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Typ-1-Diabetes: Kein direkter Zusammenhang zwischen Virusinfektion und rapidem Krankheitsausbruch

07.05.2013
Die TEDDY-Studie untersucht Umweltfaktoren, die eine Erkrankung an Typ-1-Diabetes im Kindesalter bedingen könnten.

Als eines der ersten Resultate stellten die Wissenschaftler der internationalen Studie nun fest, dass Virusinfektionen wahrscheinlich nicht die Ursache eines sich rapide entwickelnden Typ-1-Diabetes im Kindesalter sind. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift ‚Diabetologia‘ publiziert.

Virusinfektionen gelten als ein potentieller Auslöser der Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes. Bei der Erkrankung kommt es durch Autoimmunreaktionen zu einer Zerstörung der Insulin-bildenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse. Zu einem Ausbruch der Erkrankung kann es innerhalb weniger Monate kommen, in manchen Fällen entwickelt sich die Krankheit jedoch auch schleichend über Jahre.

Das internationale Wissenschaftlerteam um Professor Dr. Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung (IDF) am Helmholtz Zentrum München (HMGU), darunter Dr. Hye-Seung Lee und Dr. Jeffrey Krischer von der University of South Florida, USA, Dr. Thomas Briese von der Columbia University, New York, USA und Dr. Beena Akolkar vom National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases, USA, wertete Daten der TEDDY (The Environmental Determinants of Diabetes in the Young)-Studie mit dem Ziel aus, herauszufinden, ob virale Infektionen bei Babys die Ursache eines besonders schnell eintretenden Typ-1-Diabetes sind.

Zwischen 2004 und 2010 wurden innerhalb einer Gruppe von insgesamt 420.000 Babys 21.589 Säuglinge mit einer genetischen Prädisposition, d. h. einem erhöhten Risiko für Typ-1-Diabetes, identifiziert. Deren Familien wurden eingeladen, an der prospektiven TEDDY-Studie teilzunehmen, bei der bis zum Alter von 15 Jahren neben regelmäßigen Blutabnahmen zur Untersuchung von Autoantikörpern und weiteren serologischen Markern auch kontinuierlich detaillierte Daten zu Erkrankungen, Infektionen, Ernährung, psychosozialen Faktoren und Entwicklung gesammelt werden. Ziel ist es hierbei, Umweltfaktoren zu identifizieren, die die Betazellentzündung und den Diabetes triggern. 8.677 Kinder nahmen an der TEDDY Studie teil.
Über den Beobachtungszeitraum bis Juli 2011 entwickelten 355 Kinder Diabetes-typische Autoantikörper, 86 davon entwickelten einen manifesten Typ-1-Diabetes. In 24 Fällen handelte es sich dabei um eine besonders fulminate Verlaufsform mit einem Krankheitsausbruch innerhalb von 6 Monaten nach Autoantikörperentstehung. Für 14 dieser Kinder standen Blutproben von vor und nach dem erstmaligen Auftreten von Autoantikörpern zur Verfügung, an denen die Wissenschaftler Virusnachweise mittels state of the art Sequenzierungs-Methoden durchführten. Nur ein Kind zeigte eine messbare virale Last in der Blutprobe. Die übrigen Proben zeigten sich unauffällig und es waren keinerlei Unterschiede zu Kontrollproben gesunder Kinder gleichen Alters erkennbar. Auch der Vergleich der gesammelten Daten mit viralen Infektionsereignissen der Atemwege oder des Magen-Darm-Traktes der 24 erkrankten Kinder mit denen von 72 gesunden Kindern zeigte keinen Zusammenhang von viralen Infektionen und dem Ausbruch einer Typ-1-Diabetes Erkrankung.

„Unsere Ergebnisse schließen die Möglichkeit für ein ursächliches Virus, mit dem Kinder sich vor dem 6. Lebensmonat infizieren, nicht aus“, erklärt Ziegler, Letztautorin der Studie. „Allerdings stellen die Resultate Viren als Auslöser momentan in Frage. Die Studie belegt, dass zum Zeitpunkt der Entwicklung der Autoimmunität keine viralen Auslöser vorhanden sind.“
Überraschenderweise zeigten die Kinder mit Diabetes geringere Fieber-Episoden als die Kinder der Kontrollgruppe. „Diese Daten müssen überprüft werden und könnten darauf hindeuten, dass Fieber als ein Kennzeichen einer kompetenteren Immunabwehr und Viruselimination in gesunden Kindern steht“, so Ziegler. Eine weiterführende Analyse hierzu soll demnächst im Rahmen der TEDDY-Studie erfolgen.

Weitere Informationen

Wer an einer Studie zu Typ 1 Diabetes teilnehmen möchte, kann sich unverbindlich informieren bei:

Institut für Diabetesforschung
Helmholtz Zentrum München
Direktorin: Univ.-Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler

Kostenlose Info-Hotline: 0800 82 84 86 8
E-Mail: prevent.diabetes@lrz.uni-muenchen.de
Internet: www.diabetes-studien.de

Original-Publikation:
Lee, H.-S. et al. (2013): Next-generation sequencing for viruses in children with rapid-onset type 1 diabetes, Diabetologia, doi: 10.1007/s00125-013-2924-y

Link zur Fachpublikation: http://www.diabetologia-journal.org/

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.100 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 34.000 Beschäftigten angehören. Das Helmholtz Zentrum München ist Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung e.V. www.helmholtz-muenchen.de
Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung e.V. bündelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Mitglieder des Verbunds sind das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, die Paul Langerhans Institute des Carl Gustav Carus Universitätsklinikums Dresden und der Eberhard-Karls-Universität Tübingen sowie die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. und die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz Antworten auf offene Fragen in der Diabetesforschung zu finden und einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung von Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. www.dzd-ev.de

Das Institut für Diabetesforschung (IDF) befasst sich mit der Pathogenese und Prävention von Typ-1-Diabetes und Schwangerschaftsdiabetes. Dazu untersucht es die molekularen Mechanismen der Krankheitsentstehungen, insbesondere das Zusammenspiel von Umwelt, Genen und Immunsystem. Ziel ist die Identifizierung von Markern zur frühen Diagnose und die Entwicklung von Präventionsstrategien und neuen Therapien zur Heilung von Diabetes. Das IDF ist Teil des Diabetes Research Departments.
Ansprechpartner für die Medien:
Abteilung Kommunikation, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel.: 089-3187-2238 - Fax: 089-3187-3324 - E-Mail: presse@helmholtz-muenchen.de
Fachlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Institut für Diabetesforschung, Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel.: 089-3187-3405 - E-Mail: anette-g.ziegler@helmholtz-muenchen.de
Weitere Informationen:
http://www.diabetologia-journal.org/
http://www.diabetes-studien.de
http://www.dzd-ev.de
http://www.helmholtz-muenchen.de

Susanne Eichacker | Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-muenchen.de

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