Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studienergebnisse über die Langzwitwirkung der Neuro-Musiktherapie bei Tinnitus

17.08.2011
Studienergebnisse des Viktor Dulger Forschungsinstituts am Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung belegen einen dauerhaften Therapieerfolg bei 75% der behandelten Patienten mit chronischem Tinnitus.

Tinnitus – das Hören eines Pfeifens, Zischens, Rauschens oder Brummens ohne äußere Lärmquelle – hat mittlerweile das Ausmaß einer Volkskrankheit angenommen. Mehr als 4% aller Deutschen leiden darunter und ca. 1,5 Millionen Menschen in Deutschland gelten als behandlungsbedürftig, so die Angaben laut offizieller Prävalenzuntersuchungen (vgl. Streppel et al. 2006). Die Zahl der Menschen, die unbemerkt von der Öffentlichkeit an chronischen Ohrgeräuschen leiden, wird noch um ein Vielfaches höher eingeschätzt.

Die therapeutische Behandlungssituation war bisher unbefriedigend. Denn sobald die Ohrgeräusche das akute Stadium überdauern, werden viele Patienten mit Aussagen „Damit muss man leben!“ oder „Hören Sie einfach nicht hin!“ konfrontiert.

Das Viktor Dulger Forschungsinstitut am Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung e.V. in Heidelberg hat jetzt eine vielversprechende und wissenschaftlich untermauerte Therapieform entwickelt. Seit 2006 werden dort in Kooperation mit der Hals-Nasen-Ohren-Klinik der Universität Heidelberg Tinnituspatienten neuro-musiktherapeutisch behandelt. Dieses Verfahren wurde u.a. mit Hilfe bildgebender Verfahren, wie der funktionellen Magnetresonanz-Tomographie (fMRT), überprüft.

Das Heidelberger Musiktherapiemanual für chronisch tonalen und nicht-tonalen Tinnitus ist entsprechend den aktuellen Erkenntnissen der Neurophysiologie und Neuropsychologie multimodal aufgebaut. Das bedeutet, dass verschiedene, sich ergänzende und aufeinander aufbauende musik- und psychotherapeutische Behandlungselemente integriert werden. Ein zentrales Ziel der Therapie nach dem Heidelberger Modell ist nicht das Weghören, sondern – ganz im Gegenteil – die bewusste Auseinandersetzung mit den Ohrgeräuschen. Denn nur so kann in einem zweiten Schritt die aktive Steuerung und Kontrolle der Symptomatik seitens der Patienten erreicht werden.

Mittlerweile wurden an der Tinnitusambulanz am DZM in Heidelberg über 800 Patienten mit chronischem Tinnitus behandelt. Insgesamt zeigen ca. 80% der Patienten unmittelbar nach der Therapie eine deutliche Verbesserung ihrer Tinnitussymptomatik bis hin zum völligen Verschwinden der Ohrgeräusche.

Um zu untersuchen, ob diese Therapieerfolge auch über einen längeren Zeitraum hinweg stabil sind, wurde in den Jahren 2010 – 2011 eine Langzeitstudie durchgeführt, deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Dabei wurden 206 ehemalige Patienten untersucht, die zwischen 2004 und 2009 in Heidelberg waren.

Ergebnisse:
• Die Nachuntersuchungsspanne liegt bei 1 bis 6 Jahren (Durchschnitt 2,65 Jahre).
• Bei 76% aller behandelten Tinnituspatienten hat sich die Tinnitusbelastung (gemessen mit dem Tinnitusfragebogen nach Goebel und Hiller) durch die Therapie deutlich und nachhaltig reduziert.
• Diese dauerhaften Therapieerfolge sind unabhängig davon, wie lange die Krankheitsdauer vor Beginn der Therapie bestand oder welche Klangqualität (Pfeifen oder Rauschen) die Ohrgeräusche hatten.
• 87% aller behandelten Patienten sind mit der Therapie sehr zufrieden.
• 71% aller behandelten Patienten benötigten nach der Heidelberger Musiktherapie keine weitere Tinnitusbehandlung mehr.

Die Musiktherapie nach dem Heidelberger Modell hat sich demnach als ein sehr wirksames und nachhaltiges Verfahren zur Behandlung des chronischen Tinnitus erwiesen.

Mehr Informationen für betroffene Patienten sind telefonisch erhältlich unter 06221 – 79 63 101 oder per E-Mail unter tinnitusambulanz@dzm-heidelberg.de.

Um das Behandlungsangebot zu komplettieren, läuft derzeit am DZM eine Forschungsstudie zur Überprüfung einer neuro-musiktherapeutischen Behandlung bei akutem Tinnitus (d.h. bis zu einer max. Erkrankungsdauer von drei Monaten). Patienten, die an dieser Studie teilnehmen möchten, können sich telefonisch melden unter 06221-79 63 961 oder per E-Mail unter miriam.grapp@dzm-heidelberg.de.

Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e. V. wurde 1995 in Heidelberg gegründet. Heute ist das DZM das größte musiktherapeutische Forschungsinstitut in Europa und vereint Forschung, Praxis und Lehre unter einem Dach. Das DZM ist als gemeinnützig anerkannt und finanziert sich zum überwiegenden Teil aus Spenden und Forschungsdrittmittel. Am DZM entwickeln und erforschen Musiktherapeuten, Mediziner, Musikwissenschaftler und Psychologen in interdisziplinären Projekten musiktherapeutische und musikmedizinische Konzepte zur Verbesserung der Lebenssituation erkrankter Menschen. Außer dem Forschungsinstitut gehört eine Tinnitusambulanz zum DZM.

Weitere Informationen:
Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung
(Viktor Dulger Institut) DZM e.V.
Ansprechpartner: Natascha Schettler-Brox
Maaßstraße 32/1
69123 Heidelberg
Telefon: +49 (6221) 83 38 60
Telefax: +49 (6221) 83 38 74
E-Mail: dzm@dzm-heidelberg.de

Natascha Schettler-Brox | idw
Weitere Informationen:
http://www.dzm-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Revolutionär: Ein Algensaft deckt täglichen Vitamin-B12-Bedarf
23.04.2018 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Moleküle brillant beleuchtet

23.04.2018 | Physik Astronomie

Sauber und effizient - Fraunhofer ISE präsentiert Wasserstofftechnologien auf Hannover Messe

23.04.2018 | HANNOVER MESSE

Fraunhofer IMWS entwickelt biobasierte Faser-Kunststoff-Verbunde für Leichtbau-Anwendungen

23.04.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics