prostata auf 10 Prozent aller Krebssterbefälle. Die altersstandardisierte Sterberate ist laut RKI gegenüber 1980 um 20 Prozent gefallen.

Darin sieht Professor Dr. Michael Stöckle, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), denn auch den Erfolg der Urologen: "Obwohl die Sterblichkeitsrate beim Prostatakarzinom allein aufgrund der demografischen Entwicklung hätte steigen müssen, ist sie gesunken. Durch die Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) ist die Zahl frühzeitig entdeckter Karzinome deutlich angestiegen, und entsprechend frühzeitig eingeleitete therapeutische Maßnahmen konnten gut greifen. Dass damit zwar auch das Risiko einer Überdiagnostik und Übertherapie einhergeht, ist uns Urologen bewusst. Daher werden die Strategien für Diagnostik und Behandlung immer mehr verfeinert. Das zeigt sich deutlich in unserer neuen Prostatakrebs-Leitlinie."

Häufigere Früherkennung und die Fortentwicklung der therapeutischen Möglichkeiten haben auch dazu beigetragen, dass sich die Quote der Patienten, die nach der Krebsdiagnose noch mindestens fünf Jahre leben, insgesamt erheblich verbessert hat. Bei Prostatakrebs liegt diese so genannte relative 5-Jahres-Überlebensrate laut RKI inzwischen bei rund 90 Prozent. Die Entdeckung eines Karzinoms mündet längst nicht mehr unweigerlich in einem baldigen operativen Eingriff, wie DGU-Generalsekretär Stöckle erläutert. "Die Therapie wird kontinuierlich individualisiert. Das bezieht sich nicht ausschließlich auf das Stadium der Erkrankung, sondern bei der Festlegung auf therapeutische Optionen werden nach ausführlicher Beratung auch persönliche oder familiäre Befindlichkeiten und Wünsche des Patienten stärker berücksichtigt", so der Direktor der Urologie am Universitätsklinikum des Saarlandes weiter.

In der neuen ärztlichen Prostatakrebs-Leitlinie ist der aktuelle Kenntnisstand über Früherkennung, Diagnose und Therapie des Prostatatumors in seinen verschiedenen Stadien zusammengefasst. Stöckle: "Hier wird auch klar beschrieben, bei welchen Patienten beispielsweise lediglich eine aktive Beobachtung genügt, statt sie gleich aggressiv zu therapieren."

Die jährliche Zahl der Neubefunde für Prostatakrebs stieg laut RKI für 2006 auf 60.100 Fälle. Dies ist außer auf Früherkennung und neue Methoden der Diagnostik besonders auch auf die demografische Entwicklung zurückzuführen. Der Anteil älterer Männer an der Gesamtbevölkerung ist deutlich gestiegen. Jedoch steigt mit höherem Lebensalter das Risiko deutlich, an Krebs zu erkranken.

Zu den häufigsten weiteren urologischen Tumoren zählt der Blasenkrebs mit 27.450 Neuerkrankungen im Jahr 2006. Mehrheitlich Männer erkranken an dieser Krebsart, für die das durchschnittliche Erkrankungsalter mit deutlich über 70 Jahren relativ hoch liegt. Solange ein Blasenkarzinom noch nicht auf Lymphknoten abgesiedelt ist, hat das RKI bei Männern eine 5-Jahres-Überlebensrate von 75 Prozent ermittelt. Die Sterbehäufigkeit bei Männern ist seit etwa zehn Jahren rückläufig, bei Frauen stagnierend.

In die 16.490 Nierenkrebs-Neuerkrankungen des Jahres 2006 haben die RKI-Statistiker Nierenbecken- und Harnleiterkrebs mit einbezogen, die etwa zehn Prozent der Fälle ausmachten. Die Häufigkeit der Erkrankung hat sich gegenüber 2004 nicht wesentlich verändert, gleiches gilt jedoch auch für die Häufigkeit, mit der Nierenkrebs zur Todesursache wird. Bei Männern geht weiterhin jeder sechste Krebstodesfall auf Nierentumoren zurück, bei Frauen 2006 jeder neunte.

Deutlich besser sieht es für Männer mit Hodenkrebs (2006: 4960 Neuerkrankungen) aus. Die meisten Fälle treten in einem Patientenalter zwischen 25 und 45 Jahren auf. Die ohnehin geringe Mortalitätsquote ist weiter abnehmend, und die relative 5-Jahres-Überlebensrate liegt höher als 95 Prozent.

Die Broschüre "Krebs in Deutschland", die das Robert Koch-Institut alle zwei Jahre gemeinsam mit der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e. V. (Lübeck) herausgibt, ist Ende Februar in der 7. Ausgabe veröffentlicht worden. Darin werden auf 120 Seiten für 21 Krebsarten, differenziert nach Geschlecht und Alter der Patienten, neben Erkrankungshäufigkeit und Sterblichkeit auch die wichtigsten Risikofaktoren sowie erstmals eine Projektion der Schätzungen auf das Veröffentlichungsjahr dargestellt. Die Broschüre ist im Internet unter www.rki.de/nn_227180/DE/Content/GBE/gbe__node.html zu finden.

Weitere Informationen:
DGU-Pressestelle
Bettina-Cathrin Wahlers
Sabine Martina Glimm
Stremelkamp 17, 21149 Hamburg
Tel.: (040) 79 14 05 60
Fax: (040) 79 12 00 27
Mobil: 0170 48 27 287
Mail: info@wahlers-pr.de

Bettina-Cathrin Wahlers | idw
Weitere Informationen:
http://www.urologenportal.de
http://www.rki.de/nn_227180/DE/Content/GBE/gbe__node.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise