Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schonende Medizin gegen aggressiven Tumor des Rippenfells und der Lunge

06.12.2012
Das Klinikum der J.W. Goethe-Universität konnte in einer Studie zeigen, dass eine lokale Chemotherapie ohne größere Nebenwirkungen die Lebenserwartung von Menschen mit einem bösartigen Tumor des Rippenfells und der Lunge deutlich erhöhen kann.

Wenn man bei Menschen ein Pleuramesotheliom diagnostiziert, erhalten sie in der Regel eine erschreckende Prognose. Es handelt sich um einen sehr aggressiven Tumor des Rippenfells und der Lunge, der meist sehr spät erkannt wird.

Die mittlere Überlebenszeit nach den ersten Symptomen liegt bei 7 bis 16 Monaten. Am Frankfurter Universitätsklinikum wurde in einer Studie jetzt ein lokales chemotherapeutisches Verfahren geprüft, das bei nicht mehr operablen Tumoren eingesetzt werden kann.

Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass die sogenannte Transarterielle Chemoperfusion (TACP) die Überlebenszeit der Patienten deutlich verlängert und dabei die Belastung für die Patienten durch Nebenwirkungen sehr gering sind. Die Studie wird nun im renommierten amerikanischen Fachjournal Radiology veröffentlicht.

In der Forschungsarbeit wurden im Verlauf von drei Jahren 39 Patienten mit einem bösartigen Pleuramesotheliom im Alter von 26 bis 89 in durchschnittlich drei Sitzungen mit der TACP behandelt. Diese lokale Chemotherapie wird über die Arterien des Brustraumes eingebracht. Durch diese Arterien wird auch der Tumor mit Blut versorgt. Bei der TACP wird ein Schlauch in ausgewählte tumorversorgenden Arterien eingeführt. Durch diesen Schlauch werden chemotherapeutische Medikamente direkt in die Arterien gepumpt und gelangen so direkt zu dem kranken Gewebe. Die Diagnose und Auswertung erfolgte im Abstand von vier Wochen mittels Computertomografiebildern.

Die Studie hat gezeigt, dass die TACP den Betroffenen eine deutliche Verlängerung der Lebenszeit ermöglichen kann. Die Behandlung wurde von allen Patienten ohne größere Nebenwirkungen verkraftet. Bei über einem Drittel war das Tumorvolumen deutlich reduziert (im Schnitt um 71 Prozent). Bei knapp der Hälfte blieb das Tumorvolumen unverändert und bei rund einem Sechstel der Personen nahm das Volumen zu (im Schnitt um 24 Prozent). Die durchschnittliche Überlebenszeit wurde mit Hilfe einer wissenschaftlichen Methode errechnet und lag mit gut 21 Monaten deutlich über dem allgemeinen Schnitt bei dieser Erkrankung – und das ohne die heftigen Nebenwirkungen einer konventionellen Chemotherapie.

Prof. Thomas J. Vogl, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, erläutert, was die TACP für die Patienten bedeutet: „Es handelt sich bei diesem Verfahren um eine palliative Therapie, die eingesetzt wird, wenn keine Chance mehr auf eine vollständige Heilung besteht. Weil die Behandlung gut verträglich ist, kann sie den Betroffenen zusätzliche, körperlich relativ unbeschwerte Lebenszeit schenken.“

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
http://www.kgu.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aggressiver Bauchspeicheldrüsenkrebs: Welche Rolle spielen Entzündungssignale?
08.02.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht „Moment, hier war ich doch schon!“ – Wie das Gehirn Ortserinnerungen bildet
05.02.2016 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen 100 Jahre nach Einsteins Vorhersage entdeckt

LIGO öffnet mit der Beobachtung kollidierender schwarzer Löcher ein neues Fenster zum Universum / Entscheidende Beiträge von Forschern der Max-Planck-Gesellschaft und der Leibniz Universität Hannover

Zum ersten Mal haben Wissenschaftler Kräuselungen der Raumzeit, sogenannte Gravitationswellen, beobachtet, die – ausgelöst von einem Großereignis im fernen...

