Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Speiseröhrenkrebs: MHH bietet als eine der wenigen Kliniken bundesweit minimalinvasive Operation

31.01.2013
Patienten genesen schneller und haben nach dem Eingriff weniger funktionelle Probleme

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 6000 Menschen neu an Speiseröhrenkrebs. Zur Therapie gehört fast immer eine Operation, die mehrere große Schnitte an Bauch und Rumpf erfordert, was ein beträchtliches operatives Trauma für die Patienten darstellt und nach dem Eingriff häufig mit Komplikationen und funktionellen Spätfolgen verbunden ist.

An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gibt es dazu eine Alternative. Dabei operiert der Chirurg nicht offen, sondern laparoskopisch und thorakoskopisch, also über nur wenige kleine Schnitte und mit Hilfe eines Videosystems, das eine freie Einsicht in den Bauch- und Brustraum ermöglicht. Diese Technik wird als minimalinvasive Chirurgie oder auch „Schlüsselloch-Chirurgie“bezeichnet. Dr. Nikos Emmanouilidis, Chirurg an der MHH-Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, hat sie auch für die Tumoren der Speiseröhre (Ösophagus) an der MHH etabliert.

Die chirurgische Entfernung des Tumors und dem betreffenden Teil der Speiseröhre ist zentraler Bestandteil der multimodalen Therapie bei Speiseröhrenkrebs. „Die chirurgische Entfernung des Tumors und der Lymphknoten sollte in jedem Falle angestrebt werden. Denn nur so läßt sich die Prognose des Patienten deutlich verbessern“, erklärt Dr. Emmanouilidis, der seit 2010 gemeinsam mit Professor Dr. Michael Winkler in der Klinik das Team „Oberer Gastro-Intestinal-Trakt“ leitet.

Aus feingeweblichen Untersuchungen sei bekannt, dass nach alleiniger kombinierter Bestrahlung und Chemotherapie lebende Tumorzellen zurückbleiben und der Tumor nach einer Zeit wieder zurückkehrt. „Die beste Aussicht den Krebs zu überleben besteht dann, wenn zusätzlich zu einer Vorbehandlung durch Bestrahlung und/oder Chemotherapie am Ende eine komplette chirurgische Entfernung des Tumors durchgeführt wird“, sagt Dr. Emmanouilidis.

Professor Dr. Jürgen Klempnauer, Direktor der MHH-Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie betont, dass seine Klinik als eine der wenigen in Deutschland die minimalinvasive Operation bei Speiseröhrenkrebs anbieten kann. „Dr. Emmanouilidis hat auch Patienten mit hoch-thorakalen Plattenepithelkarzinomen, die in minimalinvasiver Technik allgemein als inoperabel galten, mit diesem schonenden Verfahren erfolgreich operiert. Im Gegensatz zum herkömmlichen Verfahren bei Speiseröhrenkrebs ergibt sich dadurch für die Patienten eine wesentlich angenehmere, schmerzfreiere und kürzere Behandlung ihrer Erkrankung.“

Während der minimalinvasiven OP entfernt der Chirurg zunächst die Speiseröhre mit dem Tumor und die umliegenden Lymphknoten. Anschließend spaltet er den Magen und bildet aus einem Teil dieses Organs eine Ersatzspeiseröhre. Diese zieht er in den Brustraum hoch und schließt sie an den oberen Speiseröhrenstumpf an. Für den Eingriff sind in der Regel nur fünf bis sechs kleine Öffnungen im Bauch- und Brustraum nötig, um die Operationsinstrumente einzuführen. Dazu kommt eine etwas größere Öffnung zwischen den Rippen, durch die der Chirurg die Speiseröhre entfernt. Große Schnitte wie bei der herkömmlichen OP-Methode gibt es nicht. Das hat viele Vorteile für die Patienten. „Sie erleben ein viel kleineres operatives Trauma“, erläutert Dr. Emmanouilidis. „Weder die Bauch- noch die Rumpfmuskulatur werden durchtrennt und auch die bei dem herkömmlichen Verfahren oft auftretenden Brüche und Ausrenkungen der Rippen entfallen.“ Durch das schonendere Vorgehen können die Patienten nach der OP die Intensivstation schneller verlassen, sind schneller beweglich und haben auch im späteren Verlauf weniger funktionelle Probleme. Unter onkologischem Aspekt ist die minimalinvasive Operation der offenen Operation absolut ebenbürtig, da der Tumor ebenfalls komplett und die gleiche Anzahl an Lymphknoten entfernt werden.

Seit 2005 ist die minimalinvasive Chirurgie und im Besonderen die des oberen Gastro-Intestinal-Trakts das Spezialgebiet von Dr. Emmanouilidis. Die minimalinvasive Ösophagektomie mit Magenhochzug praktiziert er seit 2010. Dabei kann er nicht nur Adenokarzinome, die im unteren Teil der Speiseröhre sitzen, sondern auch Plattenepithelkarzinome sicher entfernen. Bisher hat Dr. Emmanouilidis insgesamt 28 Patienten, darunter auch 15 Patienten mit dem häufigeren Plattenepithelkarzinom, erfolgreich nach dem neuen Verfahren operiert. Zu den Patienten von Dr. Emmanouilidis gehört auch Wolfgang E. aus Lauenau. Der 65-Jährige bekam im September 2012 eine Ersatzspeiseröhre. „Durch einen Zufall habe ich von der Möglichkeit des minimalinvasiven Eingriffs gehört und bin froh, dass mir die große offene Operation erspart geblieben ist“, sagt er. Außer der Speiseröhre mit einem Adenokarzinom wurden bei ihm 46 Lymphknoten entfernt. Glücklicherweise war keiner der Lymphknoten von Krebszellen befallen. Roswitha K. aus Bielefeld hatte sich im März 2012 ebenfalls für einen minimalinvasiven Eingriff entschieden. „Ich bin hundertprozentig damit zufrieden, wie alles gelaufen ist, sowohl bei der Operation als auch bei den Arztgesprächen davor und danach.“

Spezial-Sprechstunde: Für Patienten mit Erkrankungen der Speiseröhre und des Magens gibt es in der Viszeralchirurgischen Poliklinik der MHH eine Spezial-Sprechstunde. Interessierte können unter Telefon (0511)532-2032 einen Termin vereinbaren. Die Befunde der Tumorpatienten werden von Gastroenterologen, Radiologen, Strahlentherapeuten und Chirurgen gemeinsam bewertet. Mit Hilfe festgelegter Standards und orientiert an den Leitlinien entwickelt dann dieses Expertengremium gemeinsam eine für jeden Patienten maßgeschneiderte Behandlungsstrategie. „Diese interdisziplinäre Kooperation und das hervorragende OP-Team sind wichtige Teile des Erfolgsrezepts“, sagt Dr. Emmanouilidis.

Fortbildung: Am 13. März 2012 um 17 Uhr findet in der MHH eine umfangreiche interdisziplinäre Fortbildungsveranstaltung für Ärzte zum Thema Speiseröhrenkrebs statt. Zu den Referenten gehört neben anderen auch Dr. Nikos Emmanouilidis, der das minimalinvasive OP-Verfahren vorstellen wird. Anmeldung unter Telefon (0511) 532-9402 oder schoel.mirjam@mh-hannover.de

Weitere Informationen erhalten Sie bei Dr. Nikos Emmanouilidis, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Telefon (0511) 532-2122, emmanouilidis.nikos@mh-hannover.de

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie