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UKE-Forscher identifizieren Ursache von Prostatakrebs bei jüngeren Männern

11.02.2013
Wissenschaftler des UKE konnten einen besonderen genetischen Mechanismus für die frühe Entstehung von Prostatakrebs aufdecken.
Diese Erkenntnis könnte die Diagnostik und Therapie verbessern und erstmals eine Prävention ermöglichen. Die Ergebnisse der Studie publizieren die Forscher zusammen mit Heidelberger und Berliner Experten heute in der renommierten Fachzeitschrift CANCER CELL¹.

Prostatakrebs gilt typischerweise als Erkrankung älterer Männer. Dennoch sind etwa zwei Prozent der Betroffenen bei der Diagnose noch keine 50 Jahre alt. Diese Fälle könnten der Schlüssel zum Verständnis der Biologie dieser Erkrankung sein. Früh auftretender Prostatakrebs ist durch eine relativ kleine Anzahl genetischer Veränderungen gekennzeichnet. Darunter sind wahrscheinlich einige so genannte „Treiber-Mutationen“, die Entstehen und Wachstum von Prostatakrebs besonders stark begünstigen, wie die aktuellen Forschungen bestätigen.+

„Es sind nur winzige Brüche im Erbgut, welche die Zellen anfällig für Krebs machen“, erläutert Prof. Dr. Thorsten Schlomm, leitender Arzt der Martini-Klinik, dem Prostatakrebszentrum am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Diese Brüche entstehen an spezifischen Stellen der DNA, wenn das männliche Geschlechtshormon Testosteron auf die Zellen einwirkt. Sie führen dazu, dass bis dahin inaktive Krebsgene durch den hormonellen Einfluss aktiviert werden.

Diese Ergebnisse wurden in Kooperation mit Forschern des European Molecular Biology Laboratory (EMBL) und des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg sowie des Max-Plack Institutes (MPI) in Berlin gewonnen; auf UKE-Seite war neben der Martini-Klinik das Institut für Pathologie beteiligt. Die Forscher analysierten das vollständige Erbgut von Tumoren besonders junger Patienten und verglichen es mit dem von Tumoren älterer Patienten. Dabei fanden sie markante Veränderungen bei den jüngeren Männern in hormonregulierten Genen. Diese Unterschiede konnten in einer Untersuchung an mehr als 10.000 in der Martini-Klinik operierten Patienten bestätigt werden. „Damit haben wir erstmals bewiesen, dass es bei einem häufigen Krebs altersabhängige Entstehungsmechanismen gibt“, erklärt Dr. Joachim Weischenfeldt vom EMBL, zusammen mit Prof. Schlomm Hauptautor der Studie.

Diese Feststellung könnte die Diagnostik und Therapie von Prostatakrebs verändern, an der jedes Jahr etwa 67.000 Männer erkranken und 13.000 Männer in Deutschland sterben. „Wir hoffen, dass unsere Erkenntnisse die Entwicklung neuer Strategien zur Diagnose und individualisierten Therapie fördern“, sagt Prof. Schlomm. Beispielsweise könne im Blut von Risikopatienten nach diesen spezifischen Genveränderungen gefahndet werden. „Wir könnten dann die Diagnose von relevanten Tumoren in einem noch früheren Stadium als heute stellen und schneller handeln“, erklärt der Mediziner und fügt hinzu: „Weiterhin gehen wir davon aus, dass durch das neue Verständnis der Entstehungsursachen von Prostatakrebs jetzt erstmals auch die Chance besteht, wirksame präventive Maßnahmen zu entwickeln, damit sich die Krankheit erst gar nicht entwickeln kann.“

Die Untersuchung ist wesentlicher Teil der Forschungsarbeiten im Rahmen des Internationalen Krebsgenom-Konsortiums (ICGC), die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 7,5 Millionen Euro gefördert werden. In dem Anfang 2011 gestarteten Forschungsprojekt gehen Ärzte und Wissenschaftler den genetischen Grundlagen von frühem Prostatakrebs auf den Grund.

Kontakt:
Prof. Dr. Thorsten Schlomm
Martini-Klinik, Prostatakarzinomzentrum
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistrasse 52
20246 Hamburg
Tel.: (040) 7410-51300
Fax: (040) 7410-51323
tschlomm@uke.uni-hamburg.de
www.martini-klinik.de

¹ Weischenfeldt et al., Integrative Genomic Analyses Reveal an Androgen-Driven Somatic Alteration Landscape in Early-Onset Prostate Cancer, Cancer Cell (2013), http://dx.doi.org/10.1016/j.ccr.2013.01.002

Christine Jähn | idw
Weitere Informationen:
http://www.martini-klinik.de
http://www.uni-hamburg.de

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