Im Focus: Messkampagne POLSTRACC: Starker Ozonabbau über der Arktis möglich

Die arktische Stratosphäre war in diesem Winter bisher außergewöhnlich kalt, damit sind alle Voraussetzungen für das Auftreten eines starken Ozonabbaus in den nächsten Wochen gegeben. Diesen Schluss legen erste Ergebnisse der vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) koordinierten Messkampagne POLSTRACC nahe, die seit Ende 2015 in der Arktis läuft. Eine wesentliche Rolle spielen dabei vertikal ausgedehnte polare Stratosphärenwolken, die zuletzt weite Bereiche der Arktis bedeckten: An ihrer Oberfläche finden chemische Reaktionen statt, welche den Ozonabbau beschleunigen. Diese Wolken haben die Klimaforscher nun ungewöhnlicherweise bis in den untersten Bereich der Stratosphäre beobachtet.

„Weite Bereiche der Arktis waren über einen Zeitraum von mehreren Wochen von polaren Stratosphärenwolken zwischen etwa 14 und 26 Kilometern Höhe bedeckt –...

Im Focus: AIDS-Impfstoffproduktion in Algen

Pflanzen und Mikroorganismen werden vielfältig zur Medikamentenproduktion genutzt. Die Produktion solcher Biopharmazeutika in Pflanzen nennt man auch „Molecular Pharming“. Sie ist ein stetig wachsendes Feld der Pflanzenbiotechnologie. Hauptorganismen sind vor allem Hefe und Nutzpflanzen, wie Mais und Kartoffel – Pflanzen mit einem hohen Pflege- und Platzbedarf. Forscher um Prof. Ralph Bock am Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie in Potsdam wollen mit Hilfe von Algen ein ressourcenschonenderes System für die Herstellung von Medikamenten und Impfstoffen verfügbar machen. Die Praxistauglichkeit untersuchten sie an einem potentiellen AIDS-Impfstoff.

Die Produktion von Arzneimitteln in Pflanzen und Mikroorganismen ist nicht neu. Bereits 1982 gelang es, durch den Einsatz gentechnischer Methoden, Bakterien so...

Im Focus: Einzeller mit Durchblick: Wie Bakterien „sehen“

Ein 300 Jahre altes Rätsel der Biologie ist geknackt. Wie eine internationale Forschergruppe aus Deutschland, Großbritannien und Portugal herausgefunden hat, nutzen Cyanobakterien – weltweit vorkommende mikroskopisch kleine Einzeller – das Funktionsprinzip des Linsenauges, um Licht wahrzunehmen und sich darauf zuzubewegen. Der Schlüssel zu des Rätsels Lösung war eine Idee aus Karlsruhe: Jan Gerrit Korvink, Professor am KIT und Leiter des Instituts für Mikrostrukturtechnik (IMT) am KIT, nutzte Siliziumplatten und UV-Licht, um den Brechungsindex der Einzeller zu messen.

 

Im Focus: Production of an AIDS vaccine in algae

Today, plants and microorganisms are heavily used for the production of medicinal products. The production of biopharmaceuticals in plants, also referred to as “Molecular Pharming”, represents a continuously growing field of plant biotechnology. Preferred host organisms include yeast and crop plants, such as maize and potato – plants with high demands. With the help of a special algal strain, the research team of Prof. Ralph Bock at the Max Planck Institute of Molecular Plant Physiology in Potsdam strives to develop a more efficient and resource-saving system for the production of medicines and vaccines. They tested its practicality by synthesizing a component of a potential AIDS vaccine.

The use of plants and microorganisms to produce pharmaceuticals is nothing new. In 1982, bacteria were genetically modified to produce human insulin, a drug...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

SUMA-Kongress 2016 – Die offene Web-Gesellschaft 4.0

12.02.2016 | Veranstaltungen

Career Center deutscher Hochschulen tagen an der Europa-Universität Viadrina

12.02.2016 | Veranstaltungen

Frauen in der digitalen Arbeitswelt: Gestaltung für die IT-Branche und das Ingenieurswesen

11.02.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ultraschnelle Kontrolle von Spinströmen durch Laserlicht

12.02.2016 | Physik Astronomie

SCHOTT stellt auf der Photonics West zukunftsweisende Lösungen für die Optik vor

12.02.2016 | Messenachrichten

Große Sauerstoffquellen im Erdinneren

12.02.2016 | Geowissenschaften