Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unerwünschte Mitbewohner im Magen – Die Geschichte des Helicobacter pylori

20.09.2013
Das Bakterium Helicobacter pylori besiedelt den Magen von Menschen und steht unter Verdacht, dort chronische Magenschleimhautentzündungen oder gar Magengeschwüre zu verursachen. Meist verläuft eine Infektion allerdings ohne Symptome.

Ein internationales Forscherteam um Yoshan Moodley vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat herausgefunden, dass das Volk der Baka Pygmäen in Kamerun viel seltener von einer H.pylori-Infektion betroffen ist als Menschen im globalen Durchschnitt. Die Resultate veröffentlichten die Forscher aktuell im Journal PLOS Genetics.

Das Verdauungssystem aller Tiere arbeitet in enger Beziehung mit Bakterien. Menschen sind da keine Ausnahme. Der Magen und Darm bieten die perfekte Umgebung für eine Vielzahl von einzelligen Organismen, die meist positive, in einigen Fällen jedoch auch schädliche, Wirkung auf den Gesamtorganismus haben.

Ein urzeitlicher Kolonist

H. pylori wurde vor etwa 30 Jahren entdeckt. Wissenschafter fanden seitdem heraus, dass es seinen Ursprung in Afrika hatte und schon vor Urzeiten Mitglieder der San, einem Volk von Jägern und Sammlern im südlichen Afrika, befiel. Im Zuge der Völkerwanderungen breitete sich die Infektion nach und nach gemeinsam mit den Menschen auf alle Kontinente aus. Mittlerweile besiedelt das Bakterium 50 Prozent der menschlichen Mägen weltweit und ist somit die weitverbreitetste bakterielle Infektion unserer Spezies. Die Forscher nahmen aufgrund dieser uralten Verbindung zwichen H. pylori und dem Menschen an, dass auch andere Gemeinschaften von Jägern und Sammlern in Afrika alte und individuelle Populationen von H.pylori beherbergen. Diese Annahme überprüfte ein internationales Team von Wissenschaftern unter der Koordination von Yoshan Moodley von der Vetmeduni Vienna.

Pygmäen sind selten von H.pylori Infektionen betroffen

Die Forscher untersuchten Magenbiopsien von Baka Pygmäen und Mitgliedern benachbarter landwirtschaftlicher Gemeinden im südöstlichen Kamerun. Die Proben wurden an der Medizinischen Hochschule Hannover untersucht. Überraschenderweise waren nur 20 Prozent der Baka Pygmäen von einer Infektion mit H.pylori betroffen, während dies bei benachbarten Völkern nur zu 80 Prozent der Fall war. Außerdem zeigten DNA Analysen, dass die Baka Pygmäen keine speziellen Stämme von H.pylori in sich tragen. Stattdessen sind die identifizierten Keime denen anderer, weiter verbreiteter afrikanischer Völker, ähnlich.

Bakterienstämme verschwinden rascher in kleinen Menschenpopulationen

„Wir waren auf der Suche nach uralten Bakterienstämmen in den Pygmäen und fanden stattdessen heraus, dass kleine Populationsgrößen und eine niedrige Lebenserwartung bei den Pygmäen zum natürlichen Aussterben von Bakterien in der gesamten Volksgruppe führen“, erzählt Moodley. Valeria Montano aus der Forschungsgruppe von Moodley untersuchte das Alter der gefundenen H.pylori Stämme und fand heraus, dass diese erst 2000 bis 4000 Jahre alt sind. Mit Hilfe eines demografischen Modells simulierte die Forscherin die Epidemiologie der Bakterien in den verschiedenen Völkern und zeigte, dass in der sehr kleinen Population der Baka Pygmäen einzelne Bakterienstämme rascher verschwinden. Das hängt damit zusammen, dass bei geringer Besiedlungsdichte die Ansteckungsgefahr niedrig ist. Im wesentlich dichter besiedelten umliegenden Landwirtschaftsgebiet wird das Bakterium hingegen viel leichter weitergegeben. Die Bakterien in den Pygmäen sind deshalb keine uralten Stämme, sondern kolonisierten die Mägen der Pygmäen in den vergangenen paar tausend Jahren immer wieder neu, ausgehend von benachbarten Agrargesellschaften.

Der Artikel “Recent acquisition of Helicobacter pylori by Baka Pygmies” von Sandra Nell, Daniel Eibach, Valeria Montano, Ayas Maady, Armand Nkwescheu, Jose Siri, Wael F. Elamin, Daniel Falush, Bodo Linz, Mark Achtman, Yoshan Moodley und Sebastian Suerbaum wurde vor kurzem im Journal PLOS Genetics veröffentlicht. http://www.plosgenetics.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pgen.1003775

Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr. Yoshan Moodley
Konrad-Lorenz-Institut für Verhaltensforschung
Veterinärmedizinische Universität Wien
T +43 1 4890915 - 835
yoshan.moodley@vetmeduni.ac.at
Aussenderin:
Dr. Susanna Kautschitsch
Wissenschaftskommunikation / Public Relations
Veterinärmedizinische Universität Wien
T +43 1 25077-1153
susanna.kautschitsch@vetmeduni.ac.at

Susanna Kautschitsch | Veterinärmedizinische Universitä
Weitere Informationen:
http://www.vetmeduni.ac.at/de/infoservice/presseinformationen/presseinfo2013/pygmaeen-helicobacter/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie