Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Regensburger Chirurgen nutzen neuartiges Testverfahren zur Früherkennung von Nierenschädigung

07.10.2014

Durch ein modernes Verfahren mittels Urinmarkern können Ärzte des Universitätsklinikums Regensburg akute Nierenschädigungen nach schweren Operationen bis zu achtmal schneller nachweisen als mit bisher üblichen Tests.

Die Beeinträchtigung der Nierenfunktion gehört zu den häufigsten Komplikationen nach einem komplexen operativen Eingriff wie beispielsweise in der Tumor-, Leber-, Gefäßchirurgie, nach Transplantationen oder nach Unfällen mit schwersten Verletzungen.


(v.l.n.r.) Professor Dr. Hans Jürgen Schlitt, Dr. Ivan Göcze und Professor Dr. Michael Nerlich erhoffen sich durch das neue Verfahren eine Reduzierung akuter Nierenschädigungen. UKR

Ist die Nierenfunktion gestört, kann sich dies unter anderem negativ auf die benötigte Liegedauer im Krankenhaus, Lebensqualität nach der Entlassung oder gar das Überleben auswirken. Kommt es zu einer solchen Einschränkung der Nierenfunktion, steigen die nierenspezifischen Werte im Blut, jedoch erst mit einer gewissen Verzögerung. Dadurch können derzeit Nierenfunktionsstörungen erst nach 24 bis 48 Stunden nachgewiesen werden.

„Bis die Komplikation folglich erkannt und behandelt werden kann, vergeht oft wertvolle Zeit und der Behandlungserfolg bleibt dadurch sehr limitiert“, so Professor Michael Nerlich, Direktor der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie des UKR.

Auf der Operativen Intensivstation des Universitätsklinikums Regensburg wurden daher im Rahmen einer Studie innovative Urinmarker erstmalig bei Patienten nach komplexen operativen Eingriffen eingesetzt, um eine drohende Nierenfunktionsstörung frühzeitig erkennen und somit einer möglichen Nierengewebeschädigung rechtzeitig entgegenwirken zu können. Dazu wurden zwei im Urin nachweisbare Proteine mit einem in den USA entwickelten Test untersucht.

„Die beiden analysierten Proteine – TIMP-2 und IGFBP7 – dienen als eine Art biologisches Alarmsystem, das signalisiert, wenn die Nierenzellen unter akutem Stress stehen“, erläutert Dr. Ivan Göcze, Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Chirurgie des UKR und Leiter der Studie. Vorteil der beiden Proteine: Sie werden sehr früh im Urin freigesetzt, so dass eine drohende Nierenschädigung bereits weniger als sechs Stunden nach der Operation mit hoher Sicherheit erkannt werden kann.

Zudem ist die Vorhersage mittels Urinmarkern sehr einfach durchzuführen und ist deutlich präziser als die gegenwärtige Methode der Risikoschätzung. „Die frühzeitige Bestimmung dieser Biomarker bringt eine neue Qualität in die Früherkennung der Risikopatienten und könnte zukünftig Prävention und Behandlung der Nierenschädigung nach komplexen Operationen wesentlich verbessern“, fasst Professor Hans Jürgen Schlitt, Direktor der Klinik und Poliklinik für Chirurgie des UKR, zusammen.

Die Arbeit entstand in Kooperation zwischen der Klinik und Poliklinik für Chirurgie (Dr. Ivan Göcze, Professor Dr. Hans Jürgen Schlitt) und der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie (Dr. Matthias Koch und Professor Dr. Michael Nerlich) des Universitätsklinikums Regensburg.

Die vielversprechenden Ergebnisse aus Regensburg wurden am 01.10.2014 auf dem Europäischen Kongress für Intensivmedizin in Barcelona vorgestellt und diskutiert. Auf der diesjährigen Jahrestagung der Vereinigung Bayerischer Chirurgen wurde die Arbeit zudem mit dem renommierten Otto Goetze-Preis für klinische Forschung ausgezeichnet. Dieser wird seit 1971 für den inhaltlich und rhetorisch besten Vortrag eines nichthabilitierten Chirurgen verliehen.

Im nächsten Schritt wollen die Regensburger Mediziner untersuchen, ob durch den regelmäßigen Einsatz des Testverfahrens, die Häufigkeit und der Schweregrad der akuten Nierenschädigung nach schweren Operationen deutlich reduziert werden können.

Weitere Informationen:

http://www.ukr.de/ueber-uns/Aktuelles_und_Presse/Nachrichten/index.php

Susanne Körber | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schwere Infektionen bei Kindern auch in der Schweiz verbreitet
26.07.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ruckartige Bewegung schärft Röntgenpulse

Spektral breite Röntgenpulse lassen sich rein mechanisch „zuspitzen“. Das klingt überraschend, aber ein Team aus theoretischen und Experimentalphysikern hat dafür eine Methode entwickelt und realisiert. Sie verwendet präzise mit den Pulsen synchronisierte schnelle Bewegungen einer mit dem Röntgenlicht wechselwirkenden Probe. Dadurch gelingt es, Photonen innerhalb des Röntgenpulses so zu verschieben, dass sich diese im gewünschten Bereich konzentrieren.

Wie macht man aus einem flachen Hügel einen steilen und hohen Berg? Man gräbt an den Seiten Material ab und schüttet es oben auf. So etwa kann man sich die...

Im Focus: Abrupt motion sharpens x-ray pulses

Spectrally narrow x-ray pulses may be “sharpened” by purely mechanical means. This sounds surprisingly, but a team of theoretical and experimental physicists developed and realized such a method. It is based on fast motions, precisely synchronized with the pulses, of a target interacting with the x-ray light. Thereby, photons are redistributed within the x-ray pulse to the desired spectral region.

A team of theoretical physicists from the MPI for Nuclear Physics (MPIK) in Heidelberg has developed a novel method to intensify the spectrally broad x-ray...

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Ferienkurs mit rund 600 Teilnehmern aus aller Welt

28.07.2017 | Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Firmen räumen bei der IT, Mobilgeräten und Firmen-Hardware am liebsten in der Urlaubsphase auf

28.07.2017 | Unternehmensmeldung

Dunkel war’s, der Mond schien helle: Nachthimmel oft heller als gedacht

28.07.2017 | Geowissenschaften

8,2 Millionen Euro für den Kampf gegen Leukämie

28.07.2017 | Förderungen Preise