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Speziallabore für maßgeschneiderte Leukämie-Therapien

15.12.2011
Für insgesamt 1,77 Millionen Euro ist im Carreras-Haus der Leipziger Universitätsklinik ein modernes Forschungslaborzentrum entstanden. Ziel der Einrichtung ist es, neue Methoden der Leukämiediagnostik zu entwickeln und nebenwirkungsärmere Therapien für Patienten zu finden.

Während das Erdgeschoss mit Ambulanz und Tagesklinik Anlaufstelle für Patienten ist, bietet die erste Etage mit 1.200 Quadratmeter ausschließlich Platz für die Forschung. Alle bisher verteilten Labore sind nun an einem Standort zusammengefasst, Diagnostik und Therapieentwicklung unter einem Dach vereint.

Der Umbau ist ein Gemeinschaftsprojekt: Je 500.000 Euro Spenden stammen von der Deutschen José Carreras Leukämie Stiftung und dem Verein „Zusammen gegen den Krebs“. Weiter 450.000 Euro hat die Medizinische Fakultät der Universität Leipzig beigesteuert, der Freistaat Sachsen die restlichen 318.000 Euro. Mit diesen Mitteln ist auch ein hochsteriles Labor entstanden, das fortan von der Hämatologie und Transfusionsmedizin gemeinsam genutzt wird. Interdisziplinäre Forschungsprojekte beispielsweise mit der Neurologie und Synergien mit der Blutspende und Gewebebank sind eingeplant.

Prof. Dietger Niederwieser ist seit 1998 Leiter der Abteilung für Hämatologie und Internistische Onkologie am Universitätsklinikum Leipzig. Der Experte für Stammzelltransplantation ist angetrieben davon, die Medizin weiter zu entwickeln. „Es gibt noch immer bösartige Erkrankungen, die nicht genügend behandelt werden können. In unseren wissenschaftlichen Labors arbeiten wir an der Bekämpfung von Tumorerkrankung mit neuen, möglichst nebenwirkungsärmeren Methoden. Beispielsweise werden Tumorzerstörende Zellen im Reagenzglas gezüchtet oder Impfungen entwickelt. Wir verfolgen damit den Traum, eines Tages Krebserkrankungen der unterschiedlichsten Art ganz gezielt und individuell auf den Patienten zugeschnitten behandeln zu können.“ Mit dem neuen Forschungslaborzentrum und Geräten auf dem neuesten Entwicklungsstand kommt er diesem Traum einen entscheidenden Schritt näher. Der Übergang zwischen Forschung und Klinik wird fließend. Die Transplantationseinheit im Carreras-Haus spielt schon eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Leukämien, Lymphomen,Tumoren und nicht bösartigen Bluterkrankungen. Sie gehört mit gut 220 Transplantationen im Jahr zu den größten Einrichtungen dieser Art in Europa. Von hier aus werden nationale und internationale Studien geleitet. Das neue, hochsterile Labor wird dazu beitragen, die Geheimnisse bösartiger Zellen zu ergründen und ihre Schwachstellen aufzudecken. Zellen zur direkten Behandlung von Patienten können hier produziert werden. Therapien mit sogenannten Killerzellen, die gezielt Tumorzellen zerstören, aber auch mit immunmodulierenden Stammzellen zur Verhinderung einer überschießenden Reaktion sollen hier durchgeführt und verbessert werden. „Dadurch können wir die Überlebensaussichten unserer Patienten wesentlich verbessern und neue Einblicke in die Biologie und Behandlung von bösartigen Erkrankungen des Blutes aber auch anderer Organe erhalten“, so Niederwieser.

Eröffnung mit Prominenz
José Carreras, Tenor und Vorstand der Deutschen José Carreras Leukämie-Stiftung, lässt alljährlich Spendengelder in Millionenhöhe in den Kampf gegen die Krankheit fließen. Anlässlich der Eröffnung in Leipzig sagte er: „Um ein großes Ziel zu erreichen, braucht es Partner, die gemeinsam an einem Strang ziehen. An der Leipziger Transplantationseinheit retten Knochenmark- oder Stammzelltransplantationen jährlich zahlreichen Menschen das Leben. Heute freue ich mich über die Eröffnung des hochmodernen Forschungslaborzentrums im José Carreras Haus – ein Projekt, das die Zukunft verändern will. Denn nur Forschung und neue Therapien werden eines Tages Heilung für jeden Leukämiepatienten möglich machen.“

Zu seinen wichtigsten Aufgaben zählt Prinz Alexander von Sachsen, Bildung und Forschung im Freistaat zu fördern. Dafür wirbt er im In- und Ausland und auch als Vorsitzender des Vereins „Zusammen gegen den Krebs e.V.“: „Der Verein hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Forschungstätigkeit im Bereich der Hämatologie und Onkologie voranzubringen. Das neue Forschungslaborzentrum wird diesem Ziel dienen und dazu beizutragen, dass Leipzig seinen Ruf als exzellenter Wissenschaftsstandort beibehält und verteidigt.“

Einblick in den Laboralltag
Rund 130 Mal am Tag trifft eine Knochenmarks- oder Blutprobe im Labor ein, per Rohrpost aus dem Universitätsklinikum oder per Boten aus anderen Krankenhäusern und Arztpraxen. Dann obliegt es dem Laborteam, durch Spezialuntersuchungen all die Fragen zu beantworten, die Voraussetzung sind für eine präzise und schonende Behandlung der Patienten. Nur wenn klar ist, welche Form der Leukämie vorliegt, kann aus den in den vergangenen Jahren stetig gewachsen Therapiemöglichkeiten die optimale ausgewählt werden.

Im zytologischen Labor werden Knochenmarkausstriche gefärbt, die Form und Menge der kranken wie auch gesunden Zellen begutachtet, auch spezielle Infektionen können erkannt werden. Im immunologischen Labor wird mit Hilfe von Antikörpern analysiert, welche Merkmale die Blut- oder Knochenmarkzellen auf der Oberfläche und im Inneren tragen. Im molekularbiologischen Labor werden mit verschiedenen Methoden Genstrukturen und auch jene Gendefekte ermittelt, die im Knochenmark die Entstehung von Krebszellen des Blutes bewirken. Das neueste Gerät, das dabei hilft, ist ein vollautomatischer Metaphasenfinder, der vom Verein „Zusammen gegen den Krebs“ gestiftet wurde. Metaphasen sind Zellen, die sich gerade in Teilung befinden. Nur in diesem Augenblick offenbaren sie die Struktur ihrer Gene und somit die Veränderungen der Chromosomen die Leukämiezellen beim jeweiligen Menschen haben.

Hochentwickelter Helfer
In kleinen Röhrchen kommt das aus dem Beckenkamm gezogene Knochenmark ins Labor. In einem Brutschrank werden die Zellen zur Teilung angeregt und danach eingefärbt auf Objektträger getropft. Dabei platzen die Zellhüllen und geben alle 23 Chromosomenpaare frei. Das menschliche Auge hat hier längst keine Chance mehr. Der Roboterarm des Metaphasenfinders holt sich die Proben und legt sie unter das hochempfindliche Mikroskop. Auf dem Monitor wird eine Bilder-Galerie sichtbar. Der Computer schlägt verschiedene kreisförmige Gebilde zur Analyse vor. Das geschulte Auge der erfahrenen Laborantin prüft die Auswahl. Anschließend werden die dargestellten Chromosomen der Größe nach sortiert und auf Veränderungen untersucht. Dadurch sind Rückschlüsse auf die Form der Leukämie und ihre Heilungschancen möglich. „Mit dem Roboter können wir pro Patient jetzt viel mehr Zellen untersuchen, die vom Computer erfasst werden“, erläutert Laborantin Christel Müller. „Dadurch werden unsere Prognosen wesentlich sicherer und die Therapie genauer. Zusätzlich bilden wir ein Netzwerk mit allen anderen Labors, indem wir alle Befunde eines Patienten zusammentragen und diese Informationen wie ein Puzzle zusammenstellen. Das ist für die Diagnose aber auch für den Verlauf während der Therapie von größter Bedeutung."

Dr. Manuela Rutsatz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de

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