Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stammzelltherapie für Lebererkrankungen schlägt an

10.06.2015

Mit einer neuen Therapiemethode wollen Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig die Erholung der Leber nach schwerwiegenden Eingriffen effektiv unterstützen.

In ersten Tests konnten sie beweisen, dass Stammzellen in der Lage sind, die Funktion des lebenswichtigen Organs selbst unter schwierigsten Umständen so zu beeinflussen, dass ein Leberversagen verhindert werden kann. Der positive Effekt von Stammzellen auf die Leberregeneration wurde nachgewiesen und die Erkenntnisse in den renommierten "Annals of Surgery" veröffentlicht.

Der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Bruno Christ von der Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie ist es gelungen, den positiven Effekt der Stammzellen auf die Leberregeneration zu belegen.

"Bei Krankheiten wie dem Leberkrebs muss häufig ein Großteil des Organs entfernt werden", beschreibt er die dahinter stehende Problematik. "Der verbleibende Leberrest ist häufig nicht in der Lage, die Aufgaben des vollständigen Organs in ausreichendem Maße zu übernehmen, so dass es bei einem Drittel der betroffenen Patienten dann zu einem Leberversagen kommt." Trotz intensivmedizinischer Behandlung sterben bis zu 70 Prozent der Betroffenen.

Im Tierexperiment haben die Leipziger Wissenschaftler nun eine Reihe von Belegen dafür zusammengetragen, dass der Einsatz von Stammzellen für die Patienten hilfreich sein kann. "Bei Tieren, die Stammzellen bekamen, wurde die Regeneration der Leber deutlich verbessert", erläutert Christ.

Sogar massive Leberverfettungen seien zurückgegangen, die normalerweise mit der Operation einhergehen und wohl maßgeblich für das Organversagen verantwortlich sind. Dabei machten die Wissenschaftler eine weitere erstaunliche Entdeckung, erläutert der Gruppenleiter: "Die Stammzellen, die in Leberzellen umgewandelt werden, müssen nicht einmal direkt in das Organ eingebracht werden. Es funktioniert auch, wenn man sie in die Blutbahn gibt."

Als ein weiterer Vorteil stellt sich dar, dass die Stammzellen einfach abgestoßen werden, sobald die Leber ihre Funktion nach dem akuten Versagen wieder selbstständig aufgenommen hat. Die Forscher halten es in diesem Fall für besser, wenn kein naher Verwandter des Patienten die Zellen spendet. Bei chronischen Erkrankungen der Leber muss dagegen eine langfristige Korrektur erfolgen. Die Abstoßungsreaktion ist dann geringer, wenn ein Verwandter oder der Patient selbst als Spender gewonnen werden kann.

Durchbruch dringend notwendig

Dass eine Therapiealternative dringend entwickelt werden muss, machen Zahlen deutlich. Auf der Warteliste der Vermittlungsstelle für Spenderorgane in den Benelux-Ländern, Deutschland, Österreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn (Eurotransplant) stehen etwa 30 Prozent mehr Patienten, die eine neue Leber brauchen, als Spenderorgane vorhanden sind. Im Jahr 2013 starben von rund 2100 Patienten auf der Warteliste fast 500.

Doch nicht nur bei der Leber, auch bei akuten Erkrankungen von Herz und Nieren werden die Organe durch eine Stammzelltherapie weniger geschädigt, wie die Wissenschaftler in einer weiteren Studie erfolgreich nachweisen konnten. Die Nutzung von Stammzellen für die Behandlung von erkrankten Lebern und anderen Organen kann nach Ansicht von Bruno Christ in den nächsten Jahren schnell weiterentwickelt werden.

Allerdings steht dies unter einem Finanzierungsvorbehalt: Weitere standardisierte Tests sind notwendig, anschließend muss eine klinische Studie durchgeführt werden. Es sind Zellen notwendig, die unter sehr kontrollierten Bedingungen hergestellt werden müssen. "All das kostet Geld, und zwar mehr Geld, als wir hier zur Verfügung haben."

Fachveröffentlichung:
Attenuation of Postoperative Acute Liver Failure by Mesenchymal Stem Cell Treatment Due to Metabolic Implications, doi: 10.1097/SLA.0000000000001155

Jörg Aberger

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Bruno Christ
Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie Universitätsklinikum Leipzig
Telefon: +49 341 9713555
E-Mail: bruno.christ@medizin.uni-leipzig.de

Weitere Informationen:

http://journals.lww.com/annalsofsurgery/Abstract/publishahead/Attenuation_of_Pos...

Susann Huster | Universität Leipzig

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie