Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Smartphone-App hilft psychisch kranken Menschen

12.11.2012
Neuentwicklung von Bielefelder Wissenschaftlern und internationalen Partnern überwacht die Stimmungsschwankungen von Patienten

„Zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt“ beschreibt gemeinhin, was Mediziner als bipolare Störung bezeichnen. Die Stimmung betroffener Personen schwankt zwischen Depression und Manie.

Auf der weltgrößten Medizinfachmesse „Medica“ stellt der Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (Cognitive Interaction Technology – CITEC) der Universität Bielefeld vom 14. bis 17. November in Düsseldorf eine anwendungsorientierte Entwicklung vor: Sensoren am Smartphone sollen die Stimmungsveränderungen von Patienten mit bipolarer Störung überwachen und die Daten den behandelnden Medizinern übermitteln – sodass im Notfall reagiert werden kann. Die Präsentation ist Teil des Gemeinschaftsstandes des Landes Nordrhein-Westfalen (Halle 3, Stand D81).

Immer mehr Menschen benutzen Smartphones - und wer eines hat, trägt es fast immer bei sich. Diesen Umstand haben sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des EU-geförderten Projekts „Monarca“ zunutze gemacht. Monarca steht für „Monitoring, Treatment and Prediction of Bipolar Disorder Episodes“, auf Deutsch: Überwachung, Behandlung und Vorhersage von Phasen bipolarer Störung. Das Herzstück von Monarca bildet ein Smartphone, dessen Sensoren objektive Verhaltensparameter erfassen, zum Beispiel übermäßige Bewegungen oder ungewöhnliche viele und lange Telefonate, die eventuell auf eine manische Phase hindeuten. Zusätzlich werden kontinuierlich physiologische Messwerte aufgezeichnet. Diese Daten werden in einer webbasierten Schnittstelle zusammengeführt und visualisiert, sodass der behandelnde Arzt und das medizinische Personal jederzeit Zugriff auf die Daten haben – und eingreifen können, wenn sich die Symptome des Patienten oder der Patientin verschlechtern.

Darüber hinaus stehen im Vergleich zur konventionellen Behandlung bei der Nutzung der Smartphone-Überwachung wesentlich mehr Daten für die individuelle Therapieplanung zur Verfügung. Dadurch können Medikamente gezielter eingesetzt werden, was nicht nur Behandlungskosten reduziert, sondern vor allem auch für den Patienten eine geringere Medikamentenbelastung bedeutet. Monarca ist mit gängigen medizinischen Informationssystemen kompatibel und kann daher in bestehende medizinische Arbeitsabläufe integriert werden. Das Ziel ist eine verbesserte Diagnose und Therapie bipolarer Störungen sowie verwandter psychischer Erkrankungen. Derzeit laufen langfristige klinische Studien zur Evaluierung und Erprobung des Systems bei den am Projekt beteiligten klinischen Partnern, den Tiroler Landeskrankenanstalten in Innsbruck und dem Rigshospitalet in Kopenhagen.

Partner des Bielefelder Exzellenzclusters CITEC im EU-Projekt MONARCA sind CREATE-NET (Trento, Italien), Tiroler Landeskrankenanstalten GmbH-TILAK (Innsbruck, Österreich), ETH Zürich (Schweiz), Universität Kaiserslautern, BITZ (Braunschweig), Aipermon GmbH (München), IT University of Copenhagen, Rigshospitalet (beide Kopenhagen, Dänemark), Scuola Universitaria Professionale della Svizzera Italiana (Lugano, Schweiz), Systema GmbH (Wien, Österreich); und Meditrainment GmbH (Garmisch-Partenkirchen).

Kontakt:
Andrea Finke, Universität Bielefeld
Exzellenzcluster Cognitive Interaction Technology (CITEC)
Telefon: 0521 106-12116
E-Mail: afinke@techfak.uni-bielefeld.de

Ingo Lohuis | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bielefeld.de
http://www.cit-ec.de/
http://www.monarca-project.eu/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs
13.12.2017 | Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

nachricht Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen
12.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften