Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit dem Skalpell gegen Übergewicht

27.08.2010
Neue Sprechstunde am Universitätsklinikum Jena bietet chirurgische Hilfe bei überflüssigen Pfunden

Immer mehr Menschen kämpfen mit Übergewicht. Oft jahrelang und vergeblich – meist folgt auf Diäten ein Jojo-Effekt. Die überflüssigen Pfunde sind nicht nur psychologisch ein Problem, sie verursachen auch gesundheitliche Beschwerden und gelten als Auslöser von Herz-Kreislaufproblemen, Diabetes und Gelenkerkrankungen. Die Besserung dieser lebensbedrohlichen Erkrankungen setzt oft einen Gewichtsverlust voraus – für die Betroffenen ein Teufelskreis, den sie nur schwer durchbrechen können.

Vor allem Menschen mit besonders großem Übergewicht und Begleiterkrankungen setzen ihre Hoffnungen daher in die Hilfe der Chirurgie. Diesen Patienten bietet jetzt das Universitätsklinikum Jena (UKJ) in einer neuen speziellen Sprechstunde zu Adipositas-Chirurgie Hilfe an. Dabei rücken die Ärzte dem Gewichtsproblem nicht mit Fettabsaugungen zu Leibe, sondern mit operativen Verkleinerungen des Magens oder Verkürzungen der Darmpassage.

„Studien haben gezeigt, dass diese Verfahren oft die einzige langfristige Hilfe bei starkem Übergewicht bieten“, erklärt dazu Prof. Dr. Utz Settmacher, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie am UKJ. Die Patienten verlieren nach den Operationen bis zu 70 Prozent ihres Übergewichts.

Das hat ganz direkte Folgen auf viele Begleiterkrankungen. „Es hat sich beispielsweise gezeigt, dass sich bei Diabetes-Patienten nach einer Operation die Zuckerwerte deutlich bessern. Bei einigen verschwindet der Diabetes sogar völlig“, so Prof. Settmacher weiter. Die UKJ-Chirurgen arbeiten daher in ihrer chirurgischen Adipositas-Sprechstunde eng mit den Internisten der endokrinologischen Stoffwechselambulanz zusammen.

Hier wird die generelle Eignung der Patienten überprüft, denn längst nicht jeder, der mit lästigen Fettpolstern kämpft, kommt für die Abspeckvariante per Skalpell in Frage.

Neben Untersuchungen, um körperliche Ursachen des Übergewichts sicher auszuschließen, gehören dazu bis zu sechs Monate lange Vorbereitungen. „So stellen wir sicher, dass der Eingriff tatsächlich das individuell geeignete Mittel für die angestrebte Gewichtsreduktion ist“, erklärt dazu Prof. Dr. Ulrich Alfons Müller, Leiter des UKJ-Funktionsbereichs Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen der Klinik für Innere Medizin III. Auch nach der Operation werden hier die Patienten weiter betreut. „Bei dem oft dramatischen Gewichtsverlust von 30 bis 40 Kilogramm in kurzer Zeit müssen wir genau darauf achten, wie der Körper reagiert und ob Probleme auftreten“, beschreibt Prof. Müller die Nachsorge.

Zum interdisziplinären Team der Sprechstunde gehören Psychologen ebenso wie Ernährungswissenschaftler, Diätassistenten, Physiotherapeuten und plastische Chirurgen. Die UKJ-Mediziner setzen auf eine umfassende Betreuung durch ein Expertenteam, um so den langfristigen Erfolg der Eingriffe sicherzustellen. Denn dafür ist es wichtig, dass die Patienten nach der Operation ihren bisherigen Lebensstil verändern. „Wir können die Nahrungsaufnahme chirurgisch drosseln, aber für den Langzeiterfolg müssen die Patienten auch bereit sein, etwas zu tun“, sagt Prof. Müller.

Für die operative Adipositas-Bekämpfung stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, die häufigsten sind das verstellbare Magenband, der Magenbypass oder die Bildung eines sogenannten Schlauchmagens. „Das angewendete Verfahren wird möglichst individuell auf den Patienten abgestimmt.“, erklärt der Chirurg Oberarzt Dr. Akram Gharbi, Beim Schlauchmagen wird der Magen operativ verkleinert und verliert dabei etwa 80 Prozent seines Volumens. Im Gegensatz zum Magenband ist diese Methode nicht reversibel, der Magen bleibt dauerhaft verkleinert. „Bei allen Verfahren können heute die Risiken sehr klein gehalten werden“, so Dr. Gharbi. Über den Einsatz der jeweiligen Methode, zu denen weitere verschiedene Verfahren gehören, wird jeweils individuell nach Wertung aller interdisziplinären Befunde, ausführlicher Beratung und Zustimmung des Patienten entschieden.

„Adipositas-Operationen setzen wir erst ein, wenn Patienten mit einem starken Übergewicht, also einem Body Mass Index von über 35, unter beeinträchtigenden Begleiterkrankungen leiden“, betont PD Dr. Hermann Kißler. Leiter der Sprechstunde. Das sind neben Diabetes auch hoher Blutdruck und Schlafapnoe. „Die Chirurgie ist hierbei allerdings immer die letzte Option, wir operieren erst, wenn alle herkömmlichen Behandlungsmethoden gescheitert sind“, so Kißler.

Informationen zur Sprechstunde:
jeweils Freitags nach telefonischer Anmeldung unter Tel. 03641/9322601.
Kontakt:
Prof. Dr. med. Utz Settmacher
Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/9 32 26 01
E-Mail avg.chirugie@med.uni-jena.de
Prof. Dr. Ulrich Alfons Müller,
Leiter des Funktionsbereichs Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen, Klinik für Innere Medizin III, Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/934840
E-Mail: ua.mueller@med.uni-jena.de

Helena Reinhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise