Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

UKM zählt zu den ersten Kliniken weltweit: EMAH-Zentrum setzt neue Technik zur Herzklappenimplantation mit dem Katheter ein

13.04.2010
Nur sechs Millimeter Durchmesser / Hoffnung für sehr schwer erkrankte Patienten

Nach bereits über 100 kathetergestützten Herzklappenimplantationen zählt das Universitätsklinikum Münster (UKM) nun zu den ersten Kliniken weltweit, die eine verbesserte Technik mit verkleinerten Katheterdurchmessern zur Herzklappenimplantation in der Patientenversorgung einsetzen kann. Die neuen Katheter wurden dabei nochmals um 25 Prozent im Durchmesser von ca. acht auf sechs Millimeter reduziert. Davon profitieren speziell Patienten mit sehr kleinen oder stark erkrankten Blutgefäßen.

Seit der Errichtung des Zentrums für angeborene und erworbene Herzfehler (EMAH) am UKM unter der Leitung von Prof. Dr. Helmut Baumgartner im Jahr 2008 werden von einem Team aus Kardiologen und Herzchirurgen vor allem älteren Patienten mit hohem Risiko für einen herzchirurgischen Eingriff Herzklappen am schlagenden Herzen und ohne Herz-Lungenmaschine mit Hilfe einer speziellen Herzkathetertechnik eingesetzt. Schon bei über 100 dieser sehr schwer erkrankten Patienten konnte diese Methode in knapp zwei Jahren im UKM mit großem Erfolg durchgeführt werden.

Bisher war die Durchführung dieses Eingriffs über die Leistenschlagader - die schonendste Behandlungsvariante - allerdings nur bei einem Teil der Patienten einsetzbar. Nur bei Patienten mit ausreichend großen und nicht stärker erkrankten Gefäßen konnten die Katheter aufgrund ihrer Größe ohne Verletzungsgefahr eingebracht werden. Bei den übrigen Patienten (am UKM ca. 40 Prozent) wurde der Katheter über die Herzspitze direkt in die linke Herzkammer eingeführt, nachdem zuvor der Brustkorb mit einem links-seitlichen Schnitt geöffnet wurde.

Nur noch sechs Millimeter im Durchmesser

Jetzt steht am UKM als Ergänzung eine neue Kathetertechnik zur Verfügung. Das UKM zählt damit zu den ersten Kliniken weltweit, die diese neue Technik einsetzen. Die ersten Eingriffe auf dieser Art am UKM konnten am 7. April erfolgreich durchgeführt werden. Die neuen Katheter wurden dabei um 25 Prozent im Durchmesser von ca. acht auf sechs Millimeter reduziert. „Damit können wir den Katheter auch bei kleineren Becken- und Beinarterien einsetzen. So kann eine noch größere Zahl von Patienten von dieser neuen Methode profitieren: speziell ältere Patienten mit Verengung der Herzklappe zwischen linker Herzkammer und Hauptschlagader, der so genannten Aortenstenose, die durch Zusatzerkrankungen für die konventionelle Operation ein bedenklich hohes Risiko hätten“, betont Prof. Dr. Helmut Baumgartner.

Beim etablierten Katheterverfahren ist die Herzklappe in ein Drahtgeflecht (Stent) eingenäht, welches vor dem Eingriff auf einen Ballonkatheter montiert wird. Nach der exakten Platzierung im Herzen wird genau in Höhe der erkrankten Herzklappe der Ballon gefüllt und dadurch der Stent entfaltet, die alte Klappe an die umgebende Wand gedrückt und der Stent mit der neuen Klappe auf diese Weise fest verankert. Hierzu ist allerdings eine entsprechende Größe der Katheter nötig.

Katheter und Herzklappe werden im Körper zusammengeführt

Um die Kathetergrößen weiter reduzieren zu können, musste daher eine neue Technik entwickelt werden, die es ermöglicht, die neue Klappe erst im Körper auf den Ballon aufzubringen. „Diese neuen Behandlungsmöglichkeiten sind gerade in einer immer älter werdenden Gesellschaft von besonderer Bedeutung. Der Ersatz der Herzklappe durch eine Operation am offenen Herzen ist seit vielen Jahren ein standardisierter Eingriff mit sehr guten Ergebnissen. Unsere Aufgabe als Universitätsklinikum ist es natürlich auch, weitere Fortschritte in der Medizin zu entwickeln und mit den Ärztinnen und Ärzten in Zusammenarbeit mit der Industrie diese Fortschritte in die Versorgung kranker Menschen einzuführen, um auch Patienten in früher aussichtslosen Situationen helfen zu können. Mit dieser neuen Generation von über den Katheter einsetzbaren Herzklappen können wir nun weitere schwer erkrankte Patienten auf diesem Weg erfolgreich behandeln“, erklärt Prof. Dr. Norbert Roeder, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKM.

Die Verengung der Aortenklappe ist die häufigste Herzklappenerkrankung in den industrialisierten Ländern. Bei Menschen über 65 Jahren liegt dort die Krankheitshäufigkeit bei rund vier Prozent.

Stefan Dreising | Universitätsklinikum Münster
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenster.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Konfetti im Gehirn: Steuerung wichtiger Immunzellen bei Hirnkrankheiten geklärt
24.04.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

nachricht Stammzell-Transplantation: Aktivierung von Signalwegen schützt vor gefährlicher Immunreaktion
20.04.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact beteiligt sich an Berliner Start-up Unternehmen für Energiemanagement

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für industrielle Kommunikationstechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung