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Übergewicht erhöht Operationsrisiken

10.03.2011
Starkes Übergewicht erhöht Risiko von Operationen und erschwert chirurgische Eingriffe

Mit dem Gewicht des Patienten steigt für ihn auch das Risiko eines chirurgischen Eingriffs: Die Leibesfülle erschwert den Zugang zu den Organen, Operationswunden heilen schlechter, Thrombosen, Embolien und Druckstellen häufen sich und auch praktische Gesichtspunkte wie die Breite und Tragfähigkeit eines OP-Tisches spielen eine Rolle.

Da die Menschen in Deutschland immer übergewichtiger werden, macht die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie auf diese Herausforderung für die Medizin aufmerksam. Die DGCH weist auf Risiken für Patienten hin aber auch auf die damit einhergehenden steigenden Kosten.

Mehr als fünf Prozent der Männer und sieben Prozent der Frauen hierzulande sind stark fettleibig. Sie haben einen Body-Mass-Index (BMI) von über 35 und damit Adipositas Grad 2. Auch ein BMI über 40 ist keine Seltenheit mehr. Bei Patienten ab einem Körpergewicht von etwa 150 Kilo ist eine Grenze erreicht, die viele Akutkliniken vor Probleme stellt. Schon der Transport mit dem Rettungswagen gestaltet sich mitunter schwierig. Häufig können Kliniken nicht ausreichend geeignete Transportliegen, Betten und Operationstische aber auch Röntgengeräte, Computer- und Kernspintomografen bieten, die auf Gewicht und Leibesumfang dieser Patienten ausgerichtet sind. „Viele Krankenhäuser mussten in den letzten Jahren ihre Ausrüstung an die neue Situation anpassen“, sagt DGCH-Generalsekretär Professor Dr. med. Hartwig Bauer, Berlin. Das träfe auch auf die Instrumente der Chirurgen zu. Für extrem fettleibige Patienten rüsten sich OP-Teams mit überlangen Wundhaken, Spreizern und OP-Instrumenten im XXL-Format aus. Auch Narkoseärzte benötigen spezielle Tuben und Beatmungsschläuche.

Eine besondere Rolle spiele das erhöhte Körpergewicht bei Schlüsselloch-Operationen über einen kleinen Zugang, berichtet Professor Bauer. Bei minimalinvasiven Bauchoperationen zum Beispiel sind normale Instrumente oft zu kurz. Wegen der geringeren Rate an Wundheilungsstörungen profitieren andererseits insbesondere adipöse Patienten von dieser Technik. „Schlecht heilende Operationswunden gehören bei adipösen Patienten zu den größten Problemen“, sagt Professor Bauer. „Sie treten ab einem BMI von 30 mehr als doppelt so häufig auf wie bei schlanken Patienten.” Adipöse Patienten liegen auch länger auf der Intensivstation. Einer US-amerikanischen Studie zufolge stirbt ein Drittel der Patienten mit einem BMI von über 40 auf der Intensivstation. Die Sterblichkeitsrate bei Normalgewichtigen beträgt lediglich 12 Prozent. Ursache ist vor allem eine höhere Rate an Wundinfektionen, Thrombosen und Lungenentzündungen bis hin zum Organversagen.

Nicht nur die Operationsrisiken sind größer, auch die dadurch notwendigen Zusatzinvestitionen sind erheblich. Zudem ist das Personal durch übergewichtige Patienten zusätzlich belastet: Da Körperkraft zum Anheben und Umlagern der Patienten häufig nicht ausreicht, müssen Kliniken motorbetriebene Hebevorrichtungen und Umlagerungshilfen anschaffen und auch die sanitären Einrichtungen baulich anpassen.

Schlanke Patienten sind zwar leichter zu operieren. Neuere Studien zeigen jedoch, dass gering Übergewichtige Operationen besser verkraften als Untergewichtige, die nach einem Eingriff kaum etwas zuzusetzen haben. „Wir sprechen hier von einem Adipositas-Paradox“, erläutert Professor Bauer. Dies gilt nicht für Adipöse, bei denen Begleiterkrankungen im Rahmen eines metabolischen Syndroms mit Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörung vorliegen. Die Herausforderungen gerade dieser Patientengruppe an die Chirurgie haben seit Jahren dramatisch zugenommen, wobei mit einem weiteren Anstieg zu rechnen ist.

Literatur: I. H. Flessenkämper; Adipositas in der Gefäßchirurgie
Zentralblatt für Chirurgie 2011; doi: 10.1055/s-0030-1262686
Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH)
Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Berliner Büro:
Langenbeck-Virchow-Haus
Luisenstraße 59
10117 Berlin
Telefon: 0711 8931-552
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: voormann@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgch.de

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