Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sarkome: Signalmolekül „FGFR“ als neuer Ansatz für die Therapie?

25.07.2012
Sarkome sind bösartige Tumoren des Weichgewebes und machen ca. 1 Prozent aller Krebserkrankungen aus.

Die Therapie dieser Tumoren beschränkt sich neben der operativen Entfernung fast ausschließlich auf klassische Chemo- und Strahlentherapie. Zielgerichtete Therapien mit spezifischen Angriffspunkten in den Tumorzellen stehen kaum zur Verfügung.


Werden die myxoiden Liposarkomzellen (MLS 402) mit steigenden Mengen eines Wirkstoffes behandelt, der die FGFR-Signale hemmt, wachsen sie langsamer und sterben schließlich ab.

Quelle: AG PD Dr. Merkelbach-Bruse: Helen Künstlinger

Das wollen Forscher vom Institut für Pathologie der Universität Köln ändern. Die Forscher sehen in den so genannten Fibroblastenwachstumsfaktor-Rezeptoren („FGFR“), einer Familie von Signalmolekülen, einen geeigneten Anknüpfungspunkt zur Entwicklung neuer Behandlungsstrategien.

Die FGFR-Moleküle sitzen auf der Oberfläche von Tumorzellen und senden starke Signale für das Wachstum und Überleben der Zellen aus. Es gibt Medikamente, die ganz spezifisch die Funktion der FGFR unterbinden können und so die Tumorzellen langsamer wachsen oder sogar sterben lassen. In anderen Krebserkrankungen, wie zum Beispiel. dem Lungenkrebs, werden diese Medikamente bereits erfolgreich in der Therapie genutzt.
Nun überprüfen die Kölner Forscher, ob sich eine solche, gegen die FGFR gerichtete Therapie auch in Weichgewebssarkomen anwenden lässt.

Zu den häufigsten Weichgewebssarkomen gehören die Liposarkome. Das sind Fettgewebstumoren, bei denen die Tumorzellen zumeist ganz charakteristische Veränderungen in ihrem Erbgut aufweisen. In einer Gruppe von Fettgewebstumoren, den so genannten myxoiden („schleimigen“) Liposarkomen, kommen zwei eigentlich weit voneinander entfernt liegende Gene in unmittelbare Nachbarschaft. Als Folge dieser genetischen Veränderung wird ein krankhaftes Eiweißmolekül gebildet, das für die Entstehung der Tumoren verantwortlich ist.

Für diese Art von Tumoren konnten die Kölner Forscher zeigen, dass die FGFR tatsächlich eine Rolle für das Überleben der Tumorzellen spielen. Werden die Tumorzellen mit Wirkstoffen behandelt, die die Signale der FGFR hemmen, so wachsen diese mit steigender Wirkstoffmenge langsamer und sterben schließlich ab. Dieser Effekt wird nun in einem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt weiter untersucht. Dabei sollen zum einen die molekularen Vorgänge in den myxoiden Liposarkomen genauer aufgeklärt werden, sowie zum anderen überprüft werden, ob eine Übertragung auf andere Gruppen von Weichgewebssarkomen möglich ist.

Es kommen neue Wirkstoffe, die zurzeit in klinischen Studien getestet werden, zum Einsatz. Ziel ist es, die folgenden Fragen zu beantworten: Werden FGFR in verschiedenen Gruppen von Weichgewebssarkomen vermehrt gebildet oder sind sie durch genetische Veränderungen stärker aktiviert? Lassen sich Tumorzellen auch dieser anderen Sarkomgruppen durch die Hemmung der FGFR-Signale in ihrem Wachstum verlangsamen oder sogar abtöten? Durch welche molekularen Vorgänge werden diese Effekte vermittelt?

Auf der Basis eines besseren Verständnisses von Weichgewebssarkomen werden so neue Konzepte für die Behandlung, Diagnosestellung und Prognoseabschätzung entwickelt. Diese zielgerichteten Ansätze erlauben dann eine individualisierte Tumortherapie.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 100.000 Euro.

Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Kontakt:
PD Dr. rer.nat. Sabine Merkelbach-Bruse und Prof. Dr. med. Reinhard Büttner
Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Köln, Kerpener Str. 62, 50924 Köln
Tel.: 0221-478-6369 bzw. -6320, Fax: 0221-478-6183 bzw. -6360
Email: Sabine.Merkelbach-Bruse@uk-koeln.de bzw. Reinhard.Buettner@uk-koeln.de

Sylvia Kloberdanz | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neues Hydrogel verbessert die Wundheilung
25.04.2017 | Universität Leipzig

nachricht Konfetti im Gehirn: Steuerung wichtiger Immunzellen bei Hirnkrankheiten geklärt
24.04.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen